Drei Monate Fukushima

Kein Ende der Katastrophe

9. Juni 2011, 06:40

Greenpeace: "Es war reine Desinformation"

Wien (APA) - Die Bilder haben die Menschen in aller Welt geschockt: Rauchschwaden steigen über dem Atomkraftwerk Fukushima Eins auf, die Dächer der Reaktoren sind durch Explosionen nach der Naturkatastrophe zerstört. Ganze Dörfer und Städte liegen nach dem Megabeben und dem Tsunami vom 11. März in Trümmern. Zigtausende Alte und Kinder, Männer und Frauen, die in Wohlstand gelebt hatten, stehen plötzlich zusammengedrängt in kargen Notlagern an Essensausgaben Schlange. Der Ausblick ist alles andere als gut. Greenpeace befürchtet, dass das Gebiet rund um das Atomkraftwerk zu einer ähnlichen "Todeszone" wurde wie die Gegend um Tschernobyl - wie man dem havarierten Werk wieder Herr werden könnte, ist offenbar ungewiss.

In der Kritik steht vor allem Tepco: Greenpeace wirft dem Betreiber unter anderem vor, das Ausmaß der Katastrophe völlig heruntergespielt zu haben. "Es war reine Desinformation", sagte Niklas Schinerl, Atomsprecher von Greenpeace. Als viele Experten bereits von Kernschmelzen in mehreren Reaktoren ausgegangen sind, stufte die internationale Atombehörde IAEA den Störfall auf Stufe 4 bis 5 auf der INES-Skala ein. "Es war von Anfang an die höchste Stufe 7", sagte der Greenpeace-Experte. Erst im April wurde das Unglück auch offiziell auf Stufe 7 angehoben.

Angst vor Massenpanik

Grund für die verzögerte Information der Öffentlichkeit über den GAU war nach Ansicht des Tokioter Politikprofessors Koichi Nakano die Angst vor einer Massenpanik. "Jetzt haben sich die Menschen an die Situation gewöhnt", sagte er. "Tepco hofft wahrscheinlich, dass die Reaktionen jetzt weniger dramatisch ausfallen." Das Wort Kernschmelze sei mit großen Ängsten verbunden. Es sei gut möglich gewesen, dass die Menschen versucht hätten, aus der Metropole Tokio zu fliehen.

Inzwischen lässt sich die Situation in Fukushima aber nicht mehr schön reden. Bei der Katastrophe dürfte es in einigen Reaktoren zu einer so starken Kernschmelze gekommen sein, dass sich der Brennstoff durch die Reaktordruckbehälter gefressen hat. Die Regierung entschuldigte sich bereits und gestand ein, dass Japan auf solch einen schlimmen Unfall nicht vorbereitet war.

Kein konkreter Plan

Zudem ist auch noch völlig ungewiss, wie es in Fukushima weitergehen soll. Der Betreiber ist von seinem ursprünglichen Versprechen, das havarierte Werk bis Jahresende unter Kontrolle zu bekommen, wieder abgerückt. Es kommen zwar von Tepco immer wieder Vorschläge, wie man der Katastrophe Herr werden könnte, aber einen tatsächlichen Plan dürfte es nicht geben. "Ich wüsste auch nicht, was sie tun können", gab sich Schinerl pessimistisch.

Die Auswirkungen auf das Meer sind ebenfalls noch nicht abzusehen. Im Kraftwerk Fukushima Eins tritt seit Beginn der Katastrophe Radioaktivität in die Umwelt aus. Inzwischen droht radioaktiv kontaminiertes Wasser auch aus einem zweiten Atomkraftwerk in den Pazifik zu fließen. Der Betreiber Tepco überlegt, die verstrahlte Flüssigkeit aus dem AKW Fukushima Zwei (Daini) ins Meer zu leiten. Zusätzlich lässt die beginnende Regenzeit die Pegel der stark verseuchten Wassermassen in den Reaktoren steigen. Die Frage der Entsorgung ist nach wie vor ungelöst. Es wird befürchtet, dass erneut verstrahltes Wasser ins Erdreich oder ins Meer gelangen könnte. (APA)

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11 Postings
Dr. Advocat
01
armes japan ...

