Was wird aus meiner Bibliothek?

11. Juni 2011, 15:00
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    "Die Bibliothek ist mein schönster Aufenthaltsort und wird es bleiben, gerade weil sie das Mausoleum einer untergehenden Kultur ist."

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    Burkhard Spinnen.

Die fantastische Zugänglichkeit der Textwelt hat die Verhältnisse umgekehrt: Vor der digitalen Bibliothek im Netz verblassen heute alle analogen Sammlungen

Im Alter von acht Jahren bekam ich auf einen Schlag viele Bücher. Plötzlich standen sie da, zwei Regalbretter trugen sie kaum. Die eine Hälfte war als Geschenke zur Erstkommunion ins Haus gekommen. Ich erinnere mich an das übliche Quantum Karl May, an Schwabs Sagen des klassischen Altertums, an ein Kinderlexikon und ein paar Kinderbücher aus der Fünf Freunde-Richtung. Die andere Hälfte stammte von meinem älteren Cousin. Es waren Kinderbücher aus den 50er-Jahren, sie rochen gut nach schlechtem Papier, und sie gaben mir beim Lesen das vage Gefühl, mich in etwas schon Vergangenem herumzutreiben.

Doch das große Faszinosum waren damals weniger die einzelnen Texte, sondern vielmehr die Menge des zu Lesenden, ein vermeintlich ewiger Vorrat, der wie aus einem Füllhorn über mir ausgegossen war. In unserem bis dato bücherlosen Haushalt besaß ich plötzlich eine Bibliothek, vor der ich stehen und auswählen konnte. Welch ein Schatz! Ich schrieb meinen Namen in die Bücher, stellte sie nach Größe auf und nummerierte sie fortlaufend.

Dass meine erste Bibliothek nicht wesentlich wuchs, lag paradoxerweise an meinem Drang zur Menge. Denn bald wurde ich regelmäßiger Besucher unserer Stadtbibliothek, und verglichen mit der war meine eigene Sammlung mehr ärmlich als bescheiden. Ich erklärte also die Stadtbibliothek zu "meiner" Bibliothek und trug jahrelang ihre Bestände zur Lektüre hinaus in unseren ländlichen Vorort und wieder zurück.

So konnte ich, als ich meine Studentenbude bezog, wieder nur zwei Regalbretter mit Büchern füllen. Obwohl die Universität so viel mehr an Lektüre zur Verfügung stellte, machte das Germanistikstudium aus mir einen Büchersammler. Die erste Erfahrung, dass ein gesuchtes Buch in keiner Bibliothek vorhanden war, aktivierte eine meiner genetischen Prädispositionen; jedenfalls verselbstständigte sich meine Suche nach Büchern über den unmittelbaren Zweck hinaus und wurde rasch zur Manie. Allmählich verdrängten billige Regale die Möbel aus meiner Bude; viele Stunden, ja Tage verbrachte ich auf Flohmärkten; fremde Städte kartografierte ich nach der Lage ihrer Antiquariate. Wertvolle Funde musste ich oft verkaufen, um die laufenden Anschaffungen finanzieren zu können. Darunter war eine Kafka-Erstausgabe, der ich bis heute nachtrauere. Als ich heiratete, musste ich meiner Frau versprechen, uns durch meine Büchersucht nicht zu ruinieren.

Hätte man mich damals, in den 80er-Jahren, gefragt, was mir meine private Bibliothek denn bedeute, so hätte ich mich über die Frage sehr gewundert. Der Besitz von Büchern, ja das Leben zwischen ihnen, erschienen mir damals als selbstverständlich für jemanden wie mich, der so gerne mit und in Texten lebte. Die Bücherwände begrenzten den Lebensraum, sie beengten ihn sogar, aber sie öffneten ihn auch ins wahrhaft Unbegrenzte. Ein gelesenes Buch gehörte zum Leben wie der gestrige Tag, ein ungelesenes aber wie die Zukunft mit allen ihren Möglichkeiten. Das Zusammentragen von Büchern und ihre Anordnung in den Regalen waren so etwas wie das Verfassen der inneren Biografie. Man kann sich vorstellen, welch großer Moment es in meinem Leben war, als ich das erste eigene, also selbst geschriebene Buch ins Regal stellen konnte.

