Bedrohliche Stechmücke

Dengue-Fieber ist in Europa angekommen

19. Juni 2011, 16:59
  • Artikelbild
    foto: apa/stephan jansen

    In Europa gilt die Asiatische Tigermücke als Überträgerin des Dengue-Fiebers.

Bisher war das Dengue-Fieber ein Problem in tropischen Regionen - Im September 2010 wurden erste Fälle in Frankreich und Kroatien registriert

Es fängt wie so oft mit einem simplen Insektenstich an. Ein kleines Ärgernis, schnell vergessen. Wenn aber zwei bis sieben Tage später schweres Fieber ausbricht, kann das der Beginn einer potenziell lebensbedrohlichen Krankheit sein. Der Erreger: das Dengue-Virus. Es macht Hautausschlag, Schmerzen oder Schlimmeres.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden weltweit circa 50 Millionen Menschen jährlich mit dem Dengue-Virus infiziert. Die Zahl der Fälle habe sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch erhöht, heißt es von dort. Sowohl der Klimawandel als auch soziale und umwelttechnische Faktoren wie die zunehmende Urbanisierung gelten als mögliche Verursacher dieser negativen Entwicklung. Dengue wird nämlich nur von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen, vor allem von Ae. aegypti und der sogenannten Tigermücke, Ae. albopictus. Beide Arten nutzen gerne alte Autoreifen, Plastikschüsseln, Eimer und andere Objekte, in denen sich Regenwasser ansammeln kann, als Brutstätte und können deshalb bestens in Städten gedeihen.

Dengue gilt als Krankheit der Tropen und Subtropen. Sie ist heute in mehr als 100 Ländern rund um den Globus verbreitet, Tendenz steigend. Die Karibik, Südamerika und Südostasien sind besonders stark von der Seuche betroffen, erklärt Heinrich Stemberger vom Wiener Institut für Tropenmedizin. "Thailand ist ein Epizentrum", betont der Facharzt. Es trifft somit auch Fernreisende aus Österreich. Über die Anzahl der Fälle gibt es hierzulande jedoch keine genauen Daten.

Folge des Klimawandels

Der Vormarsch des Dengue-Fiebers scheint kaum zu stoppen zu sein. Zum einen braucht das Virus eine gewisse Wärme, um sich in den Stechmücken - Fachleute bezeichnen diese auch als Vektoren - vermehren zu können. Die notwendigen Temperaturen treten infolge der globalen Erwärmung immer öfter und länger in immer mehr Gebieten auf. Des Weiteren vergrößern auch die Aedes-Moskitos ständig ihre Verbreitungsgebiete. Meist mit menschlicher Unterstützung, da die Insekten gerne auf Schiffen und sogar in Autos mitreisen. Die Plage verschafft sich so Zugang zu den Industrienationen. Wenn der Trend anhält, werden die Südstaaten der USA wahrscheinlich bald Dengue-Endemiegebiete, meint Stemberger. In Europa ist die Krankheit bereits im letzten Spätsommer angekommen. September 2010 meldeten die französischen Behörden die ersten zwei autochthonen Fälle von Dengue-Fieber in der Region um Nizza. Die Betroffenen hatten sich nachweislich nicht im Ausland infiziert. Kurz darauf traf es einen deutschen Urlauber. Er kehrte mit einer Dengue-Infektion von der kroatischen Insel Peljesac nach Hause.

Drei Fälle bisher, aber die Dunkelziffer könnte höher sein. Denn nicht jeder, der vom Dengue-Virus befallen wird, wird ernsthaft krank. Bei manchen sind es nur harmlose Symptome, ein leichter grippaler Infekt, andere spüren gar nichts.

Von Vorteil ist das indes nicht, wie Stemberger erklärt, denn Dengue-Viren gibt es in vier verschiedenen Serotypen. Wer eine Infektion mit einem davon überstanden hat, ist danach zwar gegen diese Variante immun, aber nicht gegen die restlichen drei - im Gegenteil. Kreuzreagierende Antikörper des Immunsystems scheinen bei einer weiteren Infektion mit einem anderen Dengue-Serotyp die Vermehrung der Virenpartikel sogar zu begünstigen. Schlimmstenfalls entwickelt sich dann beim Patienten das gefürchtete Dengue-Hämorrhagische Fieber (DHF). Dieses kann in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich verlaufen. Bei guter Behandlung beträgt die Sterblichkeit allerdings nur ein Prozent. Der Verstärkungseffekt hält mindestens fünf Jahre an. Solange sollten ehemals Infizierte nicht erneut in Dengue-Endemiegebiete reisen, sagt der Tropenmediziner.

