Erfolg in NPOs: Schwierige Vermessung von Nutzen

10. Juni 2011, 17:42
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Wie viel "Manageralism" vertragen soziale Organisationen? Welche Kennzahlen gibt es für Financiers?

Erfolg bei gleichzeitigem Misserfolg - so beschreibt Christian Schober, Direktor am Kompetenzzentrum für Non-Profit-Organisationen der Wirtschafts-Uni Wien, das permanente Spannungsfeld der Vereine und Organisationen, die nicht gewinnorientiert in Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsprojekten arbeiten. In Österreich ist dieser Bereich rund 3,5 Mrd. Euro schwer (Umsatzerlöse), über drei Millionen Freiwillige sind dort auch tätig. Nebenbei: Wie dieser NPO-Sektor in Österreich genau aussieht, liegt im Nebel - Geld für eine basale Erhebung gibt es bis jetzt nicht.

In dieser Woche diskutierten rund 120 Vertreter heimischer NPOs bei ihrem Jahrestag an der Wirtschafts-Uni in Wien allerdings eine grundlegende Frage: Was ist für sie Erfolg? Angetrieben, so Christian Schober, werde diese (quälende) Frage einerseits von zunehmendem Näherrücken betriebswirtschaftlichen Werkzeugs: Manageralism kehrt in den Bereich ein. Andererseits, so Schober, verlagerten die Geldgeber (überwiegend die öffentliche Hand) ihre Entscheidungen immer mehr an Berater und Analysen, weg von Wertehaltungen als Entscheidungskriterien.

Suche nach Leitsystemen

Also: Kennzahlen und Messungen werden im NPO-Bereich modern - auch, sagt Schober, weil sie von den Organisationen selbst verstärkt nachgefragt würden. "Social Impact Measurement" oder „Social Return On Investment" heißen die methodischen Ansätze, Nutzen und Wirkung von NPOs zu quantifizieren. Damit werden gesellschaftliche Wirkungen monetär bewertbar gemacht, Financiers und Spender sehen, wo es sich eher "lohnt", Geld zu geben. Und können dies dann auch noch brauchbar in ihren Gremien rechtfertigen.

Ist damit dieser Sektor endlich professionalisiert und alles endlich transparent? Schober macht sehr klar, was er vom reinen Betriebswirtschaftsprinzip in diesem Zusammenhang hält: „Es wird gemessen, bewertet, verglichen und vereinfacht dargestellt. Und ganz nebenher wert- und überzeugungsorientiertes Handeln entsorgt." Besonders betroffen davon seien Aktivitäten - wie etwa das Aufzeigen von Menschenrechtsverletzungen -, deren Rendite kaum oder nur sehr unzureichend in Kennzahlen gegossen werden kann. Ähnlich verhalte es sich bei der Bekämpfung seltener Krankheiten.

So einfach, sagt Schober, sei Erfolg nun einmal bei NPOs nicht darzustellen. Denn: An ihren globalen Zielen (z. B. die Eliminierung von Armut) müssten einzelne NPOs andauernd scheitern, was aber nicht als Misserfolg einzustufen sei. NPOs betreiben, so Schober, ja im Wesentlichen eine "Verwaltung von Problemen, die sie nicht selbst erzeugt haben, und erzielen Erfolge folglich in kleineren Einheiten".

Ein Lineal und das Vertrauen

Zu welchem Preis dies passiere, sei allerdings wohl eine zulässige Frage: Reicht es, wenn um eine Million Euro Investment 15 Familien nachhaltig aus der Armut geführt werden, oder müssen es um diese Summe doch 150 sein? Welche Wirkungen entstehen dabei noch? Und: Welche Zeiträume werden für die Messung herangezogen?
Deswegen ruft er NPOs selbst und auch ihre Geldgeber zu einem Mischweg auf: keine reine Kennzahlengläubigkeit, wohl aber Impact- und Returnmessungen, dies allerdings auf Basis "wertbasierter Verantwortung" und gepaart mit „Vertrauen in funktionierende Organisationen". Es gehe auch um ein Stück Akzeptanz, dass eben nicht alles, was Gesellschaften brauchen, messbar und monetär bewertbar ist. (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 11./12./13.6.2011)

  • NPO-Experte Christian Schober: Kennzahlen ja, aber nicht nur.
    foto: wu-wien

    NPO-Experte Christian Schober: Kennzahlen ja, aber nicht nur.

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