Der Bestand wuchs weiter. Aus meinem Arbeitszimmer wucherten die Regale über den Flur und in andere Zimmer. Kurz bevor ich den halsbrecherischen Plan realisieren wollte, die Wand neben der Treppe zum Speicher auch mit Regalen zu versehen, geschah, was ich mir seit 25 Jahren gewünscht hatte: Ich bekam, angrenzend an ein externes Arbeitszimmer, einen Raum, der nur für meine Bücher bestimmt war. Der Traum von der "richtigen" eigenen Bibliothek wurde wahr. Wochenlang zimmerte ich Regale, holte die Bestände von überall zusammen, ordnete sie neu.

Doch es ist etwas Schreckliches passiert. Ich kann mich an meiner Bibliothek nicht mehr so uneingeschränkt freuen. Sie ist zu spät gekommen, und jetzt wird sie, ohne etwas dafür zu können, bestraft. Von wem? Vom Internet. Denn durch das Netz bin ich ja von praktisch jedem Buch der Welt nur einen Mausklick entfernt, egal ob es im Handel ist oder längst vergriffen. Über die verschiedenen Plattformen könnte ich mir meine in vielen Jahren mühsam gesammelten Bestände älterer Literatur an einem Nachmittag zusammenordern. Irgendein Buch wie früher "auf Verdacht" zu kaufen, weil die Gelegenheit so schnell vielleicht nicht wiederkommt, ist unnötig geworden; das Netz erfüllt jeden Bücherwunsch im Handumdrehen - und das zu Preisen, die bedingt durch die verschärfte Konkurrenz teilweise unter denen früherer Jahre liegen! Und schließlich gibt es Google Books mit seinen ständig wachsenden Beständen digitalisierter Literatur, die rechtefrei ist und also umsonst heruntergeladen werden kann.

Millionen von Büchern ...

Kurz gesagt: Ein Buch zu besorgen, ganz egal welches, ist heute so einfach, wie ein Glas Wasser zu holen. Also stehe ich in meinem Bibliotheksraum und spüre, wie meine eigene Sammlung als verkleinertes Abbild der großen Bibliotheken und als "Vorratsbestand" für die individuelle Lektüre einen gewaltigen Teil ihrer Funktion verloren hat. Von ihrem Nimbus ganz zu schweigen! Da steht er zwar, der komplette Goethe in der Hamburger Ausgabe, für den ich einmal das ganze Geburtstagsgeld ausgeben musste, aber was tue ich heute, wenn ich eine Stelle suche: Ich gehe ins Netz. Die stolze Haltung, mit der ich einmal dem Besucher meine Bestände zeigte - jetzt, im digitalen Zeitalter, droht sie ins Lächerliche zu kippen. Denn wer einen PC mit Netzanschluss im Zimmer hat (und wer hat das nicht), der ist mit Millionen von Büchern und Texten kurzgeschlossen. Ich fürchte, ich stehe als Besitzer einer analogen Bibliothek wie einer da, der stolz seinen Vorrat an Brennholz präsentiert, worauf sein Gegenüber mit einem süffisanten Hinweis auf seinen Stromanschluss kontert.

Die Fülle des Lesestoffes, die ich im Anblick meiner Kinderbibliothek als so überwältigend empfunden habe, sie wird heute vom Netz repräsentiert. Die fantastische Zugänglichkeit der Textwelt hat die Verhältnisse umgekehrt: Vor der digitalen Bibliothek im Netz verblassen alle analogen Sammlungen. Wie Tante-Emma-Läden stehen sie neben den Super-Malls virtueller Textwelten. Solange es ihm nicht nur um Papier, sondern um Texte geht, ist der Büchersammler jetzt zur antiquarischen Figur geworden; mit einem schiefen Grinsen betrachtet ihn der moderne Textkonsument, der sekundenschnell seinen Lesewunsch im Netz realisiert.