Auch ohne DHF werden Dengue-Patienten von starken Schmer-zen in Kopf und Gliedmaßen geplagt. Dies hat der Seuche seinen alten Spitznamen "der Knochenbrecher" eingebracht. Stemberger warnt eindringlich davor, in solchen Fällen Aspirin oder andere acetylsalicylsäure-haltige Schmerzmittel zu schlucken. Der Hintergrund: Da die Viren oft auch das Knochenmark befallen, haben viele Betroffene gestörte Blutwerte. Es mangelt ihnen an weißen Blutkörperchen und vor allem an Thrombozyten, den Blutplättchen. Dadurch ist die Blutgerinnung erheblich gehemmt. Acetylsalicylsäure verstärkt dieses Problem. Man sollte also eher andere Schmerzmittel nehmen. "Paracetamol ist das ideale Mittel", so Stemberger.

Seit gut zwei Jahrzehnten arbeiten Forscher intensiv an der Entwicklung eines Impfstoffs, die ersten Versuche auf diesem Gebiet liegen sogar schon mehr als 70 Jahre zurück. Eine wissenschaftliche Herkulesaufgabe, weil das Vakzin gegen vier verschiedene Virentypen gleichzeitig wirken muss. Sonst würde eine Impfung geradezu die Bedingungen für einen schweren DHF-Verlauf schaffen. Medikamente zur akuten Bekämpfung des Dengue-Virus gibt es ebenfalls noch nicht. Die Krankheit muss von selbst ausheilen. Das kann wochenlang dauern. Während dieser Rekonvaleszenzzeit leiden die Patienten meist unter Schwäche und Antriebslosigkeit.

Bis tatsächlich ein wirksamer Impfschutz gegen Dengue-Fieber auf dem Markt ist, dürften noch Jahre vergehen. Prävention muss also noch vor der Infektion ansetzen - beim Vektor. "Wir können uns vorläufig nur auf den Mückenschutz verlassen", sagt Stemberger, "eine Klimaanlage ist fast so gut wie ein Moskitonetz." Die fliegenden Blutsauger können dann zwar ins Zimmer gelangen, doch die Abkühlung nimmt ihnen den Appetit. Statt zu stechen, hängen sie lustlos an der Wand herum, berichtet der Tropenmediziner.

Den besten Schutz in Klimaanlagen-fernem Areal bieten Permethrin-getränkte Netze. Permethrin ist ein hochwirksames Insektizid, welches praktisch nicht durch die menschliche Haut aufgenommen wird. Stemberger empfiehlt, sogar die Reisegarderobe mit Permethrin einzusprühen. Das halte die Moskitos wochenlang fern. Lange Hosen und Hemden würden dagegen nichts nutzen. "Da stechen die durch." (Kurt de Swaaf, DER STANDARD Printausgabe, 14.06.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2
Aracni Santini
00
31.7.2011, 00:03
Diese Art von Gelse habe ich bei uns auch schon gesehen

Ziemlich leichter Stessa
00
26.6.2011, 16:59

Willkommen!

Sauermilch
00
24.6.2011, 12:41
Frage ;)

Bringt mir da eigentlich meine Zeckenschutzimpfung was?

RS69
 
00
24.6.2011, 13:14

Leider nein.

kernel_panic
11
21.6.2011, 00:38
"Es macht Hautausschlag, Schmerzen oder Schlimmeres."

Was ist denn das für ein Volksschulschreibstil bitte?

presumption of innocence
10
20.6.2011, 16:28
Von den Symptomen her hat unsere Regierung dieses Fieber

mit totaler Antriebsschwäche!

das userchen
00
20.6.2011, 16:12
permethrin?

gibts denn einen permethin-haltigen insektenschutz?

in der apotheke findet sich nur Infectoscab (Salbe) mit 50 mg permethin, aber das is eigentlich gegen kraetze indiziert.

