Rassismus der Sprache

Österreich: Türkisch ist keine Fremdsprache

09. Juni 2011 08:44
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    Inci Dirim: "Österreich ist schon integrationsbedingt ein mehrsprachiges Land."

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    "Jede Art von Heimtextilien" am Wiener Brunnenmarkt

Inci Dirim, die erste Professorin für Deutsch als Fremdsprache, erklärt, warum sie gegen einen "Rassismus der Sprache" ist

Wien - "Österreich ist schon integrationsbedingt ein mehrsprachiges Land", sagt Inci Dirim. Und: "Türkisch ist keine Fremdsprache in Österreich, weil es hierzulande von so vielen Menschen gesprochen wird." Dirim ist nicht irgendwer: Die in Deutschland geborene und in der Türkei aufgewachsene Germanistin bekleidet an der Universität Wien seit kurzem Österreichs erste Professur für Deutsch als Zweitsprache. Im Gespräch mit der APA kritisiert sie die oft auf Spracherwerb verkürzte Integrationspolitik scharf. Das Deutschlernen werde nicht als Instrument des Eingliederns, sondern zur Ausgrenzung eingesetzt. "Die Wissenschaft nennt das Linguizismus. Das ist eine spezielle Form des Rassismus, bei der Menschen wegen ihrer Sprache ausgegrenzt werden."

Minenfeld

Wer mit der Wissenschafterin über ihr Arbeitsgebiet spricht, gerät sofort in ein Minenfeld, in dem viele innenpolitische Aufreger versteckt sind: Deutsch vor Zuzug, Deutsch-Prüfungen für Migranten, Spracherwerb in einem vielsprachigen Umfeld in Kindergärten und Schulen, Türkisch als Maturafach. "In Österreich hängt der Bildungserfolg sehr stark von der ethnischen Herkunft ab. Das ist problematisch für das Bildungssystem eines demokratischen Staates. Die Schule ist nicht in der Lage, höhere Sprachkompetenzen zu vermitteln."

Pädagogik der Anerkennung

"Es gibt keine monolinguale Gesellschaft", wehrt sich Inci Dirim gegen eine von der Politik verteidigte Grundannahme, die längst überholt sei. "Wir wissen, dass bilinguale Modelle erfolgreich sind - womit ich aber nicht Deutsch und Englisch meine, sondern Deutsch und eine Migrantensprache." Stattdessen werde das Gefühl der Minderwertigkeit vermittelt. "Integration bedeutet Zugehörigkeit und Anerkennung. Wir müssen daher über eine Pädagogik der Anerkennung arbeiten. In der Lehrerausbildung ist aber im Moment weder der Umgang mit Mehrsprachigkeit ein Thema, noch Deutsch als Zweitsprache. Da haben wir ein Riesenproblem."

Defensive Politik

Am deutlichsten offenbare sich die defensive Haltung der Politik im Umgang mit Einwanderungswilligen, sagt die Germanistin. "Wenn Deutscherwerb und Aufenthaltserlaubnis miteinander verknüpft werden, entsteht ein enormer Druck, aber auch große Ungerechtigkeit. Personen aus EU-Ländern müssen diese Prüfungen nicht machen. Andererseits gibt es etwa viele afrikanische Länder, in denen gar keine Deutschkurse angeboten werden. Durch Instrumente der Ausgrenzung wird ein überholtes Konzept der Nationalstaatlichkeit, bei dem Volk, Staat, Sprache und Religion monolithisch ausgebildet sind, verteidigt."

Türkei, Deutschland, Österreich

Sie selbst sei durch eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater zweisprachig aufgewachsen, erzählt Inci Dirim, die ihre Schullaufbahn in der Türkei absolvierte und in Ankara und Bremen studierte. Die Situation der in Deutschland und Österreich lebenden Türken könne sie aber gut nachvollziehen. "Man kann hier auch auf Türkisch gut durchkommen. Die Menschen haben eben unterschiedliche Ziele, bei denen auch das Ausmaß an Deutsch, das dafür gesprochen werden muss, sehr unterschiedlich groß ist."

Türkisch-Matura

Daher sei sie für eine Aufweichung starrer Normalitäts-Vorstellungen: "Es gibt nicht eine Lösung für alle." Auch Türkisch könne sie sich nicht nur als Maturafach, sondern auch als Sprache anderer Maturafächer durchaus vorstellen - in einer fernen Zukunft allerdings. "Die momentane Aufregung ist umsonst", beruhigt sie, schließlich gäbe es bisher weder die nötigen Lehrämter noch entsprechende Unterrichtsmaterialien. Und solange Deutsch jene Sprache sei, in der auf der Universität gelehrt werde, müsse auch bei der Studienberechtigungsprüfung Deutsch im Vordergrund stehen, alles andere wäre absurd.