Wir stehen gerade erst am Anfang vom Ende der Bibliothek! Noch dient das Netz zumeist als Vermittler zwischen Lektürewunsch und analogem Buch. Das E-Book aber wird die lästigen, Raum und Transportaufwand fordernden Papiermengen obsolet machen. Die weiland Plattensammlung existiert bei meinen Söhnen bereits als eine Datensammlung auf dem PC oder iPod. Selbst ein avancierter Musiksammler kann, wenn er will, seine Bestände in einer externen Festplatte unterbringen, die weniger Platz erfordert als ein Waffeleisen. Wenn erst das E-Book verbreitet ist, wird man darauf ganze Bibliotheken unterbringen und zu jedem Ort transportieren können. Der Umzug mit zehntausend Büchern, für viele alte Büchersammler ein Horror und Grund, nie die Wohnung zu wechseln, lässt sich dann mit Händen in der Tasche bewerkstelligen.

Gut, ich weiß, es gibt immer noch genug Gründe, die für die private Bibliothek sprechen, und immer wieder bete ich sie mir herunter: Das Buch ist ein schöner Gegenstand; das gelesene Exemplar ist das Dokument eines inneren Erlebnisses. Das stimmt. Aber ich fürchte, das sind allesamt nostalgische, wenn nicht gar sentimentale Gründe. Wer sich wirklich für Texte und nicht für antiquarisches Papier begeistert, und insbesondere, wer die Fülle der möglichen Lektüre als Abbild der Fülle des möglichen Lebens begreift und liebt, der wird, ja der muss den Versuchungen der digitalen Bibliothek verfallen.

Man stelle sich vor, beim Lokführerstreik auf einem Provinzbahnhof zu stranden. Keine Lektüre dabei, kein Buchladen geöffnet. Doch qua E-Book und drahtloser Netzverbindung ist man "in cloud" mit dem Kosmos aller möglichen Lektüren verbunden! Wäre das nicht ein Bibliotheksbesitz, der wahrhaft lebensrettend ist? Vermutlich. Dennoch weiß ich, dass ich in diesem Leben nicht werde anders können, als den Anblick einer analogen Bücherwand großartig zu finden. Meine Bibliothek ist mein schönster Aufenthaltsort und wird es bleiben, gerade weil sie das Mausoleum einer untergehenden Kultur ist. (Burkhard Spinnen, DER STANDARD 11./12./13.5.2011)

Burkhard Spinnen, geb. 1956 in Mönchengladbach, ist deutscher Schriftsteller und Literaturkritiker. Er studierte Germanistik, Publizistik und Soziologie in Münster und wurde 1989 an der Philosophischen Fakultät promoviert. Bis 1995 war er dort wissenschaftlicher Assistent. Seither freier Schriftsteller. Von 2008 bis 2010 war er Juryvorsitzender des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt.

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    TitelbildChristine Nöstlinger über den Krisenfall Weihnachten

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Zitronenbaum
01
14.6.2011, 09:49
Manchmal gibt es die Bücher gedruckt nicht mehr

Und ganz ehrlich: Im Antiquariat kosten viele Bücher ein halbes Vermögen.
Ich persönlich mag keine digitalen Bücher. Das lesen am Bildschirm strengt mich zu sehr an.
Aber viele Bücher werden nicht mehr gedruckt - selbst die, die gar nicht so alt sind. /: Auch wenn man bei den Verlagen nachfragt, bekommt man oft nicht einmal eine Auskunft.

Freie Welt
05
13.6.2011, 12:26
Mainz, 1495

Da habe ich nun in drei langen Jahrzehnten auf unzähligen Reisen, die mich bis ins Heilige Land geführt haben, meine Sammlung aufgebaut; 247 Bücher von den größten Denkern und Philosophen der Geschichte füllen meine Bibliothek.

