Wittgenstein und der Bahnhof Bozen

8. Juni 2011, 23:40
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Noch in dieser Woche eröffnen zwei spannende Ausstellungen mit freiem Eintritt in Wien: im Architekturzentrum im Museumsquartier und im Ringturm in der Innenstadt

Im Rahmen der neuen Ausstellung "Reconstructing Wittgenstein" im Architekturzentrum Wien wird die Arbeit eines der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, Ludwig Wittgenstein, beleuchtet. Diesmal ist es nicht sein philosophisches Werk, sondern seine Arbeit als Architekt.

Der Philosoph als Architekt

Wittgenstein (1889-1951) interessierte sich schon früh für Architektur und speziell für die Arbeit von Adolf Loos, den er persönlich kannte. Während des ersten Weltkrieges engagierte er den Loos-Schüler Paul Engelmann bei seiner Familie als Hausarchitekt für diverse Umbauten. Später beteiligte er sich selbst an dem Bau des Stadtpalais in Wien-Landstraße für seine Schwester Margaret Stonborough-Wittgenstein.

Anlass für die Ausstellung "Reconstructing Wittgenstein" ist der sich jährende 60. Todestag des Philosophen. Diskutiert wird die Architektur von Ludwig Wittgenstein und Paul Engelmann im Kontext von Moderne, Konvention und Kultur. Neue Fotos, eine Videoarbeit und Zeichnungen der Studierenden der Akademie dokumentieren das bedeutende "Haus Wittgenstein" im 3. Wiener Gemeindebezirk aus dem Jahr 1928.

Bozen als Beispiel für Städtebau

Im Wiener Ringturm startet ebenfalls diese Woche eine Schau in die Zukunft des Städtebaus am Beispiel Bozen. Der vor circa 150 Jahren entstandene Bahnhof der Südtiroler Stadt hat sich im Laufe der Jahre zu einem Areal entwickelt, das von seiner Größe her einem ganzen Stadtviertel gleicht und heute eine innerstädtische Trennlinie bildet.

Im Rahmen eines ausgeschriebenen Wettbewerbs sollten innovative, zeitgemäße, nachhaltige und umsetzbare Lösungsvorschläge für die Umgestaltung des Bahnhofs Bozen gefunden werden. Aus ursprünglich 138 Bewerbern wurden zehn Architektur-Büros für den Wettbewerb ausgewählt, neun davon haben ihre Visionen der städtebaulichen Zukunft der Jury vorgelegt. Gewinner wurde die Arbeitsgemeinschaft rund um Architekt Boris Podrecca.

In der Ausstellung werden die Projekte aller Teilnehmer durch die Pläne und Schaubilder ihrer Beiträge vorgestellt. Historische Aufnahmen von Bozen und dem Bahnhofsviertel sowie Pläne des Wettbewerbsareals führen in die städtebauliche Problematik und Komplexität des Themas ein. (red)

"Reconstructing Wittgenstein"
Architekturzentrum Wien - Halle F3
Museumsplatz 1 im MQ, 1070 Wien
9. - 20. Juni 2011
Täglich 10:00 - 19:00 Uhr
Eintritt frei.

"Stadt. Beispiel. Bozen."
Ausstellungszentrum im Ringturm

Schottenring 30, 1010 Wien

10. Juni - 8. Juli 2011
Montag bis Freitag 9:00 - 18:00 Uhr (an Feiertagen geschlossen)
Eintritt frei.

  • Im Haus Wittgenstein, ursprünglich das Stadtpalais von Ludwig Wittgensteins Schwester, ist heute das Bulgarische Kulturinstitut zu Hause.
    foto: www.haus-wittgenstein.at

    Im Haus Wittgenstein, ursprünglich das Stadtpalais von Ludwig Wittgensteins Schwester, ist heute das Bulgarische Kulturinstitut zu Hause.

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