WHO-Bericht

15 Prozent der Menschen leben mit Behinderung

9. Juni 2011, 20:13

Die World Health Organisation veröffentlichte ihren ersten Weltbericht über Behinderung – Die Zahl der Menschen mit einer Behinderung hat demnach deutlich zugenommen

Mehr als eine Milliarde Menschen lebt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einer körperlichen -oder mentalen Behinderung. Die Staaten müssten den betroffenen Männern, Frauen und Kindern ein Dasein ohne soziale und wirtschaftliche Diskriminierungen ermöglichen, forderte die WHO am Donnerstag in Genf.

Sie veröffentlichte zusammen mit der Weltbank den ersten Weltbericht über Behinderungen. Danach wird die Zahl der Menschen mit Behinderungen in den nächsten Jahrzehnten steigen. Ursache sei die Alterung der Weltbevölkerung und die immer größer werdende Zahl von Patienten mit chronischen Krankheiten. Zudem erlitten immer mehr Menschen durch Verkehrsunfälle bleibende Schäden.

Nach den Schätzungen der WHO leben derzeit rund 15 Prozent aller Menschen mit einer Behinderung, im Jahr 1970 veranschlagten die Experten den Anteil der behinderten Menschen an der Weltbevölkerung noch auf zehn Prozent. "Fast jeder von uns wird einmal vorübergehend behindert sein oder mit einer permanenten Behinderung leben", erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. "Eine Behinderung ist Teil des menschlichen Daseins", fügte Chan hinzu.

Stärker von Armut bedroht

Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, ergänzte, Menschen mit Behinderung hätten viel zu bieten. Die Gesellschaft müsste ihnen eine faire Chance geben. Zu den am weitesten verbreiteten Behinderungen gehören laut WHO Bewegungsstörungen und psychische Erkrankungen. Weiters gelten rund 190 Millionen Menschen als schwerbehindert: Sie sind etwa gelähmt, blind oder leiden unter schweren Depressionen.

Menschen mit Behinderung seien wesentlich stärker von Armut bedroht als gesunde Menschen, erklärte die Gesundheitsorganisation weiter.

Besonders in Entwicklungsländern sei es für Menschen mit Behinderungen oft unmöglich einen Job zu finden. In den reichen Staaten der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hätten nur 44 Prozent der behinderten Menschen eine Beschäftigung, verglichen mit 75 Prozent der Menschen ohne eine Behinderung.

Schlechtere Bildungschancen

Den Großteil ihrer Einkommen verwenden behinderte Menschen laut WHO für Medizin und Pflege. In armen Staaten müsste jeder zweite Mensch mit Behinderung mit medizinisch bedingten Ausgaben rechnen, die er nicht begleichen könne. Wegen der mangelnden medizinischen Versorgung sei auch ihre Lebenserwartung niedriger. Kinder, die mit einer Behinderung lebten, hätten in vielen Ländern schlechtere Bildungschancen.

Zudem könnten viele Menschen mit Behinderung nicht die Errungenschaften moderner Kommunikationstechnologien vollständig nutzen. Die Staaten müssten das internationale Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen voll umsetzen, forderte die WHO. Das Abkommen verlangt ein Ende der Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen. (Jan Dirk Herbermann aus Genf, DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2011)

Kommentar posten
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*esofan*
52
10.6.2011, 11:47

davon 90 % autofahrer ...

lisi3010
00
10.6.2011, 11:45
so schauts aus

in Österreich gibt es für Personen mit Behinderung 16.459 einstellungspflichtige Unternehmen (Vorschreibungsperiode 2007), aber nur 22,7 % der Unternehmen kommen ihrer Einstellungspflicht nach.

anscheinend haben viele Unternehmen Angst vor Menschen mit Behinderung

Eckman
00
10.6.2011, 12:13

Ich wollte gerne einen Witz über Manager anbringen, aber eigentlich ist das Thema zu ernst dafür. :0(

Dr Don Tango
00
10.6.2011, 16:09

bildungsopfer?

hallelujah1
00
10.6.2011, 10:23

Liest man sich die Forenbeiträge durch, so liegt die Vermutung nahe, die Zahl der geistig Behinderten ist zumindest hierzulande noch weit höher.

Richard Ebner
10
10.6.2011, 09:44
15% sind behindert. Ist das so wie "110% ...

... der Frauen werden vom Partner geschlagen"?

elento
 
13
10.6.2011, 09:21

Wenn Leute mit sozialer Störung (also solche die grundlos hupen, flegeln, dauernd schlecht drauf sind und ständig suddern) dazugezählt werden, dann sinds um die 98%

AlBundyFan
 
10
10.6.2011, 08:41
was zählt alles in dem zusammenhang als behinderung?

hat man da die normallen altersbedingten körperabbau miteinberechnet?

also ich kann mir kaum vorstellen, daß jeder 7. mensch behindert ist......das entspricht auch nicht meinen alltagserfahrungen.

