Europäische Großbanken verkaufen entgegen ihrer Versprechen in großem Stil griechische Staatsanleihen
Europäische Großbanken verkaufen in großem Stil griechische Staatsanleihen - obwohl sie noch letztes Jahr versprochen hatten, die Papiere zu behalten und damit den Druck auf Griechenland etwas wegzunehmen. Dieses Verhalten wundert genau niemand. Weder die Vertreter des (Links- und Rechts-)Populismus ("Banken sind alle Verbrecher" ) noch die coolen Kapitalismusverteidiger, die eben sagen, dass Banken dazu da sind, um Gewinne zu machen.
Aber es gibt noch andere Akteure in dem Spiel. Die Politik versorgt aufgeblähte Staatsapparate und politischen Klientelismus auf Schulden, die von den Banken finanziert werden (besonders in Griechenland, aber Österreich ist da auch nicht schwach). Gleichzeitig haben die Banken immer spekulativere Finanzgeschäfte gemacht, statt wie früher einfach Kredite dafür zu geben, dass irgendetwas produziert wird. Sie wussten ja, dass die Staaten sie im Fall des Falles auffangen würden. Denn einen riesigen Bankencrash mit ausradierten Spargeldern kann sich niemand leisten.
Nun haben sich die Banken offenbar ausgerechnet, dass es sie billiger kommt, griechische Staatsanleihen mit Verlust zu verkaufen, als sich einem drohenden Schuldenschnitt (Haircut) zu unterwerfen.
Aber mitgemacht haben alle - die Politik, die Geschenke verteilte, die Banken, die sie finanzierten, und die Bevölkerungen, die sie konsumierten.(Hans Rauscher, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.6.2011)