Wirtschaftskammer

Heftige Kritik an Spekulationsverlusten

10. Juni 2011, 17:57

Grüner Plass: Wiener Kammerchefin Jank für Finanzskandal "persönlich verantwortlich" - SWV-Wien fordert U-Ausschuss

Wien - Nach dem Bekanntwerden der Millionen-Verluste in den Pensionskassen der Wirtschaftskammer Wien (WKW) und auch Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) durch die Pleite des Vermögensverwalters R-Quadrat hagelt es Kritik von Seiten der Oppositionsvertreter. Der Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, Volker Plass, forderte am Freitag die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien (WKW), Brigitte Jank, auf, für den "aufgeflogenen Immobilien-Finanzskandal" in der Wiener Kammer "persönlich die Verantwortung" zu übernehmen. Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Wien (SWV-Wien) fordert einen Untersuchungsausschuss.

Die Wirtschaftskammer Wien wies dies zurück. Die Veranlagungen würden gemäß der Verordnung zum Wirtschaftskammergesetz (Haushaltsordnung) "ausschließlich durch die Abteilung Finanz- und Rechnungswesen im Vier-Augen-Prinzip mit der Kammerdirektion" erfolgen und gehörten somit nicht in den Verantwortungsbereich des Funktionärssystems. Die Information an die Funktionäre erfolge im Rahmen des gesetzlich eingerichteten Finanzausschusses.

"Zehn Millionen Euro verschleudert"

Volker Plass kritisierte am Freitag, dass mehr als zehn Millionen Euro an Mitgliedsbeiträgen der WKW mit türkischen und osteuropäischen Projekten der R-Quadrat-Immobiliengruppe "verschleudert" worden seien. Die Investitionsentscheidung sei ohne demokratische Gremialbeschlüsse im Alleingang durch Jank und Kammerdirektor Heinz Wollinger, der damals Finanzchef der Wiener Kammer war, erfolgt. Bei der Veranlagung seien die Bestimmungen der Wirtschaftskammer-Haushaltsordnung, die bei Anleihen "Emittenten hoher Bonität" verlange, aufs Gröbste verletzt worden.

SWV-Wien-Präsident Fritz Strobl fordert zu den "Spekulationsverlusten" einen Untersuchungsausschuss "unter Einbezug aller Fraktionen, damit die Mitglieder der Wirtschaftskammer Wien endlich erfahren, was mit ihren Geldern eigentlich passiert". Im Wirtschaftsparlament vorige Woche seien noch ganz andere Zahlen vorgelegt worden, so Strobl, weit niedrigere Beträge, als jene, die jetzt vom Magazin "Format" aufgedeckt worden seien. Strobl spricht von einer "Verschleierungspolitik durch den Wirtschaftsbund".

Erschwerend kommt für Plass hinzu, dass Jank im Zivilberuf allgemein beeidete und zertifizierte Sachverständige für das Immobilienwesen sei und deshalb über ein besonderes Fachwissen am Immobilienmarkt verfügen müsste. Die Behauptung, dass die Risiken zum Zeitpunkt des Ankaufs der R-Quadrat-Anleihen nicht erkennbar waren, entbehrten jeder Grundlage. "Durch eine einfache Firmenbuch-Abfrage und ein wenig Googeln im Internet, was bei einer Entscheidung über 10 Mio. Euro kein übertriebener Aufwand ist, hätte man die Verschachtelung der Eigentümerverhältnisse zwischen Finanzberater und Fondsanbieter sowie deren zweifelhaften Ruf rasch feststellen können", so Plass.

Leitl soll "für Sauberkeit sorgen"

WKÖ-Präsident Christoph Leitl wird von Plass aufgefordert, "umgehend für Sauberkeit im eigenen Haus zu sorgen". Leitl habe immer behauptet, auf der Seite der hart arbeitenden Unternehmen zu stehen und gegen die Spekulanten der Finanzwirtschaft aufzutreten. "Und jetzt verzockt die Wirtschaftskammer die Beiträge ihrer Pflichtmitglieder?", emport sich Plass.