Bis zu einem offenen, vielsprachlichen Bildungssystem, in dem Sprachen nicht Hürden, sondern Chancen darstellten, sei nicht nur ein politischer Wandel, sondern auch enorm viel Arbeit nötig, ist sich Inci Dirim sicher. Einen Vorschlag für einen ersten Schritt hätte sie bereits: "Mein dringendster Wunsch an die Wissenschaftspolitik wäre die Einrichtung von Professuren für Deutsch als Zweitsprache an jeder Universität und jeder Pädagogischen Hochschule in jedem Bundesland." (APA)

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Stan Libuda
04.08.2011 21:33
die werte dame kann gern mit immigranten aus

anatolien diskutieren. dann wird ihr eventuell klar, was für einen schwachsinn sie erzählt.

ich käme nie auf die idee ins (fremdsprachige) ausland zu ziehen und die dortige sprache nicht zu erlernen.

sprache ist das wichtigste, was es gibt. warum ziehe ich sonst in ein anderes land, wenn ich nicht in erster linie alles dransetze, die sprache zu lernen? ich MUSS mich den gegebenheiten des jeweiligen landes ANPASSEN, frau professorin, nicht umgekehrt!

pike bishop
10.07.2011 09:39

"Man kann hier auch auf Türkisch gut durchkommen. Die Menschen haben eben unterschiedliche Ziele, bei denen auch das Ausmaß an Deutsch, das dafür gesprochen werden muss, sehr unterschiedlich groß ist."
darin liegt aber das Problem: es gibt Bereiche, in denen man mit T. nicht durchkommt. Dort kommen die türkischstämmigen dann nicht hinein und fühlen sich dann benachteiligt, bzw. werden von den nicht türkischstämmigen als nicht gleichwertig angesehen.

senf mit korn
29.06.2011 01:19

Türkisch ist für viele Österreicher keine Fremdsprache, diese Definition hilft aber nicht dabei eine Amtssprache zu beherrschen.

Denn das erleichtert den Alltag im Umgang mit Behörden, gleicht aber auch Abhängigkeitsverhältnisse durch ungleiche Sprachkenntnisse innerhalb der Familien aus.

Wir sollten nicht immer so tun als ob Sprachen so schwer zu erlernen wären. Je älter man wird desto mehr Umdenken ist gefordert, trotzdem ist es wahrlich keine Barriere. Türkisch ist zudem eine schöne Sprache vieler aufschlussreicher Bilder, es spricht doch nichts dagegen als 5./6.+ lebende Einwanderern entgegen zu kommen.

palmström
28.06.2011 17:58
migration bedeutet immer teilweise entwurzelung und zuwanderung bedeutet für die ansässigen immer teilweise veränderung von gewohntem

das sind schlicht tatsachen

wieso den ansässigen unbedingt zugemutet werden soll, auch die eigene sprache zu verlieren, wo der gebrauch und der erhalt der muttersprache bei migranten immer betont, gefeiert und bejubelt wird, ist mir schleierhaft

steht es tatsächlich in manchen agenden, die nazisprache strafweise abzuschaffen...?

identität ist etwas ganz zentrales und die eigene sprache gehört da felsenfest dazu - bei allen!

palmström
28.06.2011 17:52
Und solange Deutsch jene Sprache sei, in der auf der Universität gelehrt werde

äugt da jemand hoffnungsfroh in die zukunft?

ziemlich schlimm wie offen antideutsch die dame ist und das als germanistin... sachen gibts

pike bishop
10.07.2011 09:35

Schauen Sie einmal auf die deutschen Unis, wieviel dort schon auf Englisch gemacht wird. sich vor dem Türkischen zu fürchten, ist dabei eine eine Ablenkung.

palmström
28.06.2011 17:49
Andererseits gibt es etwa viele afrikanische Länder, in denen gar keine Deutschkurse angeboten werden.

da haben wir wieder den irrtum, dass zuwanderung nach ö ein menschenrecht wäre

prado
28.06.2011 12:58
die gute Frau versteht uns Österreicher nicht,

genauso gut könnten wir fordern Zuwanderer müssen partielle Differentialgleichungen lösen können, auch etwas das ein Großteil der Österreicher nicht kann.

69
27.06.2011 17:31

INCI

Freddy alien merkury
18.06.2011 15:23
"Türkisch ist keine Fremdsprache in Österreich, weil es hierzulande von so vielen Menschen gesprochen wird."

Weit haben wir's gebracht!

Chemist88
12.06.2011 00:19
am besten

sprechen wir alle nur mehr englisch, weltweit, dann hat sich das Problem erledigt;-)

real_schlimm_edi
 
11.06.2011 17:35
"No kiero aprender la lengua turca !!!"

Sehen Sie wie wichtig es wäre wenn Österreicher erstmal gscheid Spanisch, Französisch Finnisch, Schwedisch oder Englisch lernen würden ?

felixhenn
 
11.06.2011 15:26
Ob sowas in der Türkei auch möglich wäre?