Und dann kam dieser Gutenberg.
Jeder Bürger, selbst solche von geringem Stand und mit niedrigem Auskommen, kann sich jetzt einen Abdruck dieser Bücher leisten und selbst Menschen, die sonst nie ein Buch zur Hand genommen hätten, nennen jetzt mehrere Exemplare ihr eigen.

Aber sie wissen nicht, was ihnen entgeht, wenn ich in meinen handgeschriebenen Pergament-Folianten blättere, denen noch der Geruch ihrer Herkunftsländer anhaftet und der in mir die Bilder ihrer Entdeckung wieder aufleben lässt.

peter schmidt
 
00
13.6.2011, 15:13
Der Vorteil war halt

das durch die Kosten und die Notwendigkeit eine gewisse Infrastruktur zu nützen, Texte vor dem Netz noch eine gewisse Grundqualität hatten.

Heute kann einfach jeder Wahnsinnige was reinklopfen und viele sind sich offenbar im unklaren was eine Quelle ist und was nicht.

derderbenutzer
00
13.6.2011, 16:00

Das mit der gewissen Grundqualität dahinter stimmt. Sogar schon bisserl vor der eigentlichen Internetverbreitung: War ein Text z.B. mit einem (damals sehr teuren) Laserdrucker gedruckt, vermittelte er schon *allein* dadurch etwas an Qualität.

peter schmidt
 
00
14.6.2011, 15:34
Wenn einem ein billiger Druck

mit der Aufschrift "Selbstverlag" bzw. "Verlag Eloi" oder "der Landser" entgegenkam, und mehrere Seiten doppelt gedruckt waren dafür 1-2 andere fehlten, war man doch schon etwas gewarnt. Dieser Mechanismus fehlt heute vielen Internet Usern.

chrilly donninger1
01
13.6.2011, 12:15
Selbst bei Büchern die es frei

im Netz gibt kauf ich mir in der Regel die gedruckte Ausgabe. Es ist angenehmer zu lesen als am Bildschirm. Ich lade es nur herunter um zu schauen, ob es mich interessiert.
Ein Buch kann ich z.B. auf der Veranda lesen, ein pdf-File nur am Bildschirm in meinem Arbeitszimmer.
Möglicher Weise ist der eReader ein brauchbarer Ersatz. Keine Ahnung.
Das Bahnhofsproblem ist kein wirkliches Problem. Ich habe immer ein Notfall-Taschenbuch eingesteckt.
Nach meinen Erfahrungen findet man analoge Sachen auch schneller als digitale. Ich weiss, wo meine zahlreichen Bücher stehen. Die haben Farbe, Grösse. Ich such manchmal vergeblich nach Artikel, die ich heruntergeladen habe. Wenn man sie nicht gleich in die Literatur-Datenbank einträgt sind sie weg.

Hoi S.
 
01
13.6.2011, 18:52
Reader ausprobieren und dann nochmals posten

Ich habe einen Reader (Sony) und eine grosse Papierbibliotek und muss sagen, dass ich zwar nach wie vor Papier- und e-Books lese, jedoch wie Herr Spinnen wirklich begeistert bin von den Möglichkeiten, die so ein Reader bietet. Vor allem lese ich alte, gemeinfreie Werke, die ich schon immer mal lesen wollte, die aber nicht mehr erhältlich waren oder die auch erst im Netz entdeckt habe. Jedenfalls kann ich sagen, dass das Lesen sogar angenehmer ist als in einem Buch, da der Reader viel leichter ist als manche Riesen-Wälzer, die man auch noch umblättern muss. Der Display ist auch bei direktem Sonnenschein perfekt lesbar, weil e-Ink und nicht LCD. Also mein Rat: Ausprobieren!

