Millionenhöhe

Rüstungskonzern muss Taiwan Entschädigung zahlen

9. Juni 2011, 20:40

Pariser Berufungsgerichtshof bestätigte Schiedsgericht-Entscheidung zu Thales

Paris - Im juristischen Streit um einen der größten Korruptionsskandale der französischen Geschichte hat der Rüstungskonzern Thales eine endgültige Niederlage erlitten. Der Pariser Berufungsgerichtshof bestätigte am Donnerstag die Entscheidung eines Schiedsgerichtes aus dem vergangenen Frühjahr. Drei Richter der Internationalen Handelskammer hatten das Unternehmen und den französischen Staat damals zu Zahlungen von 630 Mio. Euro an Taiwan verurteilt. Sie sahen es als erwiesen an, dass Paris im Zuge eines Rüstungsgeschäfts mit dem asiatischen Inselstaat illegal mehrere hundert Millionen Euro Provisionen zahlte.

Taiwan hatte 1991 von Frankreich sechs Fregatten im Wert von 2,8 Milliarden Dollar (heute 1,9 Milliarden Euro) gekauft. Thales soll mehrere hundert Millionen Dollar als Vermittlungsprovisionen gezahlt haben, um den Zuschlag zu erhalten. Laut Taiwan war das nach der Ausschreibung strikt verboten. Taipeh wirft den Franzosen vor, die Provisionen dann auf den Kaufpreis aufgeschlagen zu haben, weshalb das Rüstungsgeschäft für Taiwans Marine deutlich teurer geworden sei als nötig. In Frankreichs Wirtschaft und Politik schlägt der Fregattenverkauf seit Jahren immer wieder Wellen, weil ein Teil der Vermittlungsgelder an französische Empfänger zurückgeflossen sein soll.

Der aus Thomson-CSF hervorgegangene Konzern Thales muss nach eigenen Angaben einen Anteil von rund 27,5 Prozent und damit rund 170 Mio. Euro tragen. Der Betrag sei bereits vor dem laufenden Geschäftsjahr zurückgestellt worden und solle nun so schnell wie möglich beglichen werden, kündigte das teilstaatliche Unternehmen am Donnerstag an. Auch die französische Regierung wird als haftende Partei zahlen. Sie trägt nach eigenen Angaben 460 Mio. Euro. (APA)

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