Man stelle sich mal vor, Frau Dirim würde diesen Vorschlag in der Türkei machen, mit umgekehrten Vorzeichen. In einem Land mit einem Gesetz zum Schutz der Türkentums, wo jemand sich nur einmal abfällig über Türken und Türkei äußern muss um für Jahre ins Gefängnis zu gehen.

Wäre es nicht sinnvoller, wenn sich die Türkei Österreich und Deutschland anpasst und nicht umgekehrt? Schließlich wollen Türken zu uns und nicht wir in die Türkei.

haruki222
10.06.2011 22:41
Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass Fr. Dirim mit dieser Einstellung eine Professur an einer österreichischen Uni innehat.Noch dazu scheint sie am Germanistik-Institut (Fachbereich DaF/DaZ!) völlig fehl am Platze zu sein.

Und diese Theorie des elaborierten Codes in der Muttersprache, der notwendig ist, um die Sprache des neuen Heimatlandes zu lernen, ist zwar pc aber wissenschaftlich längst nicht mehr haltbar. Noch dazu bei MigrantInnen der zweiten und dritten Generation, die mit türkisch (bzw. einer anderen Sprache ihrer Eltern/Großeltern) eigentlich nicht mehr viel verbinden sollten, so sie sich jemals im Gastland integrieren wollen (siehe Migration zu Zeiten der Monarachie!).

Leider schient auch Sie, so wie viele ihrer (ehemaligen) Landsleute, noch nicht in Österr. angekommen zu sein. Was man ihr dabei aber wirklich zum Vorwurf machen muss: Sie hätte intellektuell alle Möglichkeiten dazu. Hier scheint etwas anderes einen Hinderungsgrund darzustellen.

ein
12.06.2011 14:06

Ich hab nicht ganz verstanden, was unter "ihren Landsleuten" gmeint war - die Deutschen? Ich weiß nicht ob die danach streben Österreicher zu werden.... aber vielleicht ist das so... hmmmm...

mehmetali erbil
10.06.2011 21:53
Liebe Österreicher

Habt ihr überhaupt eine eigene Sprache? Ihr sprecht doch DEUTSCH. Alles von den Deutschen geklaut.

prado
28.06.2011 12:50
daher Karl Theodor als Bundeskanzler

Cielito Lindo
19.06.2011 23:16
Lieber Türke

Nix geklaut, sondern beibehalten:)
Die Schweizer und die Liechtensteiner hast aber vergessen. Hast in der Schule wohl nicht aufgepasst?

idiotdernichtsweis
16.06.2011 11:00

sind Sie über die voksschule mit ihrer bildung hinaus gekommen? eigentlich eine schande dieser beitrag.

woher kommt das türkische? sieh mal nach.

Kommt aus der Mongolei, ca. 7. Jhd. von den Oghusen... also habt ihr von denen alles geklaut. blöd gelaufen. aber im prinzip haben wir dann alle von den affen geklaut, die haben sich auch schon verständigt. aber soweit wird ihr horizont denke ich nicht gehen...

arm dass man sowas überhaupt schreiben muss...

Hosenträgerträger
11.06.2011 12:08
Frag mal einen Deutschen (keinen Bayern!) ob er die selbe Sprache spricht wie ein Tiroler oder gar ein Vorarlberger.

Und lass dich von der Antwort überraschen.^^

haruki222
10.06.2011 22:07

Wie wärs mit ein bisschen Geschichte-Wissen? "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation", "Deutscher Bund": Einfach mal googeln und die Grenzen des eigenen Verstandes erweitern.

Viel Glück dabei!

Hansi Fernseer
10.06.2011 14:15
Man muß nur fest dran glauben,

und unseren Planeten vorübergehend verlassen, dann kommt man zu diesem Ergebnis.

Flexman
10.06.2011 13:21
Und als nächstes dann bitte Kurdisch

Sonst fühlen sich diejenigen diskriminiert die ja eigentlich wegen der dortigen Diskriminierung hergekommen sind.

jane doe2
10.06.2011 13:00

Ich glaube ich bin im falschen Film. wir sollen türkisch lernen, aber die Türken die schon hier geboren sind und die noch zu uns kommen (Ehefrauen und ehemänner) sollten oder müssen das nicht! Das letzte was ich machen würde ist türkisch lernen. Ich lerne (ist ja auch mit Aufwand verbunden) nur Sprachen, die man brauchen kann und/oder mir gefallen. Türkisch gehört sicher nicht dazu!

nina yankow
11.06.2011 06:21
???

wie kommen Sie bitte auf die idee, türkisch lernen zu müssen? dass es in österreich italienisch und spanisch als maturafach gibt, heißt noch lange nicht, dass irgendwer diese sprachen lernen MUSS.

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