Grüne: Österreichs Wissenschaftspolitik "irgendwo zwischen griechischer Tragödie und Realsatire"
Brüssel/Wien - Es ist auch schon wieder zehn Jahre her, dass der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser die sogenannten "Orchideenfächer" als entbehrlich bezeichnete. Grasser hat heute andere Sorgen. Die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) indes müssen sich von der aktuellen Regierung vernachlässigt fühlen - und das, obwohl der neue Wissenschaftsminister aus einem "Orchideenfach" par excellence kommt: Karlheinz Töchterle war nämlich Professor für Altphilologie in Innsbruck.
Nach der etwas chaotischen Restrukturierung der außeruniversitären Forschung im Bereich der GSK, die immer noch nicht abgeschlossen ist, wurde im März noch von Töchterles Vorgängerin Beatrix Karl angekündigt, die Druckkosten- und Symposienunterstützungen ab 2012 ganz zu streichen, wie DER STANDARD berichtete.
Gegen diese Streichung protestiert unter anderem die "Plattform Wissenschaftliche Öffentlichkeit" (Plawö), die am Donnerstag in einer Pressekonferenz das "lächerlich geringe" Einsparungspotenzial der Maßnahme - so der davon betroffene Zeithistoriker Oliver Rathkolb - thematisierte: So rechnete Plawö-Sprecher Markus Vorzellner vor, dass die Anhebung der Forschungsförderung für Unternehmen von acht auf zehn Prozent mit 320 Mio. Euro das 266-fache dessen beträgt, was ein Jahr Druckkostenzuschuss ausgemacht hätte.
Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald verortete auf der Pressekonferenz die österreichische Wissenschaftspolitik deshalb "irgendwo zwischen griechischer Tragödie und Realsatire": Die Politik verstehe sich offensichtlich als Sparverein, der sich bemüßigt fühle "zwischen Nützlichem und Nutzlosem" zu trennen.
Friedhelm Frischenschlager wiederum, ehemaliger FPÖ- und später LiF-Politiker und nun Bundesvorsitzender der Europäischen Föderalisten, warnte davor, die GSK einzuschränken, da diese für jene Wertebasis wichtig seien, welche die europäische Integration erst ermögliche.
Auf dem Weg zu Weltspitze?
Aus Brüssel indes kommt Lob für Österreichs Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) in den vergangenen zehn Jahren: Die EU-Kommission sieht Österreich in ihrem ersten Innovationsbericht gar auf dem Weg zur Weltspitze, was auch den Wissenschaftsminister freute und zu einer Aussendung veranlasste.
Weniger gern äußerte sich Töchterle zu den GSK-Sparmaßnahmen, die für ihn als Geisteswissenschaftler schmerzlich seien. "Aufgrund der Konsolidierungsmaßnahmen waren diese Schritte aber leider notwendig." Es wolle jedoch die Förderung der GSK in den Leistungsvereinbarungen mit den Unis thematisieren. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 10.06.2011)