Freie Welt
01
13.6.2011, 12:11
Es kommt noch viel schlimmer:

Die Schrift als Abbild sprachlicher Informationsübertragung wird verschwinden. Die Kommunikation zwischen Menschen wird durch etwas anderes, reichhaltigeres und flexibleres ersetzt werden.
Als nächstes ist dann die gesprochene Sprache dran; dieser Atavismus einer durch die Stimmritze gepressten Luft, von der wir immer noch glauben, einem anderen Individuum damit mitteilen zu können, was wir fühlen.

derderbenutzer
00
13.6.2011, 12:44

So wird es sein. Wir werden durch direkte Verknüpfung unserer Gehirne im Daten-Nirwana glückvoll einher meditieren. Informatisch und empathisch wird es so sein. Bis einer daher kommt und uns - mit einem (gedruckten) Buch auf das Kopferl schlagend - aufweckt ...

;-)

baroli
01
13.6.2011, 16:02

Und das werde ich sein, die Hüterin der letzten Druckwerke.
Ich weiß nicht, warum mir grad Fahrenheit 451 einfällt.

derderbenutzer
00
13.6.2011, 17:31

Du willst halt mit dem Bradbury 'anklopfen'. Oder Du bist eine Verehrerin von Oskar Werner.

;)

baroli
00
13.6.2011, 17:51

So bekannt ist der Bradbury bei uns nicht.
Den Oscar Werner mag ich allerdings immer noch sehr in seinen alten unvergeßlichen Filmen.

Hui Buh
00
13.6.2011, 18:25
Ich habe einige

Cd's mit ihm, auf denen er Gedichte liest, auch nicht unangenehm. Meine Lieblingsfilme waren "Das Narrenschiff" "Voyage of the damned" "In den Schuhen des Fischers" und "Jules et Jim", bei dem mich allerdings extrem die fremde Stimme auf deutsch störte. Grad ER mit dieser Stimme....

baroli
00
13.6.2011, 18:33

Narrenschiff hab ich vermutlich an die 10 Mal gesehen, weil ich auch die Simone Signoret sehr mag.
Und Jules und Jim sowieso, obwohl die Synchronstimme natürlich ein Sakrileg war.

derderbenutzer
00
13.6.2011, 18:15

Jein. Er ist der Drehbuchautor eines weltberühmten Films (bekannter als Fahrenheit 451), den praktisch jeder gesehen hat ... aber mit seiner Bekanntheit hapert's trotzdem, stimmt.

baroli
00
13.6.2011, 18:26

Ich nehme an, Sie meinen Moby Dick, davon hatte ich z.B.keine Ahnung, mußte ich erst ergoogeln.
Jedenfalls werd ich mir gleich eines seiner anderen Werke zulegen, war ein guter Tip.

Standardabweichung
01
13.6.2011, 11:30

Als ich einst etwa 5.000 Bücher weggab, gab es mir schon einen Stich. Aber heute vermisse ich nichts, fühle mich im Gegenteil sehr frei.

Es ist halt mit allen Dingen so: Wenn man etwas jahrelang nicht mehr angerührt hat, sollte man es weggeben. Wenn man das nicht kann, dann hängt man nicht an dem Ding selbst, sondern in den Emotionen, die mit dem Ding verknüpft sind. Aber man blockiert sich dadurch für Neues.

pons
01
13.6.2011, 11:15
e-medien vs. papier

sehr geehrter herr spinnen,

haben sie die bücher ihres cousins aus den 1950er jahren aufgehoben? jedenfalls wären diese heute noch ohne zusätzlichen aufwand verwendbar, selbiges wäre mit heute üblichen e-medien nicht machbar! schlussfolgerung ist, dass es für langzeitspeicherung bis dato keine e-lösung gibt und schon allein deshalb bibliotheken nichts an funktionalität und gegenwärtigkeit eingebüßt haben! e-medien können nicht per se verteufelt werden und der eine oder andere multimedia-nerd ließt vielleicht wirklich das eine oder andere buch auf seinem reader, faktum ist aber auch, dass das haptische rezeptionserlebnis auf der strecke bleibt. und darum setzen sich e-reader nicht wirklich durch, schließlich sind sie seit 2000 am markt!!!