Balb/c
01
22.6.2011, 11:28

nachdem ich letztes jahr an dengue erkrankt bin, hab ich mich schon schlau gemacht - es gibt einen insektenschutz namens nobita (kann man in der apotheke bestellen, oder direkt über den hersteller im internet). enthält 100 ml zum imprägnieren der kleidung und ein kleineres fläschen (50 ml) für die haut - dieses enthält statt permethrin 50% DEET, das auch in anderen insektenschutzmitteln drinnen ist (zB Autan). aber die imprägnierung der kleidung macht sicher sinn...
hilft übrigens auch gegen malaria!

Balb/c
00
22.6.2011, 11:31
NOBITE heißt das zeug!

Peterk K
00
20.6.2011, 14:56
Nicht nur Folgen des Klimawandels, wie EHEC kann auch dieses Problem VERTRAGEN werden,

einfach durch den Tourismus, durch Zuwanderung aus den Staaten mit derartigen Krankheiten etc., und zwar weniger, dass sich im Gepäck einzelne befinden, auch das wäre möglich (und ist schon in Frankfurt geschehen) sondern es ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne heimische "Stechmücken" Malaria, Dengue etc. auch übertragen können (was auch schon geschehen ist).

Vor 10 oder 20 Jahren sprach man noch von Einzelfällen, heute nimmt das Risiko jedenfalls zu, denn viele, die aus diesen Gebieten stammen, können ja immun sein und wissen gar nicht, dass sie Träger sind, aber die Alpenländler und Nordlichter sind vor einem Ausbruch nicht gefeit.

Peraí!
60
20.6.2011, 13:16
Eba, die nächste Panik!

Kenne einige Leute die schon Dengue hatten - alle leben noch. Mit einer mittelmässigen medizinischen Versorgung, nicht viel schlimmer als ein grippaler Infekt. Alles andere ist Panikmache.

RS69
 
01
20.6.2011, 15:40

Ich hatte inzwischen schon Typ 2 und Typ 4 (Zumindest sagen das die Blutwert-Analysen).

Eines ist klar - mit grippalen Effekten hat das nichts gemeinsam, Sie unterschätzen das gewaltig.

Die Gliederschmerzen sind enorm, das Fieber kriegens mit viel Paracetamol bestenfalls runter auf 39,5; es ist Ihnen tagelang speiübel.

Die längerfristigen Schwächungen beschätigen Sie - wenn's Glück haben, und keine Dauerschäden mitnehmen - schon einige Monate.

Die Reaktion des Tropeninstitutes ist auch eine Intensivere - eine Zeit lang 2* die Woche Kontrolle + Bluwerte, um sicherzustellen, dass Sie keine schlimmeren Sachen wie hämoragisches Fieber etc. haben.

Peraí!
10
20.6.2011, 15:48

Vielleicht hatten meine Bekannten alle Glück - die Krankheit kann ja unterschiedlich stark verlaufen. Ich wollte niemanden 'auf die Zehen steigen', pardon.

Dennoch: man kann nicht wirklich viel dagegen unternehmen, ausser dafür zu sorgen, dass die Moskitos keine Brutgründe vorfinden. Die Viecher stechen vor allem untertags und auch wenns die Firma Autan sehr freuen würde, niemand schmiert sich auf die Dauer mit diesen Mitteln ein. Irgendwann lernt man mit der Gefahr zu leben, man hat ja auch gar keine Alternative.

anna b
00
20.6.2011, 17:08

fuer tropenregionen empfiehlt sich eher sowas wie "no bite" als schutz (fuer kleidung und haut). hilft aber auch nur begrenzt.

die wahrscheinlichkeit infiziert zu werden ist zwar nicht soo gross (außer man fährt in ein epedemiegebiet, oder z.B. zur regenzeit), aber eine infektion alles andere als angenehm.

problem in österreich auch: viele ärzte wissen nicht, wie mit solchen symptomen umzugehen ist. hausarzt am besten komplett meiden, sondern direkt in die abteilung für tropenmedizin. und selbst da hat die diagnose wochen gedauert. aber zumindest wurden die blutwerte laufend kontrolliert.

RS69
 
00
20.6.2011, 15:59

Das eigdentliche Problem: Die Tierchen sind Tagaktiv.

