"Schaum" aus magnetischen Blasen am Rand des Sonnensystems

10. Juni 2011, 18:54
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NASA-Experte: "Sie scheinen unsere erste Verteidigungslinie gegenüber kosmischen Strahlen zu sein"

Washington - Falls irgendjemand die Illusion hegen sollte, dass die wichtigsten astronomischen Phänomene zumindest bekannt (wenn schon nicht immer geklärt) sind, so dauert es selten lange, bis die nächste unerwartete Entdeckung gemacht wird. Manchmal sogar gleich in der Nähe, genauer gesagt: am Rande unseres Sonnensystems. Diese Region enthält nämlich einen richtiggehenden "Schaum" aus magnetischen Blasen.

Das hätten Funde ergeben, die von den beiden "Voyager"-Raumsonden übermittelt wurden, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte. Die beiden altgedienten Zwillingssonden "Voyager 1" und "Voyager 2" begannen ihre Reise durch das All im Sommer 1977. Sie sind inzwischen die am weitesten von der Erde entfernten Objekte, die Menschen je gebaut haben.

Der Whirlpool

Die flachen, ovalen Blasen am Rand des Sonnensystems sind laut NASA rund 160 Millionen Kilometer lang und mussten mit Hilfe einer Computermodellierung dargestellt werden, da sie nicht sichtbar seien. Sie machen die Gegend sehr turbulent, "ungefähr wie den Bereich eines Whirlpools, wo die meisten Luftblasen aufsteigen", sagte der Astronom James Drake von der University of Maryland bei der Vorstellung der Erkenntnisse. Die Funde zeigen, dass die Partikel der kosmischen Strahlung, die von außen in unser System kommen, zunächst ein Meer dieser Blasen durchqueren müssen. 

"Die Magnetblasen scheinen unsere erste Verteidigungslinie gegenüber kosmischen Strahlen zu sein", sagte NASA-Experte Merav Opher. Unklar bleibt vorerst, ob dies eine gute oder schlechte Verteidigung ist: Auf der einen Seite wirkt dieser Schild eher porös und lässt Partikeln viel Raum für einen ungehinderten "Durchmarsch". Andererseits könnten auch viele Partikel in diesem Schaum gefangen werden, indem sie wie ein Ball in einem Flipper herumspringen.

Forscher messen die Strahlung, die Astronauten gesundheitlich schaden kann, seit langem. Aber das neue Wissen könnte Theorien darüber ändern, wie sie uns aus dem interstellaren Raum erreichen. (APA/red)

  • Aktualisierte Darstellung der äußeren Bereiche des Sonnensystems: Die regelmäßig geformten blauen und roten Spirallinien stehen für das Magnetfeld in der klassischen Sichtweise. Ergänzt wird es hier um den verwirbelten Bereich von Magnetblasen (rot), die als erste Barriere gegen die kosmischen Strahlen (orange) fungieren.
    illustration: nasa

    Aktualisierte Darstellung der äußeren Bereiche des Sonnensystems: Die regelmäßig geformten blauen und roten Spirallinien stehen für das Magnetfeld in der klassischen Sichtweise. Ergänzt wird es hier um den verwirbelten Bereich von Magnetblasen (rot), die als erste Barriere gegen die kosmischen Strahlen (orange) fungieren.

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