Gefiedert und gewitzt: Die Werkzeug-Benützer "Kermit" und "Uek"

12. Juni 2011, 18:43
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Wiener Forscher verglichen die kognitiven Fähigkeiten von Keas und Neukaledonischen Krähen

Wien - Papageien und Rabenvögel gelten im allgemeinen als die beiden Vogelgruppen mit der größten Intelligenz. Wissenschafter des Departments für Kognitionsbiologie der Uni Wien konnten dies mit einem weiteren Experiment zum Werkzeuggebrauch belegen, mit dem sie technisches Können sowie die Fähigkeit der Tiere, zu innovativen Lösungen zu gelangen, untersuchten. Die Ergebnise wurden in den Fachzeitschriften "Plos One" und "Biology Letters" veröffentlicht.

Die Forscher konzentrierten sich dabei auf zwei Spezies, den Kea und die Neukaledonische Krähe. Der Kea (Nestor notabilis) ist ein Großpapagei mit olivgrünem Gefieder, der in freier Wildbahn nur entlang des neuseeländischen Alpenkammes lebt. Er gilt als extrem neugierig und ist berühmt für seinen Drang, neue Objekte zu inspizieren und zu zerlegen - Werkzeuggebrauch bei wildlebenden Keas wurde bislang jedoch nicht beobachtet. Die Neukaledonische Krähe (Corvus moneduloides) hingegen ist für Werkzeuggebrauch bekannt - sie verwendet längliche Werkzeuge, wie zum Beispiel kleine Stöcke oder Blattstücke, um nach Futter in Baumlöchern zu stochern. "Beim Werkzeugbau zeigt sie großes innovatives Können bei technischen Problemen", erläutert Ludwig Huber, Leiter des Departments für Kognitionsbiologie.

Das Experiment

Ziel der in Kooperation mit Kollegen des Departments für Zoologie der Universität Oxford durchgeführten Studie war es, Flexibilität und Effizienz der beiden Vogelspezies zu vergleichen. Das Team konfrontierte sechs Keas und fünf Neukaledonische Krähen mit einem viereckigen Plexiglaswürfel, einer sogenannten "Multi Access Box". Jede Seitenwand ermöglichte den Tieren einen anderen Zugang zu einer Belohnung, die im Inneren auf einer Plattform lag.

"Die Tiere konnten an einer Schnur ziehen, die um die Belohnung gewickelt ist, ein Fenster mit einem hakenförmigen Hebel öffnen, eine Murmel in eine gebogene Kugelbahn werfen, welche dann die Belohnung von ihrer Plattform wirft, oder einen Stab in ein Loch schieben und damit die Belohnung von der Plattform stoßen", erklärt Alice Auersperg, Erstautorin der Publikation. Dabei konnten die Tiere selbst wählen, welche Aufgaben sie zuerst ausprobieren wollten. "Nachdem sie eine Lösung gefunden und diese mehrmals erfolgreich angewendet hatten, haben wir diesen Zugang blockiert. Das sollte uns helfen herauszufinden, wie schnell sie eine Strategie wechseln konnten und eine neue Lösung finden würden", sagt Co-Autor Gyula Gajdon.

Das Ergebnis

Nur ein Tier jeder Art, der Kea "Kermit" und die Krähe "Uek", lösten alle vier Aufgaben. Die schwierigste Lösung für die Keas war der Gebrauch des Stabes als Werkzeug. Dies sei wenig überraschend, da sie in der Natur keine Werkzeuge verwenden, erklärten die Forscher. Zudem hätten die Papageien mit ihrem krummen Schnabel Mühe, ein längliches Werkzeug als Verlängerung des Schnabels einzusetzen. "Umso beeindruckender ist, dass es 'Kermit' gelang, dieses Handicap zu überwinden. Seine Strategien legen den Eindruck zielgerichteten Verhaltens nahe", so Huber.

Größte Herausforderung für die Krähen war es hingegen, das Fenster zu öffnen, indem sie einen Haken ziehen. Im Alltag benutzen sie oft Werkzeuge, um gefährlich aussehende Gegenstände aus sicherer Distanz zu untersuchen; die direkte Berührung und das Ziehen von neuen Objekten sind ihnen daher unheimlich. "Nachdem Uek das Fenster erfolgreich geöffnet hatte, holte sie sich die Belohnung aus sicherem Abstand mithilfe des Stabes, statt ihren Kopf direkt durch das Fenster in die Box zu stecken, wie es die Keas getan hatten", sagt Auersperg.

Fortführung und Hintergrund

Im Rahmen der zweiten Studie lernten Keas, wie sie ein längliches Stöckchen benutzen, um an eine Belohnung zu kommen, die alleine mit dem Schnabel unerreichbar ist. Im Weiteren erfassten sie, mit dem Werkzeug in eine bestimmte Richtung zu zielen: "Dies ist besonders bemerkenswert, da Keas als Höhlenbrüter beim Nestbau keine Stöckchen verwenden und daher vermutlich keine Prädisposition für Gebrauch von derartigem Material als Werkzeug haben", so Gajdon.

Die Forscher erhoffen sich von den Ergebnissen mehr Einsicht in die Evolution von Intelligenz. Anstatt wie früher nur zu zeigen, zu welchen besonderen Leistungen bestimmte Tierarten imstande sind, liegt der Fokus der Kognitionsforschung heute darauf, auf welchen Grundlagen diese Leistungen beruhen. (red/APA)

  • Die Krähe "Uek" löste als einziges Tier ihrer Art alle vier Aufgaben.
    foto: alice auersperg

    Die Krähe "Uek" löste als einziges Tier ihrer Art alle vier Aufgaben.

  • Auch die Keas, die in der Natur kein Werkzeug benutzen, schlugen sich an der "Multi Access Box" beachtlich.
    foto: alice auersperg

    Auch die Keas, die in der Natur kein Werkzeug benutzen, schlugen sich an der "Multi Access Box" beachtlich.

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