Tadel in Wien, Lob aus Brüssel

Plattform beklagt Förderstopp, EU bestätigt F&E-Politik

9. Juni 2011, 21:44

Grüne: Österreichs Wissenschaftspolitik "irgendwo zwischen griechischer Tragödie und Realsatire"

Brüssel/Wien - Es ist auch schon wieder zehn Jahre her, dass der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser die sogenannten "Orchideenfächer" als entbehrlich bezeichnete. Grasser hat heute andere Sorgen. Die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) indes müssen sich von der aktuellen Regierung vernachlässigt fühlen - und das, obwohl der neue Wissenschaftsminister aus einem "Orchideenfach" par excellence kommt: Karlheinz Töchterle war nämlich Professor für Altphilologie in Innsbruck.

Nach der etwas chaotischen Restrukturierung der außeruniversitären Forschung im Bereich der GSK, die immer noch nicht abgeschlossen ist, wurde im März noch von Töchterles Vorgängerin Beatrix Karl angekündigt, die Druckkosten- und Symposienunterstützungen ab 2012 ganz zu streichen, wie DER STANDARD berichtete.

Gegen diese Streichung protestiert unter anderem die "Plattform Wissenschaftliche Öffentlichkeit" (Plawö), die am Donnerstag in einer Pressekonferenz das "lächerlich geringe" Einsparungspotenzial der Maßnahme - so der davon betroffene Zeithistoriker Oliver Rathkolb - thematisierte: So rechnete Plawö-Sprecher Markus Vorzellner vor, dass die Anhebung der Forschungsförderung für Unternehmen von acht auf zehn Prozent mit 320 Mio. Euro das 266-fache dessen beträgt, was ein Jahr Druckkostenzuschuss ausgemacht hätte.

Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald verortete auf der Pressekonferenz die österreichische Wissenschaftspolitik deshalb "irgendwo zwischen griechischer Tragödie und Realsatire": Die Politik verstehe sich offensichtlich als Sparverein, der sich bemüßigt fühle "zwischen Nützlichem und Nutzlosem" zu trennen.

Friedhelm Frischenschlager wiederum, ehemaliger FPÖ- und später LiF-Politiker und nun Bundesvorsitzender der Europäischen Föderalisten, warnte davor, die GSK einzuschränken, da diese für jene Wertebasis wichtig seien, welche die europäische Integration erst ermögliche.

Auf dem Weg zu Weltspitze?

Aus Brüssel indes kommt Lob für Österreichs Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) in den vergangenen zehn Jahren: Die EU-Kommission sieht Österreich in ihrem ersten Innovationsbericht gar auf dem Weg zur Weltspitze, was auch den Wissenschaftsminister freute und zu einer Aussendung veranlasste.

Weniger gern äußerte sich Töchterle zu den GSK-Sparmaßnahmen, die für ihn als Geisteswissenschaftler schmerzlich seien. "Aufgrund der Konsolidierungsmaßnahmen waren diese Schritte aber leider notwendig." Es wolle jedoch die Förderung der GSK in den Leistungsvereinbarungen mit den Unis thematisieren. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 10.06.2011)

 

Kommentar posten
16 Postings
e_Neutrino
 
00
10.6.2011, 16:21
Der ökonomische Röntgenblick geht um,

.
oder noch immer nicht?

Tipp: Sollte man nicht all jene die unrechtmässig Gelder auf ziemlich persönliche Art versenkten, unmissverständlich per Gesetz dazu motivieren alles zurückzuzahlenl, und ich meine wirklich alles!,(Fehlspekulanten -> Gelder inbegriffen!)...so etwa um das fehlende Gleichgewicht wieder herzustellen!,...

damit liesse sich sogar (mind.) eine neue Universität gründen die ausschliesslich der Grundlagenforschung dient, denn die meisten derzeitigen Forschungsstellen an den UNIs sind ja schon allesamt recht geldorientiert eingespannt für die nächsten Jahrzehnte, (od. etwa nicht?)...;-)

romanemperor
00
10.6.2011, 16:10

Enten hört die Signale:
Schlumpf-Flash: Antischlu Demo in der schlumpfophilen Partnerstadt Entenhausen ist abgesagt ...

