Strache warf bei seinem Besuch in Straßburg die Nerven weg und teilte aus
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bereitet sich intensiv auf eine Regierungsbeteiligung vor. Das hat er beim Besuch im Europaparlament, ohne lang herumzureden, bestätigt. Dafür braucht er - neben einem Erfolg bei Nationalratswahlen und einem willigen Koalitionspartner - ein drittes entscheidendes Element: Er muss seine Partei irgendwie europakompatibel machen; muss sie wegbringen vom Schmuddelimage einer rechtsextremen, latent antisemitischen und antieuropäischen Partei, das sie in Europa nach wie vor hat. So findet man schwer einen Partner.
Insofern hat sich die strategische Lage der FPÖ seit dem Jahr 2000, als Jörg Haider eine EU-Präambel unterschreiben musste, bevor die FPÖ an die Macht durfte, nicht geändert. Die beiden FPÖ-Abgeordneten in Straßburg werden derzeit nicht einmal von der rechtsnationalen Fraktion geduldet. Sie grundeln im Eck der fraktionslosen Rechtsextremen rum. Von dort will Strache weg, hin zum Image einer nationalen, nur EU-skeptischen Partei.
Sein Besuch im EU-Parlament diente allein dem Ziel, diesen Imagewandel einzuleiten. Herausgekommen ist das Gegenteil. Straches Entourage mit dem Abgeordneten Harald Vilimsky begann in einer internationalen Pressekonferenz lautstark, kritische Fragen von Journalisten mit Buh- und Zwischenrufen zu stören. Die pöbelnden Herren kamen sich dabei sogar noch gut vor. Peinlich. Strache warf daraufhin die Nerven weg, teilte aus: ein Selbstfaller. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2011)