Thank God I'm A Country Boy
00
10.6.2011, 18:55

ich bin jetzt mal der Einfachheit halber mein 10 nächsten Verwandten unter 60 durchgegangen, und habe drei Leute gefunden, die als behindert gelten können. Bei zweien davon sieht man es gar nicht- bei einem nicht auf den ersten Blick: einer mit nur einem Auge, eine MS- Kranke und eine Frau, die nach einer OP im Kopfbereich eine schwere soziale Störung hat.

Auch wenn das sicher überdurchschnittlich viel ist, halte ich die 15% für relativ realistisch.

AlBundyFan
 
00
11.6.2011, 08:24
also meiner mutter hat 10 geschwister

davon haben die meisten einen partner und auch schon kinder.

das allein sind zusammen ca. 25 personen - und davon hat nur ein einziger etwas das man behinderung nennen könnte(psychisch).

mein einzelbeispiel belegt aber genau gleich wenig wie deins.

Euroumrechner
00
10.6.2011, 13:08

Definiere bitte "Alltagserfahrung".

Ansonsten geb ich dir mal den Rat und informier dich wieviele Alten-Pflege-Jugend-Behindertenheime es in AT gibt.

AlBundyFan
 
00
10.6.2011, 13:19
deshalb ja die frage

ob man da alte leute auch mitzählt....mMn müßten es dann ja sehr viel mehr sein als 15% da ich alle menschen, die nicht an einem unfall direkt sterben oder an einer krankheit als ab einem gewissen zeitpunkt körperbehindert bezeichnen würde. (da würde ich dann eher von 90-95% sprechen).

deshalb müssen die kriterien andere sein und dann kann ich es nicht nachvollziehen - und in pflege, jugend und behindertenheimen leben sicher nicht über eine million österreicher. (das wären nämlich dann 15%)

Hardcoreboson
00
10.6.2011, 11:27
das ist eine gute frage

wenn jede sehschwaere gezaehlt wird, sinds wohl mehr als 15 %. hier ist der uebergang ja auch fliessend zwischen leichter sehschwaeche wo man praktisch keine einschraenkungen hat (naja pilot kann man wohl auch nicht werden), bis zu starker sehschwaeche wo man z.b. keinen fuehrerschein mehr bekommt.

Euroumrechner
00
10.6.2011, 13:10

Das ist keine gute Frage sondern eine sehr beschränkte Frage!

Zinnmo
 
00
10.6.2011, 10:45

"Ursache sei die Alterung der Weltbevölkerung und die immer größer werdende Zahl von Patienten mit chronischen Krankheiten."

Antwort: Ja.

lisi3010
03
10.6.2011, 09:18

Behinderung wird folgendermaßen definiert:

Behinderung im Sinne dieses Bundesgesetzes ist die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden körperlichen, geistigen oder psychischen Funktionsbeeinträchtigung oder Beeinträchtigung der Sinnesfunktionen, die geeignet ist, die Teilhabe am Arbeitsleben zu erschweren.

Nathaniel Winerib
01
10.6.2011, 10:32

ich wage zu bezweifeln, dass "dieses bundesgesetz" (welches eigentlich?) weltweit gilt.

lisi3010
00
10.6.2011, 11:29

das Behinderteneinstellungsgesetzes in Österreich

Nathaniel Winerib
00
10.6.2011, 14:07

na, da haben sie sich ja ein großartiges gesetz ausgesucht, das gilt tatsächlich nur in österreich (zum schaden der behinderten übrigens, da sie aufgrund dessen kaum beschäftigung im privaten sektor finden).

Kernsen
31
10.6.2011, 09:11

ich glaub da sind die mit eingerechnet, die nur gratis parken wollen.

lisi3010
04
10.6.2011, 09:11
behinderungen sind nicht immer sichtbar

zb. taube menschen, menschen die auf einem auge blind sind, oder welche mit prothesen, nervenkranke menschen mit ms oder epilepsie, morbus bechterew betroffene,

man sieht vielen menschen nicht an ob sie behindert sind und wie schlecht es ihnen geht

Karel Sternlieb
02
10.6.2011, 08:30
Gilt auch für Österreich

Der Benachteiligung, könnte leicht mit einer Grundsicherung für alle auf Europäischer Ebene begegnet werden. Und wie manche darauf kommen das man als Mensch mit Behinderung (ich selbst habe Bandscheibenvorfälle, eine abgenutzte Halswirbelsäule und eine Gangstörung) weiss ich nicht. Jedenfalls wurde mein Invaliditätspensionsantrag abgelehnt, weil leider kein Berufschutz. Man kriegt zwar nachher Kurse vom AMS (sogar relaiv gute) aber eine echte Umschulung ist nicht einmal angedacht.

spacedakini
00
10.6.2011, 07:53

"mit Behinderung leben" ist das jetzt die neue Formulierung??
Das klingt, als würde die Behinderung einfach ausziehen müssen, dann lebt man alleine ohne Behinderung.

Springender Jakob
03
Die Definition des Behinderungsbegriffes hätte den Artikel ohne Zweifel contentdichter gemacht

Und für mehr Verständnis gesorgt.
Oder eben das Gesamtsubstrat
relativiert. Die Diskussion hier wird
vermutlich so jedoch den nicht
unerwartbaren Verlauf nehmen.

daimi
00

Ich habe eine Brille. Bin ich auch bei den 15% dabei?

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