Forderung

Mehr Risikobewusstsein beim Handy-Telefonieren

9. Juni 2011, 12:40

Wiener Ärztekammer fordert Werbeverbot mit der Zielgruppe Kinder und Kennzeichnung der Höhe der Sendestärke

Wien - Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag bei einer Pressekonferenz auch die Wiener Ärztekammer vor etwaigen gesundheitlichen Schäden von Handystrahlen gewarnt. Mit "zehn Forderungen an Politik, Medien und Industrie" urgierte die Organisation unter anderem ein Werbeverbot mit der Zielgruppe Kinder, Förderung einer von der Industrie unabhängigen Forschung sowie die Kennzeichnung der Höhe der Sendestärke. "Die Menschen machen sich Sorgen", sagte Kammer-Präsident Walter Dorner.

Dorner kritisierte, dass die Industrie die etwaigen Gesundheitsschäden herunter spielt. "Mittels Werbemaßnahmen wird ein positives Bild über Handys in der Öffentlichkeit vermittelt, zu möglichen gesundheitlichen Schäden gibt es seitens der Mobilfunkbetreiber und deren Lobbying-Institutionen keine Meldungen in den Medien", sagte der Kammer-Präsident. Dieses positive Image sollte zurecht gerückt werden.

Mikrowellen werden im Gehirn absorbiert

Dass von den Mobiltelefonen eine Gefahr ausgeht, ist für den Leiter des Institutes für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, Michael Kundi, auch belegt. "Handys senden Mikrowellen aus, die teilweise im Gewebe des Kopfes absorbiert werden", sagte er. Dadurch habe man nach zehn Jahren bereits ein bis zu 70 Prozent höheres Risiko, einen Gehirntumor zu entwickeln, sagte Kundi.

Es sei nun der Ärztekammer zufolge wichtig, die Bevölkerung rasch und umfassend zu informieren, dass es bei Mobilstrahlung möglicherweise ein gesundheitliches Risiko gibt und Funkanwendungen nicht bedenkenlos eingesetzt werden sollten. Auch das Internet-Surfen mit UMTS-Sticks könnte gefährlich sein. "Beim Surfen befindet sich der Stick in Hüfthöhe, also in Höhe von Hoden, Penis, Prostata, Eierstöcken und Rektum", sagte der Referent für Umweltmedizin, Erik Huber. Über die Auswirkungen der Strahlen auf diese Regionen wisse man "noch gar nichts Genaues".

Zehn-Punkte-Forderungskatalog

Um einer etwaigen Gesundheitsgefährdung vorzubeugen, publizierte die Kammer einen zehn Punkte umfassenden Forderungskatalog. Demnach sollen bei jeder Werbung am Ende auf etwaige Gefahren aufmerksam gemacht werden, Lehrer besser geschult, das Festnetz wieder attraktiver gemacht und eine von der Industrie unbeeinflusste Forschung forciert werden. Die Mobilfunkbetreiber müssten Huber zufolge zehn Prozent ihres Marketingbudgets für unabhängige Untersuchungen bereitstellen.

Kritik an der Wiener Ärztekammer kam postwendend vom Forum Mobilkommunikation. "Die Aussagen der Ärztekammer Wien zur unlängst durchgeführten Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Mobilfunk in Gruppe 2B tragen nicht zur sachlichen Information bei", so Geschäftsführer Maximilian Maier "2B bedeutet, dass aufgrund ungenügender bzw. begrenzter Hinweise Kanzerogenität möglich ist - also nicht ausgeschlossen werden kann. Die Ärztekammer Wien stellt auf dieser Basis Forderungen in den Raum, die entweder rein polemisch sind oder bereits erfüllt werden", so Maier. Dadurch würde lediglich zur Verunsicherung beigetragen. (APA)

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12 Postings
Pfuideifi
00
13.6.2011, 19:50

Ich finds gut, daß die Ärztekammer sich dieses Themas annimmt.
Folgender Link ist schon seit Jahren aktiv:

http://www.aekwien.at/media/Pla... _Handy.pdf

A. Raunzer
02
10.6.2011, 12:02
Warnungen der Ärztekammer

Die medizinischen Anwendungen ionisierender Strahlen verursachen ca. 250 zusätzliche Krebsfälle pro Jahr in Österreich. Das kann man aus der statistischen Bevölkerungsdosis gut abschätzen.

