Tückischer Blutschwamm

13. Juni 2011, 16:59
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    foto: alexis sidoroff, medizinische universität innsbruck

Jeder zehnte Säugling wird mit einem Blutschwamm geboren - An bestimmten Körperstellen können sie gefährlich werden

Wenn der Dermatologe Harald Maier von der Uniklinik für Dermatologie an der Med-Uni Wien sagt: "Jetzt schaue ich mir noch ein Schwämmchen an", führt ihn sein Weg auf die Neugeborenenstation am AKH. Das "Schwämmchen", von dem er spricht, ist ein sogenanntes Hämangiom, eine gutartige Gefäßwucherung, die meist im Kopf- und Halsbereich von Babys auftritt, oftmals in den ersten Lebenswochen rasant knubbelig wächst - und junge Eltern in Bestürzung versetzt. Tatsächlich hört sich die Diagnose "gutartiger Gefäßtumor", die für drei Prozent der Babys und jedes zehnte Frühgeborene erstellt wird, bedrohlich an. "Doch etwa 90 Prozent dieser roten Male sind harmlos", weiß Maier. Er leitet die Baby- und Kinderlaserambulanz, wo Neugeborene und Säuglinge mit Gefäßveränderungen behandelt werden.

Dort, wo Hämangiome entstehen, werden übermäßig viele Wachstumsfaktoren in den Gefäßen produziert. Warum das so ist, weiß man auch nach jahrzehntelanger Forschung nicht. Tatsächlich verlangsamt sich nach einigen Wochen ihr Wachstum, bis es nach spätestens einem Jahr ganz aufhört. Dann verschwinden die meisten Blutschwämme im Laufe des Kindergartenalters von selbst, zurück bleiben narbenartige Veränderungen.

Doch es gibt eben noch eine zweite Gruppe, die "high risk"- Hämangiome. Sie machen zwar höchstens fünf bis zehn Prozent aller Fälle aus. "Aber sie können mit massiven Entwicklungsstörungen einhergehen und sogar lebensbedrohlich sein", erklärt Gabriele Kropshofer, Kinderhämatologin an der Med-Uni Innsbruck. Etwa für das heute fünfjährige Mädchen an der Innsbrucker Kinderklinik, bei dem sich ein Blutschwamm an der Luftröhre bildete und das seine ersten drei Lebensjahre nur mithilfe einer Öffnung der Luftröhre überleben konnte.

Eine Frage der Lage

Erst die neuartige Therapie mit Betablockern, die vor knapp drei Jahren entdeckt wurde, ließ den lebensbedrohlichen Blutschwamm schrumpfen. "Schlimm an Häm-angiomen der Luftröhre ist, dass man sie erst so spät entdeckt", so Kropfhofer. Wer denkt schon bei pfeifenden Atemgeräuschen an eine seltene Gefäßwucherung.

So beobachten Ärzte vor allem die erste Wachstumsphase der Hämangiome kritisch. Nach international festgelegten Richtlinien nehmen sie die Geschwindigkeit des Wachstums, den Ort, an dem sie entstehen, sowie die Anzahl der äußerlich sichtbaren Hämangiome genau unter die Lupe. Selbst wenn sie nicht grenzenlos wuchern, können sie bleibende Schäden hinterlassen. " Wenn der Blutschwamm im Bereich des Augenlides liegt, besteht die Gefahr, dass es zu einer Sehbeeinträchtigung kommt. Solche am Mund können das Atmen und Sprechen behindern, aufbrechende und blutende Schwämme im Genitalbereich können ebenfalls zu Funktionsstörung führen und haben ein extrem hohes Infektionsrisiko", sagt Gabriele Kropshofer. Bei mehr als drei Blutschwämmen suchen Ärzte mittels Ultraschall gezielt nach weiteren Hämangiomen im Körper. Denn auch an Herzmuskel, Leber oder im Gehirn können sie unbemerkt wachsen und zu schweren Syndromen führen.

"Zudem lassen sich Hämangiome anfangs oft nur schwer von Feuermalen unterscheiden", sagt Maier. Letztere sind angeborene Gefäßfehlbildungen, die als fleckförmige Rötungen in Erscheinung treten. Anders als Blutschwämme wachsen Feuermale nicht überproportional, bilden sich allerdings bis auf sehr kleine Vertreter nicht selbstständig zurück. Das wohl berühmteste Feuermal war von Mitte der 80er-Jahre bis 1991 nahezu täglich in den Nachrichten zu betrachten. Sein Träger: der ehemalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.

Die Erkenntnisse haben zu einem "Paradigmenwechsel in der Behandlung" geführt, wie Harald Maier es nennt. "Man wartete einfach nicht mehr ab", erklärt er. Während früher nur Hochrisiko-Hämangiome behandelt wurden, richten Ärzte heute ihr Augenmerk auf die Frühbehandlung. Denn eine verlässliche Methode, mit der vorhergesagt werden kann, ob und wie ein Hämangiom wächst, gibt es nach wie vor nicht.