Klar trägt man entsprechendes Gewand, sprüht immer ein, etc. Hilft leider nicht immer.

Wenn's vom Meer zum Zimmer gehen, hat das Meer den Schutz runter gewaschen, ...
Lückenlosen Schutz gibt's nicht - malaria etc ist da einfacher zu vermeiden.

Und wenn's im Leben öfter und länger unterwegs sind, steigt einfach die Wahrscheinlichkeit, dass Sie was einfangen.

anna b
00
20.6.2011, 14:30

Ich hatte auch schon Dengue. Sie unterschätzen das gewaltig. Und wie der Artikel schon sagt: außer Paracetamol hilft da gar nix gegen die Schmerzen und das hohe Fieber (und auch das nur in sehr geringem Ausmaß).

der feuerrote frederik
00
20.6.2011, 12:47
dengue

ich habe mich letztes jahr tatsächlich in südost-asien infiziert, die diagnose wurde dann aber erst im österreichischen spital gestellt. die waren vielleicht aufgeregt ;-)

ein bekannter aus Ö ist in asien letztes jahr während einer urlaubsreise an einer dengue-infektion gestorben.

i am austrian
00
20.6.2011, 11:31

@ josefa maier449
Tigergelsen findet immer wieder in Ö. Ob sie jedoch schon "heimisch" geworden sind, weiß man nicht genau ist aber durchaus möglich.
Immerhin haben sie sich schon in Slowenien, Italien und sogar der Schweiz(!) angesiedelt.

Eine Tigermücke die DURCH jeans und Hemden sticht ist mir noch nicht untergekommen.
In Indonesien hat NUR langärmlige Kleidung geholfen. Weder Mückenspry noch mückencreme hat wirkung gezeigt.

Die kritische Stimme
00
20.6.2011, 13:30
35 Gelsenarten

gibt's bei uns, große, kleine, gestreifte, nicht gestreifte, behaarte, nicht so stark behaarte.

Nicht alles, was gestreift ist, ist eine Tigermücke.

Wir staunten nicht schlecht
10
20.6.2011, 11:51

Ich bin heuer schon ein paar Mal in den Wäldern um Klagenfurt von wahren Schwärmen ziemlich großer Gelsen attackiert worden, die auch durch T-Shirt und Jeans durchgestochen haben. Die Folge waren relativ große (2-3 cm Durchmesser) Quaddeln, stark juckend. Ob sie schon hier sind?

M. P.4
 
05
20.6.2011, 11:21
Peinlich

Die abgebildete Mücke ist eine Culex und sicher keine Tigermücke. Denn, wie der Name sagt, sollte diese gestreifte Beine haben. Vom Süden her breitet sich Aedes albopictus in Mitteleuropa aus, aber Panik sollte man vermeiden. Für epidemieartige Ausbrüche fehlen die klimatischen Voraussetzungen, etwa eine Regenzeit mit lange stehenden Pfützen. Es stimmt auch nicht, dass Thailand das "Epizentrum" ist. Es hat nur die besten statistischen Daten und dank rel. gutem Gesundheissystem beste Behandlungserfolge. Ausserdem stecken sich dort viele Touristen an. In Myanmar, Kambodscha, oder auf den Phillipinen sterben nach wie vor unzählige Kinder unnötig am Denue-Fieber, niemand weiß wieviele.

Sand
01
20.6.2011, 10:11

Zuerst der Strache und jetzt das Dengue Fieber! Aus mit Urlaub in Ö.

josefa maier449
00
20.6.2011, 09:37
Bin von Tigergelse gestochen worden.

Habe sie erschlagen und mich über ihr Aussehen gewundert. Habe dann im Internet unter dem Schlagwort Tigergelse eigentlich nichts gefunden. Frage: Gibt es die Tigergelsen schon lange bei uns? Lebe im Raum Klosterneuburg. Letzte Woche war das. Mal sehen, ob ich krank werde.

bildungsoffensive
10
20.6.2011, 09:04
die kroatische Halb!insel peljesac

gruß vom i-tüpfl.

werwolfi
12
19.6.2011, 22:21

"Degue-Fieber ist in Europa angekommen"

liebe red., hier in der überschrift und auch auf der übersichtsseite fehlt ein "n".

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.