Als erste Maßnahme müssten jetzt einmal alle Fakten auf den Tisch. Die Grüne Wirtschaft fordert eine Offenlegung aller Veranlagungen der gesamten Wirtschaftskammer-Organisation inklusive ihres Pensionsfonds und der Pensionskassen AG. Weiters müsse es zu einer neuen Risikobewertung aller Investments kommen. "Wir wollen wissen, wie viel vom Kammervermögen noch vorhanden und wie viel bereits der schwarzen 'Wirtschaftskompetenz' zum Opfer gefallen ist", so Plass. (APA)

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22 Postings
warp.faktor
01
13.6.2011, 09:15
Und was lernen wir daraus?

Wer einen Verlust von 10. Millionen nicht verkraften kann, sollte sich von der privaten "Pensionsvorsorge" fernhalten.

Wenn selbst im "Hort der Wirtschaftskompetenz" (zumindest behauptet das die ÖVP von sich) die Anleger betrogen werden, wie soll sich dann erst eine Privatperson davor schützen?

Schön, dass es eine staatliche Pension gibt, die auf dem Umlageverfahren basiert. Kann sein, dass sie geringer ausfällt als erhofft, aber sie verschwindet wenigstens nicht so einfach, wenn ein dubioses Unternehmen sagt "Sorry".

Wüstenläufer
01
12.6.2011, 11:50
Aufruf über Facebook & Twitter & hiermit derstandard:

ich rufe hiermit alle Pflichtbeitragszahler dieses Vereins dazu auf, ab sofort die Beitragszahlungen einzustellen.

Was der "Kleine Mann" in Ägypten und Tunesien geschafft hat, nämlich die jeweils korrupten Präsidenten hinwegzufegen, sollte doch den österreichischen Wirtschaftstreibenden auch gelingen: die korrupte Bande hinwegzufegen.

Sie sollen, wie jeder Unternehmer, der sich verspekuliert, (oft nicht einmal das, aber er beliefert Kunden, die nicht zahlen) mit ihrem Eigentum für diese Verluste aufkommen!

reallity show
02
12.6.2011, 09:16

zuerst die NÖer, jetzt die wiener. die wirtschaftsINkompetenten reichen sich die türklinke.

Nessus
01
12.6.2011, 11:35
Es muss nicht unbedingt Inkompetenz sein

Auch lukratives Augenzudrücken ist durchaus denkbar. Es geht ja nur um die Kohle der Anleger - also null Risiko

Bussi
00
15.6.2011, 17:45
leider nein

ich bin pflichtmitglied

und nicht anleger

wenn ich geld machen will kaufe ich ware und verkaufe sie

dafür, daß ich das machen darf bin ich kammermitglied

wenn ich spekulieren wollte, würde ich das nicht über den umweg jank und co machen.

freu mich schon auf das nächste jankmail!!!

Johannes99
10
12.6.2011, 08:23
"Emittenten hoher Bonität"? Die sind leider Mangelware

Das Problem ist, dass es zuwenig Anlagemöglichkeit von "Emittenten hoher Bonität" gibt, aber zuviel Geld da ist. Ob diverse Pensionsfonds, Veranlagung der NÖ-Wohnbaugelder oder Fremdwährungskredite schwarzer und roter Gemeinden bis hin zu den kriminellen BAWAG-Spekulationen: Die Verlockung ist zu groß, auf die Bonität zu pfeiffen. Kein Wunder, wenn der Sumpf der Finanzspekulationen immer größer statt trockener wird.

Plato
01
12.6.2011, 08:13
und das im Heiligen Gral der Wirtschftskompetenz !

Keyser
02
11.6.2011, 16:01

Die armen Unternehmer [Nein, nicht sarkastisch gemeint!] die, egal ob klein oder groß, solchen Menschen ihr Geld nachwerfen müssen.

