Stadt richtet Website ein - Zuwanderungskommission empfiehlt eigene Anlaufstellen
Wien - Möchte Wien hochqualifizierte Zuwanderer in die Stadt bringen, muss sie diese auch gezielt anwerben. "Anders wird es nicht gehen, die Stadt muss sich um diese Menschen bemühen", sagte Thomas Oliva, der Vorsitzende der Wiener Zuwanderungskommission, in der bis auf die Freiheitlichen alle Parteien vertreten sind, am Mittwoch.
Die Kommission, die die Stadt seit 2009 in Fragen der Migration berät, hat nun Empfehlungen ausgearbeitet, "wie sich Wien positionieren muss, um die besten Hände, Köpfe und Herzen zu gewinnen" (Oliva).
2014, wenn Österreich seinen Arbeitsmarkt auch für Rumänen und Bulgaren öffnet, werden im europäischen Raum 500 Millionen Personen frei ihren Wohn- und Arbeitsort wählen können. Oliva: "Das sind mehr Menschen, als die USA, Kanada und Mexiko Einwohner haben."
Und die Menschen sind mobil. 2010 sind 78.000 nach Wien gekommen, aber 64.000 sind auch wieder abgewandert. "Qualifizierte Fachkräfte können sich aussuchen, wohin sie gehen", sagte Grünen-Klubchef David Ellensohn und erinnerte an das Nachbarland Deutschland, dem es nicht gelungen ist, indische IT-Experten anzuwerben.
"Firmen werden abwandern"
"Die Menschen bringen ein enormes Potenzial mit - wenn wir es nicht schaffen, sie nach Wien zu holen, dann werden auch Firmen dorthin abwandern, wo sie die Spezialisten finden", sagte Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SP) am Mittwoch. Wien brauche daher ein Monitoring, um gezielt auf Fachkräfte zuzugehen. Dazu sei es auch notwendig, dass es Erleichterungen bei den Nostrifizierungen gebe, dafür brauche man aber den Bund.
Konkret wünscht sich Kommissions-Chef Oliva unter anderem One-Stop-Shop-Anlaufstellen in Wien, aber auch im Ausland, wo Zuwanderer unter anderem Unterstützung bei Behördenwegen, rechtlichen Fragen und der Suche nach einer Wohnung oder der Schule für die Kinder erhalten. "Denn niemand geht in eine Stadt, in der er sich nicht willkommen fühlt" , betonte Frauenberger. VP-Klubchefin Christine Marek bezeichnete die Maßnahmen für eine geregelte Zuwanderung als "sehr vielversprechend" .
Noch in diesem Jahr wird eine mehrsprachige Website online gehen, auf der potenzielle Zuwanderer allgemeine Informationen über den Standort Wien finden, die aber auch spezielle Infos für Hochqualifizierte und Studenten bietet. Auf einer Online-Jobbörse können Interessierte ein Qualifikationsprofil erstellen und dort auch mit Unternehmen und Universitäten in Kontakt treten. "Wenn wir Begabungen suchen" , sagte Oliva, "dann müssen wir auch sicher stellen, dass sie genutzt werden". (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD; Printausgabe, 9.6.2011)