Doch es hat sich herausgestellt, dass sich durch Betablocker wie auch durch Laser- und Kryotherapie die Rückbildung der Blutschwämme stimulieren lässt. "Mithilfe von Lasern lassen sich Gefäße von zwei bis drei Millimeter dicken Hämangiomen gezielt verschließen", erklärt er. Ähnlich wirkt auch eine neuartige Kryotherapie, bei der die Gefäße bei - minus 32 Grad Celsius vereist werden; sie kann auch bei dickeren Blutschwämmen eingesetzt werden. Chirurgische Eingriffe und Kortisonbehandlungen haben hingegen an Bedeutung verloren.

Wegen der Komplexität der Erkrankungen existieren heute an den meisten Unikliniken, wie auch der Med-Uni Wien, eigene Zentren für Hämangiome und Gefäßfehlbildungen. Dort arbeiten Dermatologen, Kinderärzte und -hämatologen sowie plastische Chirurgen zusammen, "weil die richtige Diagnose und adäquate Therapie gerade für die schweren Fälle eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern", so Maier. (Edda Grabar, DER STANDARD Printausgabe, 14.06.2011)

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12 Postings

Ich glaube gern, dass dem fünfjährigen Mädchen in Innsbruck ein Loch in die Luftröhre gemacht wurde, nicht aber, dass es ansonsten nicht atmen hätte können.

Ein gutes Beispiel fuer Top-down Processing: An der Stelle, wo es um Blutschwaemme in der Luftroehre geht, was macht da der Standard aus Gabriele Kropshofer? Zitat:' "Schlimm an Häm-angiomen der Luftröhre ist, dass man sie erst so spät entdeckt", so Kropfhofer'

hab meine erst als Erwachsener bekommen... sieht unschön aus, ist aber ungefährlich.

@kelborn

Da muß Ich Ihnen leider widersprechen!
Ich war 18 Jahre alt, als ich das Hämangiom an der rechten Halsseite bemerkte, es veränderte sich mit jeder Handbewegung von oben nach unten und umgekehrt.
Nach dem Abschluss eines Fachschulsemesters nahm ich zuhause ein Bad und sah den tischtennisballgrossen Knoten am Hals zum erstenmal. Ich ging am nächsten Tag zum Arzt und der überwies mich an einen Angiologen.
Der erkannte die Gefahr in der ich schwebte, zumal ich ihm den Verlauf der Krankheit schilderte. Mir wurde immer schwindlig... weil das Gewächs bereits auf die Schlagader drückte.
Ich wurde sofort ins LKH-Klagenfurt eingeliefert und am übernächsten Tag, nach etlichen Untersuchungen, operiert.
Also von ungefährlich kann da keine Rede sein.

So auch bei meiner Tochter

Anfangs, nach der Geburt, ein unscheinbarer kleiner roter Fleck unter dem linken Naseloch auf der Oberlippe.
Wuchs sich innerhalb von 12 Wochen schnell zu 8x8mm mit einer Höhe von 4 mm aus.

Kinderärztin empfahl - leider - bis zur Rückbildung zuzuwarten.

Dann doch mit einem Lebensjahr erste Kryobehandlung im AKH Wien (TOP!).
Nach zwei Behandlungen Wachstumsstillstand, ein grauer mit Flüssigkeit gefüllter Hautsack blieb zurück.
Chirurgische Entfernung erst ab 18. Lebensjahr möglich.

Fazit: sofort lasern lassen, nicht zuwarten!!!

Mein Sohn

hatte ebenfalls einen kleinen unscheinbaren roten Fleck unterhalb des unteren Augenlids. Der wurde aber schnell größer und erhoben (ca. 1-2 mm). Im LKH Graz war man <gottheit>-sei-Dank vorsichtiger und nach 2 mal Lasern ist der Fleck (so gut wie) nicht mehr sichtbar.

Also was jetzt?

Jeder zehnte Säugling - jedes zehnte Frühgeborene?

Von Frühgeborenen

ist im ganzen Artikel von Edda Grabar keine Rede. Bitte genauer lesen!

Genauer lesen gilt für Sie!

"Tatsächlich hört sich die Diagnose "gutartiger Gefäßtumor", die für drei Prozent der Babys und jedes zehnte Frühgeborene erstellt wird, bedrohlich an."

In der Titelunterschrift steht " Jeder zehnte Säugling wird mit einem Blutschwamm geboren". Und das ist falsch wenn man den Rest des Textes liest. Es müsste lauten: "Jeder 30. Säugling...."

wer hat da jetzt nicht genau gelesen...

"Tatsächlich hört sich die Diagnose "gutartiger Gefäßtumor", die für drei Prozent der Babys und jedes zehnte Frühgeborene erstellt wird, bedrohlich an."

schlecht zusammenkopiert.

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