Wenn da nun jemand auf die Idee käme, nicht mehr zu zahlen - was würde passieren? Wenn es nur einer täte, wäre die WK vermutlich schnell dahinter, wenn es aber hunderte machen? Oder gar alle?

Ich habe ja schon etliche Berichte gelesen, in denen Zwangsmitglieder sich über dieses System aufregten - und wohl auch zu recht, wie ich finde. Und dann kommt so ein Skandal, und die sollten sich ruhig verhalten - wäre ja noch schöner, oder?

Solidarisiert euch, und gebt dem Verein kein Geld mehr, 10 Mio. einfach so in Immo-Projekten versenken, da könnt das Geld gleich selber eingraben im Garten, oder verbrennen.

chrilly donninger1
01
11.6.2011, 18:43
Und wie organisiert man so einen Boykott??

Es hat schon (Klein-)Unternehmerstreiks gegeben. Z.B. die der Transportunternehmer gegen die Regierung Allende in Chile.
Aber da waren sehr mächtige Unternehmerverbände plus Geld vom CIA dahinter.

Oder soll ich von meinem Büro im hintersten Waldviertel den grossen Kleinunternehmerstreik organisieren? Da liefern's mich wegen Grössenwahn ein.
Die Grünen waren einmal ein bisserl WK-kritisch. Inzwischen spielen sie in meiner Gruppe, Software&Unternehmensberatung auch auf wichtig.

Die Blauen sind ebenfalls WK-kritisch, sie sind aber hauptsächlich mit internen Streitereien beschäftigt.
Die Roten betteln subaltern dass sie die Schwarzen auch ein bisserl mittun lassen. Und die machen was sie wollen.

reallity show
00
12.6.2011, 09:08

net reden, TUN

sonst gehören sie auch zu den ankündigungspropheten, der 'leider geht net generation'.

chester nori
10
11.6.2011, 15:52
artikel an der sache vorbei - parteipolitikum in front

der artikel ist von einem parteipolitikum geprägt und geht an der sache vorbei

ob jank experte ist oder nicht, ist nicht die frage

ob die eigentumsverhältnisse der immobiliengruppe zweifelhaft sind oder nicht, ist egal

wesentliche fragen:

passt die veranlagungsentscheidung grundsätzlich zu den vorgaben für veranlagungen der WK (und anderen institutonen)?

ist der anteil und das risiko der getätigten veranlagung angemessen?

sind die investitionen im rahmen des veranlagungsvehikels im sinne des prospektes erfolgt?

war es wirklich das marktrisiko, das die veranlagung "sterben" liess?

haben sich im zuge der veranlagung mandatare (durch provisionen, honorare) bereichert?

.....

Alo
02
11.6.2011, 20:05
Wer so mit Daten umgeht:

Wirbel um offizielle Zahlen offener Lehrstellen
„Heute“ am 21.1.2011: Rote Gewerkschaft widerspricht Wirtschaftskammer

1076 arbeitssuchende Jugendliche stehen 1088 offenen Stellen gegenüber“ verlautbarte Wirtschaftskammer-Chefin Brigitte Jank. „Diese Behauptung ist völlig unseriös“, kritisierte Lehrlingssprecher Christoph Peschek.
„Laut aktuller AMS-Statistik stehen 927 Suchende 258 offenen Jobs gegenüber“.

Selbständiger
02
11.6.2011, 15:22
Leitl soll "für Sauberkeit sorgen

Ha ha.

Wer von einem Schutzgelderpresser und Vorstand von kriminellen und sich selbst bedienenden Funktionären Sauberkeit verlangt, kann gleich vom Mafiapaten verlangen, auf alle kriminellen Machenschaften freiwillig zu verzichten.

Jede Wette, es wird keine Strafe und keine Rückzahlung der veruntreuten Gelder geben. Da werden schon unsere geschmierten Parteien mit ihrer korrupten Justiz dafür sorgen.