DITC101
00
13.6.2011, 13:02

um die langzeitspeicherung mach ich mir eigentlich keine sorgen. diese ganzen e-book standard sind doch nichts anders als xml files. da schreibt dann jemand einen converter und gut ist es. callibre ist zb ein wirklich tolles open source tool.

RobinBGH
00
13.6.2011, 13:37
Es geht eher darum:

Erinnern Sie sich an Disketten? An DAT? Wer kann in 50 Jahren noch eine CD oder DVD einlesen? Wer hat in 100 Jahren noch einen Computer mit SATA-Schnittstelle fuer Ihre Festplatte mit den Buechern drauf? Wer kann in 200 Jahren noch ein kaputtes Laufwerk reparieren?

Es geht nicht um das xml-File an sich, sondern um das Medium. Das Digitale an sich hat hier gewichtige Nachteile. Selbst ein Diskettenlaufwerk ist ein komplexer technologischer Gegenstand und benoetigt sowohl das Know-How, als auch eine spezialisierte Industrie zur Fertigung. Das kann man nicht einfach so nachbauen. Daher haben viele Bibliotheken Lager mit alter Hardware! Allerdings geht da eben auch mal was kaputt, einfach durch Alter. Damit werden die Medien unlesbar...

derderbenutzer
00
13.6.2011, 11:04
Dieser Wandel von gedruckten Büchern zum (ergänzenden) Medium E-Book erinnert mich an eine Parallele der letzten 10 bis 15 Jahre.

In der Fotografie war das Aufkommen von Digitalkameras am Anfang fast unauffällig. Inzwischen sind analoge Apparate mit Film ein Nischenprodukt geworden.
Vermutung: Es könnte auch mit dem Anteil an gedruckten Büchern schneller nach unten gehen, als man momentan glauben möchte. Vor allem im Bereich der Unterhaltungsliteratur.

Schwächen des E-Book-Konzepts:
Die zur Zeit besten Reader sind für manche Publikationen - noch - untauglich (größere Formate, enthaltene Bilder, Tabellen, Formeln etc.).
Die Auswahl an guten Geräten ist gering.
Die Art und Weise der Verwaltung von Urheberrechten durch manche Anbieter ist "naja".

Wenn allerdings deutlich mehr Menschen wüssten, dass es - legal- zigtausende freie Bücher gibt ...

Unbezahlte Anzeige
00
13.6.2011, 10:40
"Ein gelesenes Buch gehörte zum Leben wie der gestrige Tag"

Schön gesagt. Stimmt aber nicht ganz: Es zählt das, was über den Tag hinaus davon bleibt. Und das ist nicht notwendigerweise das Buch selbst.

Ich habe vor einigen Jahren ALLE meine CDs verschenkt. 2 Bananenschachteln gerammelt voll, einige Hunderte.
Es fehlt mir keine einzige davon. Das beste hab ich auf Festplatten und das reicht mir völlig.

Vor kurzem habe ich die Wohnung komplett ausmalen lassen und dazu alle Bücher kompakt in Stauräumen aufgestapelt. Ca. ein Drittel auf die Gasse gestellt, waren gleich weg.

Die Regale sind wieder aufgestellt, die Bücher fehlen immer noch. _Leere Regale_ - seltsam, aber befreiend.
Ich schätze, ich werde mir für Arztbesuche noch ein paar aufheben.

Wie wird man denn Bücher am besten los?

derderbenutzer
00
13.6.2011, 10:55

"... Wie wird man denn Bücher am besten los?"

Mir (unfrei ) per Post schicken!

ulli zeller
02
13.6.2011, 15:20
"offener bücherschrank"

derzeit drei standorte in wien!

derderbenutzer
00
13.6.2011, 16:05

Danke!

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