Politiker
04

wie kann ein tischler einen tisch bauen, wenn man ihm schrauben und holz wegnimmt?

t_graz
52

als ob ausgegebenes Geld ein Massstab für erfolgreiche Forschung wäre - kopfschüttel

wo sind den die internationalen Auszeichnungen und Erkenntnissgewinnw, die weltweit Anerkennung finden?

alles nur noch ein endloses von einander Abschreiben ohne Erkenntnisgewinn

aber mit der Diskussion wie man richtig Zitiert

3dGeist
00

Gibt es eigentlich ein Qualitätsmanagement das den Effekt der Forschungstätigkeiten misst?
Vor kurzem gab es ja einen Bericht das Schweden zwar sehr viel (ich glaube 5%) in Forschung steckt aber nur verhältnismäßig wenig rausschaut.
Außerdem würde mich interessieren welches Land in welchen Bereichen forscht. Denn tausende Genderstudien tragen nicht zur wirtschaftlichen Entwicklung bei, eher das Gegenteil.

Gendo
01
10.6.2011, 08:53
Qualitätsmanagement nach österreichischer Art!

Vorsicht was Sie sich da wünschen. Qualitätsmanagement kann auch bedeuten (und passiert in unserem Lande so), dass dieses Qualitätsmanagement mit Personal (die haben dann fixe Verträge )und Matherail versorgt wird und unmängen an Geld frißt (also praktisch die ganzen Erhöhungen) und die nur dafür sogren dass die Forscher noch weniger Zeit für Forschung haben sondern nur noch mehr Formulare Ausfüllen müssen (die beweisen das die Geschützen Stellen im Qualitätsmanagement für was sind!).

3dGeist
00
10.6.2011, 14:42

Da haben sie natürlich recht.

Trotzdem sollte man irgendwie den verwertbaren Output messen.
Eine höhere Forschungsquote allein hilft noch nicht viel.
Das ist ähnlich wie bei der Akademikerquote. Da wird nur eine höhere Quote gefordert ohne zu sagen in welchen Facherbeichen wieviel bedarf besteht und dann sind tausende Geisteswissenschafter arbeitslos oder prekär beschäftigt.

martial
01
10.6.2011, 18:41

Mit der prekären Beschäftigungssituation haben sie nicht ganz Unrecht, aber vom Mythos der Horden arbeitlosen Geisteswissenschaftler könnten wir uns doch langsam verabschieden: es gibt insgesamt nichtmal 9000 arbeitlose Akademiker in Österreich (weniger als 4 (!)% der Gesamtzahl). Größte Gruppen: Betriebswirte (1000), Juristen (770), Mediziner (400), Psychologen (360), Biologen (300) und Architekten (270).
Einige der klassischen "brotlosen" Studienrichtungen wie Geschichte, Germanistik oder Soziologie haben jeweils nur 100-150 gemeldete Arbeitlose, also genauso viel wie Maschinenbau, Informatik oder Elektrotechnik (Quelle: AMS).

Bei 8 Millionen Einwohnern nicht gerade dramatische Zahlen.

Bill Munny
01

Wenn man wie in Österreich üblich unter Forschungsförderung hauptsächlich die Umweg-Subventionierung von Großfirmen versteht, dann sicherlich. Aber:

http://derstandard.at/130455411... ge-Politik

Herr Plumm
03

und dennoch sinkt die bewilligungsrate bei zb. fwf anträgen...ja wie passt das denn zusammen?

carbonara
03

Aufforderung an Hrn. Deix: ich ersuche Sie um eine Karikatur zu diesem Thema.

derNichtGlaubt
02
ROFL

sturmy
01
Gott sei dank, jetzt brauchen wir nimmer sparen, auch wird alles billiger....

Hubertus der heilige Hirsch
28
Wie lächerlich ist das denn?

Österreich blendet seine Bürger (denen die Forschung grossteils eh am A... vorbei geht) und die EU.
Das was als "Forschungsausgaben" des Staates deklariert wird, ist zumeist eine versteckte Subvention der Industrie. Jeder der in der Forschung arbeitet weis wie verlogen die Politik hier agiert. Die minimal Mittel die zur Verfügung stehen werden dann äusserst "kompetitiv" per Vitamin Ö an die jeweiligen Spezln oder/und a la FWF an die Kuratoriumsmitglieder verteilt. So schautz aus!

Mike 23
14
Sehr gut versteckt dieser Bericht

Eine anderslautende Beurteilung waere auf der Startseite zu finden.
Michael

DerAusrufer
00

Bad news are good news ;-).

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