Die Mühle und die pannonische Feierlaune

8. Juni 2011, 20:46
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Das Burgenland wird 90 Jahre alt, sein Hauptmann 60 Jahre jung und sein kulturelles Zentrum 35 - ob alt oder jung, ließ sich bei der Geburtstagsfeier der Cselley-Mühle aber nicht genau sagen

Oslip/Uzlop - Wenn das Burgenland was zu feiern hat, dann feiert es im Vollsinn des vielschichtigen Wortes anständig. Wenn es sein muss, auch in Graz, denn das 3:1 des österreichischen Fußball-Nationalteams gegen jenes aus Lettland war ja ein "Burgenland-Länderspiel" , wie an den Werbetransparenten am Spielfeldrand unschwer zu erkennen war.

Die bewarben unter anderem den Umstand "90 Jahre Burgenland" . Tatsächlich feiert das Land heuer den einschlägigen Geburtstag, was insofern ganz bezeichnend anmutet, als der Fußballteamsponsor Burgenland damit einer hierzulande eingeübten ballesterischen Gepflogenheit folgt: Der Anlass zur Feier ist ja die Niederlage bei der Volksabstimmung in und um Sopron/Ödenburg im Dezember 1921, was zur Folge hatte, dass das Burgenland bis heute keine wirkliche - um nicht zu sagen anständige - Hauptstadt herzeigen kann.

Cselley-Mühle feiert 35er

Eine wesentliche pannonische Feierlichkeit begab sich bereits Ende Mai. Da bejubelte die Osliper Cselley-Mühle ihr 35-jähriges Dasein. Und das mit einigem Recht. Immerhin ist die Cselley-Mühle der wohl erste Ort Österreichs, wo die Jungen der Siebzigerjahre ihre Aufmüpfigkeit in kulturelles Tun umsetzten.

Anders als in Wien, wo wenig später dann die Arena besetzt wurde, gab es in Oslip durchaus auch politischen Segen. Unterrichts- und Kunstminister Fred Sinowatz (SPÖ) verkündete damals listig: "Ich weiß nicht, was ich eröffne, aber ich eröffne es."

Was die Mühle - mittlerweile schon für die x-te Generation - Jahr für Jahr aufs Neue und immer noch mit großer Kampfeslust belegt, ist die wohlige Nähe von "Kultur" und "Leben" . So hingeschrieben, hat das einen sehr kitschigen Klang. An einem Sommerabend im Hof der Mühle, hinterm Oleander unterm Taubenschlag, hat es allerdings hohe Stimmigkeit. Mag sein, das hat mit der "Niedergestochenheit" zu tun, wie der 2007 verstorbene Maler Adolf Frohner es einmal nannte, als er die Cselley-Mühle von anderweitiger "Hochgestochenheit" unterschied.

Das genau, diese "Niedergestochenheit" , war für die Gründer - den Keramiker Robert Schneider und den Maler Sepp Laubner - schon 1976 Programm. Die Cselley-Mühle erhielt deshalb den Namen "Aktionszentrum" . Weil, so Laubner und Schneider, "Aktion ja eigentlich alles ist" . So wie Kultur, meinen sie immer noch.

Von Lukas bis Willi Resetarits

Und so wurde auch das Geburtstagsfest zur kulturellen Aktion. Nicht nur die Protagonisten der 35 Jahre - von Lukas bis Willi Resetarits - feierten mit. Selbst der Wiener Bürgermeister schaute vorbei, wenn auch nur "inkognito" , wie Michael Häupl betonte, denn "i hab ja ka Glasl in der Hand" .

Nicht mit dabei war der Landeshauptmann. Hans Niessl ist auch Sportreferent, und so weilte er klarerweise in Oberwart, wo die dortigen "Gunners" ihren ersten Basketball-Meistertitel anständig, genau: feierten.

Und das Feiern geht weiter. Am Freitag gratuliert Frauenkirchen, wo Niessl viele Jahre Bürgermeister war, dem Landeshauptmann zum 60. Geburtstag. Da wird Michael Häupl, so wie der Bundespräsident und -kanzler, dann kognito da sein. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD; Printausgabe, 9.6.2011)

  • Cselley-Mühle, Ende Mai 2011: Auch zum 35. Geburtstag gab es Kultur in ihrer ganzen prallen "Niedergestochenheit" . Die Osliper Tamburizza (vorne) brachten ein Ständchen.
    foto: hans wetzelsdorfer

    Cselley-Mühle, Ende Mai 2011: Auch zum 35. Geburtstag gab es Kultur in ihrer ganzen prallen "Niedergestochenheit" . Die Osliper Tamburizza (vorne) brachten ein Ständchen.

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