Daini wird auch noch interessant ...
bin gespannt wie die japaner diesmal mit der realität umgehen werden ??

Cuca Racha
 
00
anonimus
 
02
Tatsache ist, das man auf den Worst Case nicht

ausreichend vorbereitet war. Bin zwar kein Freund von Merkel, aber sie hat mit dem Atomausstieg - spaet aber doch - die einzige richtige politische Reaktion gezeigt. Neben dem Umstieg zur erneuerbaren Energie, der aufgrund der sich zu Ende neigenden Energieresourzen sowieso erfolgen muss, sollten auch andere Massnahmen folgen: Energieeinsparungsszenarios entwickeln und umsetzen, massiver Ausbau oeffentlicher Verkehrsmittel, extreme Forschung auf dem Gebiet erneuerbarer Energien und Speicherkapazitaeten von elektrischen Strom.

qed1
02
11.6.2011, 07:30

Merkel hat den Atomausstieg doch nicht deshalb durchgezogen, weil sie plötzlich geläutert wäre.

Der einzige Grund dafür ist die Rettung IHRER politischen Haut.

Was wetten wir, dass in wenigen Jahren die CDU,... wieder zurückrudern werden?

hashtag
01

"die wahrheit ist dem menschen zumutbar" I.B

ralikka
04
Mehr Inhalt bitte in solchen Meldungen!

Die Heraufstufung auf 7 ist jetzt auch schon fast einen Monat her. Dass Greenpeace das wiederholt ist nicht wichtig.

Wichtig wäre ein aktueller Stand der Dinge, wie z.B. die Fortsetzung der Interviews mit Wissenschaftlern, die in den ersten Wochen der Katastrophe sehr gut waren.

der wahre Hagen von Tronje
90
Ich möchte bitte daran erinnern...

... dass die Herrschaften von Green Peasce damals in der Sache Brent Spar wissentlich falsche Informationen weitergegeben und somit die ganze Welt belogen haben. Aber Respekt für diesen Mut, mitten im Glashaus mit derart grossen Steinen zu werfen.

Dr. Advocat
02

es ist armselig welche motivationen zum schreiben animieren. kontroverse wäre noch die edelmütigste die ich in ihrer erkennen kann.
zustände, egal welchen wahrheitsgehalt sie beinhalten, zu thematisieren um den profitgierigen ein gesicht in der öffentlichen wahrnehmung zu geben ist nicht vergleichbar mit dem fall in japan.

Stahl_____666
141
.

Der Greenpeace-"Experte" sollte aber auch dazusagen, daß eine vollständige Information von Beginn an auch nichts an der Situation geändert hätte - außer dass eben die weltweiten "Experten" nichts zu sudern gehabt hätten.

Tepco hat völlig richtig die Bevölkerung in kleinen Schritten auf die Situation vorbereitet und damit eine sichere Massenpanik, bei der es hunderte Tote gegeben hätte, verhindert.

indi mozart
 
04
sie sollten weniger hollywood filme schauen...

wo die menschen auf einmal zuhauf in alle richtungen anfangen zu laufen und sich gegenseitig niederrennen. leute vorbereiten...so a bledsinn. leute versuchen hinters licht zu fuehen ist da eher treffend.

buena1vista1
04
Na super ...

jetzt gibt es zwar keine Tote durch Massenpanik (was ich mir bei den sehr ruhigen & gefassten Japanern sowieso nicht vorstellen kann)!

Dafür gibt es die nächsten Jahre Hunderte/Tausende Strahlenopfer .... die man, rechtzeitig evakuieren hätte können, wenn man die Wahrheit gesagt hätte.

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