Wo die Karotte Wasser lässt

Harald Fidler, 26. Juli 2011, 16:24
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    foto: harald fidler

    Wo das Gemüse grüßt: Vincent, im Wintergarten, wo bald die Sonne untergeht, wie Sie gleich sehen werden.

    Restaurant Vincent

    Wirklich großes Menü für je 75 Euro, je 24 extra für Kaviar, mit Bier, Wein, Wasser, Kaffee: 274 Euro.

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    Schwarz (Salzburger Kaviar) auf Weiß (Navetten & Co).

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    Es dämmert: Gänseleber

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    Großartiger Ochse im Dunkeln

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    Zitronenkalb mit Spargel und Buddhafinger - yeah

Perfekt zu diesem Sommer: Der Wintergarten des Vincent und ein wirklich großes Menü - Macht Fleischfreaks zu Vegetariern (aber nicht lang)

Dieses wunderbare Spätherbstwetter hat einen echten Vorteil: Man kann, ganz ohne Wehmut über die verpasste Sommersonnenstrahlen und Schanigartenwetter ins Vincent gehen. Das hat schließlich einen Wintergarten als besten, weil hellsten und, doch, ja, modernsten Platz im Lokal. Mit voluminöser Klimaanlage, für klimatische Notfälle.

Naturereignisse

Und will hier schon über's Wetter reden? Was Peter Zinter da aus der Küche schickte, als der Bruckenberger und ich den Wintergarten besetzten, ist Naturereignis genug und Kunst zudem. Da grüßt eine Reihe gemüsiger Kleinigkeiten aus der Küche, adrett arrangiert, und teils ein bisschen abgedreht behandelt - Marke: dehydrierte Karotte. Nicht nur für's Auge Freude und Überraschung. Und für's Sprachzentrum bietet die Karte die eine oder andere Heiterkeit.

Kaviar vom Fleischer

Schwarz auf Weiß passt namentlich zum Mediengeschäft, müssen wir also nehmen: Navetten, Holunderblüten, Joghurt und Karfiol, das Schwarz trägt zum 13-Euro-Einstieg Salzburger Kaviar vom Fleischermeister Walter Grüll bei. Sehr gut, potenziert halt auch unsere Rechnung mit vier Mal sechs mal zwei Euro. Nie wieder mokier' ich mich über die rechnerisch etwas unbedarfte Trüffelei der Vegetarierin, versprochen. Aber dieses feine Schwarz auslassen und dem Gericht den Namen nehmen?

Bruckenberger, vegan

Spätestens an diesem Punkt macht mich neben Herrn Zinter auch noch Herr Bruckenberger staunen: "Das ganze Gemüse war so gut, dass ich da für einen Abend meinen ehernen Grundsatz Fleisch ist mein Gemüse gern mal über die Tischkante stoße."

Sagen wir so: Die Überraschung über Zinter hält länger als die über den veganen Bruckenberger: Gänseleber, mariniert und in diversen Erscheinungsformen, mit Birne und ich weiß nicht was noch allem wollte mein Mitesser zum Beispiel nicht auslassen, und ich konnte ihm da gar nicht widersprechen.

Langsamer Hase

Herr Bruckenberger setzt dann auf "Langsamer, grüner Hase", also eine Bärlauchsamtsuppe (das Essen ist schon ein paar Tage her) mit Felltier, Schnecke und Rauch, wie die Karte zerlegt. Suppe fand ich super, den einen Schneck wollt' ich ihm nicht wegkosten. Ich konnte an Ochse x 2 nicht vorbei, Essenz und Ravioli, und tat wirklich, wirklich gut daran.

Mangalitza-Essenz - au Backe!

An diesem Punkt waren wir wieder vollkommen einig: Gegessen muss werden, und das ordentlich. "60 Minuten Bio" zum Beispiel umschreibt die Karte Dotter, Röstzwiebelsugo und Mangalitza in einem großen Glas cremig-kräftiger Freude.

Wesentliche Informationen gilt es ohne Zeitverlust zu verwerten. Ganz besonders, wenn diese Infos lauten: Wir zerlegen gerade in der Küche einen ganzen Neusiedlerseezander. Die Backen wären zu haben. Wir sagen binnen Hundertsteln beide ja. Und gehen nicht fehl. Backerl wäre übrigens definitiv ein falscher Ausdruck gewesen, auch wenn diese Verkleinerungsunsitte gerne auch größere Landtiere trifft. Denen das zu dem Zeitpunkt freilich ebenso wurst sein dürfte wie dem Zander, dessen Backe man uns hinhielt.

Buddhafinger im Auge

Das Zitronenkalb mit Zitrus-Hollandaise, Buddhafinger und sous vide gegartem Spargel wieder große Freude in Mund wie Auge - auch wenn man das mit fortschreitender Dunkelheit auf meinen Dilettantenbildern nur noch grob vermuten kann.

Ich musste an diesem Punkt, glücklich, aber eben doch satt, aufgeben. Sogar zum Mitschreiben war ich zu schwach, wie Herr Bruckenberger unsere Ehre als unerschütterliche Esser verteidigte und noch ein Dessert orderte. Ich kann nur soviel sagen: Er wirkte dabei ausgesprochen glücklich.

Dauerregen wie in diesen Tagen liefert bestimmt einen wunderbar entspannten Soundteppich auf dem Wintergartendach, zum wahrhaft großen Menü.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

word8
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lieber herr fiedler

lernen's einfach kochen. dann müssen sie uns nicht mehr mit gastrokritiken quälen :-)

cucina
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Fidler, du Armleuchter.

Emil Sacklinger
 
23
27.7.2011, 13:41
"nimm eine portion - zahl drei"

scheint das motto dieses lokals zu sein.

(aber bitte, wer seine krisengeschüttelten euros rasch loswerden will, hat hier reichlich gelegenheit)

Robert Meiersfelder
 
02
28.7.2011, 19:24
Probieren Sie die Gänseleber, trinkens ein

Glaserl Trockenbeerenauslese dazu und dann reden wir weiter.

Manches ist einfach seinen Preis wert.

Anton Hammerschmidt
12
27.7.2011, 14:38
sie müssen ja nicht hingehen,

sie armer, krisengeschüttelter mensch.

Peter aus Wien
31
27.7.2011, 10:13
Vegetarier bin ich auch immer die 30 Sekunden zwischen zwei Bissen von meinem Steak.

jumpingjack flash
12
27.7.2011, 14:32

die beilagen müssen auch aufgegessen werden :-)

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