Vermutlich wird wie im BAWAG Fall das Geld einfach abgeschrieben und nie mehr nachgeforscht, welches Drecksgesindel sich damit bereichert hat. WK = Mafia

bebop
02
11.6.2011, 08:14
Eine bodenlose Frechheit,

dass die Kammer mit Zwangsgebühren überhaupt Zusatzpensionen anhäuft.

Herbert Wippel1
 
00
11.6.2011, 08:05

wieder einmal es geht ja doch nichts ueber die von KHG und WS ( vulgo Mikroonapf) gefoerderte Eigenvorsorge, die staatlich gefoerderte Variante des Glueckspiels

Opti. mist
01
11.6.2011, 01:05
Es gilt die Unschuldsvermutung

Da Frau Jank im Immobilienverwalter Bereich tätig war, ist es kein Wunder das sie mit fremden Geldern umgeht als wären es ihr eigenen. Dieses Verhalten dürfte in diesem Wirtschaftsbereich üblich sein.

Ar Mutschgerl
00
11.6.2011, 23:39
Darf ich Ihnen widersprechen?

ich bin mir sicher, dass Frau Jank ihr Privatgeld sicher nicht so risikoreich veranlagen würde. Sie geht mit fremden Geld um, wie es sich gehört: Wie mit fremden Geld halt, wenn es weg ist, trifft es sie nicht weiter, denn sie hat nichts zu befürchten - es war ja nicht ihres. Sondern meines. Und das meiner selbstständigen Kollegen in den anderen EPUs.

didi111
01
10.6.2011, 20:34
Geht das so weiter, wird ev. noch der Tag kommen,

an dem vorsorglich ALLE ÖVP-Mitglieder in U-Haft genommen werden wegen des Generalverdachts des Nehmens, der Veruntreuung, des Steuerbetrugs,.... wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.

In den Medien stand, daß es dieser Tage bei der Polizei eine Festnahmestrasse gab.

Kann man sie nicht wieder aktivieren?

Natürlich gilt auch für alle ÖVP-Mitglieder die Unschuldsvermutung..

Zivilgeselle
03
10.6.2011, 18:50
Börserlgeld für "Unschuldsvermutete"

Angeblich hat die R-Quadrat Gruppe "kick back" Zahlungen an wichtige Entscheidungsträger verteilt, damit sie schneller und besser ins Geschäft kommen.

Das Vier-Augen Prinzip wäre da äußerst hilfreich: Es kommt viel billiger nur 2 Entscheidungsträger bestechen zu müssen.

Übrigens, der Masseverwalter hat bereits verkündet, dass die Mittelverwendung von zig Millionen unklar ist ........... !!!

Haben die R-Quadratler sich das Geld nur selber eingesteckt oder auch "verteilt".

Jank und Co. sind womöglich auch im erlauchten Kreis der "Unschuldsvermuteten" einzureihen.

chrilly donninger1
04
10.6.2011, 18:39
Als Zwangsmitglied bin ich neugierig

ob die Beiträge jetzt erhöht werden.
Einschränkung der Leistung wär mir hingegen wurscht, weil ich noch nie eine Leistung der WK erkannt habe.
Der WK-Beitrag ist eine der vielen Abgaben, die man in Österreich halt zahlen muss. Wobei ich es ja nach Stimmung lustig oder ärgerlich finde, wenn der Leitl gross gegen die Abgabenbelastung der Unternehmer wettert. Man könnt bei der WK-Abgabe anfangen und die Mitgliedschaft freiwillig machen.

ibinswieda
 
00
11.6.2011, 00:04

Was mich anlangt, wäre Einschränkung der Leistung gut, da die WK (auch mit meinen Beiträgen) gegen meine Interessen agiert. Pfosten!

Rauscher, der Hundefreund
03
10.6.2011, 18:34
A bisserl schmähstad, Frau Jank?

Ansonsten fahren ja die Kämmerer immer mit schwerem Geschütz auf, wenn ihre segensreiche (für wen?) Tätigkeit in Zweifel gezogen wird. Untereinander richtet man es sich gerne... wenn z.B. Subventionsgeber und Subventionsnehmer ein und diesselbe Person sind.

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