Warum warnt die Ärztekammer nicht davor, z.B.: Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie ein CT machen lassen, es könnte Krebs verursachen" ?

Bisher hat sie es verabsäumt, die transparente Dokumentation der verabreichten individuelle Dosis bei radiologischen Untersuchungen zu verlangen. Aber das wäre wahrscheinlich geschäftsschädigend....

collector1
00
10.6.2011, 15:12

Vorweg ich bin kein Lobbyist der Mobilfunkbetreiber.

1) Die Sendeleistung im maximal Fall eines GSM Gerätes beträgt 1W, jedoch handelt es sich hierbei um Impulse, die Dauerstrichleistung ist wesentlich geringer, diese liegt maximal bei 125mW. Hinzu kommt das 900MHz oder 1800 MHz keine ionisierende Wirkung haben. Eine Erwärmung kann maximal in der obersten Hautschicht entstehen.
2) Die Sendeleistung von UMTS Geräten (Smartphones) ist um einiges geringer diese beträgt maximal 125mW bis 250 mW Spitzenleistung bei 1900 MHz. Der Dauerstrichbetrieb liegt bei einem duty cycle von 12.5% wesentlich geringer, also ca. 25-30mW. Und mit dieser Leistung kann eigentlich nichts passieren.
Ein CT ist wesentlich gefährlicher wir reden von der zigfachen

Got Your Noes!
00
10.6.2011, 23:22

schöne zusammenfassung. zumindest ist das auch die aktuelle meinung an universitätskliniken. was die ärztekammer so über homöopathie sagt, deswegen allein darf man ihr schon ein bissal misstrauen.

FFluXXuSS
00
10.6.2011, 11:56
Die WHO Studie

Für schnelle Leser/innen gibt es die Conclusio auf der ersten Seite
http://www.iarc.fr/en/media-... r208_E.pdf
Was mich persönlich wundert:
Wenn es einen Handy-"Durchseuchungsgrad" von 140% gibt (Quelle www.fmk.at), wozu geben sich so viele Lobbyisten so viele Mühe, um die WHO und Wiener Ärztekammer schlecht aussehen zu lassen?

Wer wird wohl am Abend schlecht aussehen?

franz101
11
10.6.2011, 09:15
ein-punkt-forderungskatalog

ich bin sicher, dass die befolgung meines forderungskatalogs "einer etwaigen gesundheitsgefährdung" besser vorbeugt:

1) kein telefonieren und sms-schreiben während man autofährt.

marty fink
02
Na der Herr Kundi kann seine Zahlen sicher belegen...

Oder?

triebstrü
 
00
Ja, kann er.

Sein Review Artikel ist frei verfügbar.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20802874

Robert Niessner
 
01

Was genau spricht da laut dem Abstract dafür?
"Methodologic considerations revealed that three important conditions for epidemiologic studies to detect an increased risk are not met:no evidence-based exposure metric is available; the observed duration of mobile phone use is generally still too low; no evidence-based selection of end points among the grossly different types of neoplasias is possible because of lack of etiologic hypotheses. The overall evidence speaks in favor of an increased risk, but its magnitude cannot be assessed at present because of insufficient information on long-term use."

triebstrü
 
02
Nichts.

Habe mir fahrlässigerweise das Abstract erst nach dem posten durchgelesen.

marty fink
00
na dann! ;-)

Enrico Dal Vero
00
10.6.2011, 10:19
Gibt die "Studie" auch auf Deutsch:

Die Fachleute aus 14 Ländern haben keine neuen Daten erhoben, sondern die Erkenntnisse als den bislang verfügbaren wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Krebs durch Rundfunk- und Handystrahlung bewertet. Darunter war auch eine Studie aus dem letzten Jahr, in der fast 13.000 Mobiltelefonnutzer über zehn Jahre lang beobachtet wurden. Die Studie kam damals zu keinem eindeutigen Ergebnis - ebenso wie alle anderen großen Untersuchungen

Die IARC bezieht sich dabei unter anderem auf die Interphone-Großstudie, die in 13 Staaten durchgeführt worden war. Insgesamt kamen unter den Hunderttausenden Menschen, deren Daten in das Projekt eingeflossen waren, 2708 sogenannte Gliome und 2409 Meningeome vor. Einen handfesten, statistisch belastbaren Zu

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