Nun ist es offiziell: Christian Thielemann wird ab 2013 (bis 2017) künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele. Mit der traditionsreichen Staatskapelle Dresden wird er Wagners "Parsifal" präsentieren
Salzburg - Ein "Stein" wäre wohl eine Untertreibung - eher ist Intendant
Peter Alward ein ganzer Bergwerksinhalt vom Herzen gefallen: Es ist ihm in nur
wenigen Wochen gelungen, eine attraktive Lösung für die Salzburger
Osterfestspiele ab 2013 zu finden. Wie der Standard berichtete: Der deutsche
Dirigent Christian Thielemann wird künstlerischer Leiter der Festspiele (bis
mindestens 2017). Zusammen mit seiner Staatskapelle Dresden präsentiert er
jeweils eine Opernproduktion (2013 Parsifal mit Tenor Johann Botha) und
Konzerte.
Thielemann lobte die "gute Atmosphäre" und die "hohen Erwartungen", die nun
auf ihn zukämen. All dies würde aber "unheimliche Lust" auf die Arbeit in
Salzburg machen. Zum Konzept meinte er, die Osterfestspielbesucher würden sich
"arrivierte und bekannte Künstler" erwarten. Und die sollen sie in "luxuriöser"
und fallweise auch "ungewohnter Besetzung" erhalten - also "das Basisrepertoire
in der denkbar besten Aufführung."
Thielemann weiß, dass Salzburg Exklusivität braucht - "ohne diese würde sich
das Engagement auch gar nicht lohnen." Und so soll man in Salzburg auch nichts
von dem vorgesetzt bekommen, was in Dresden oder bei einem der 35
Tourneekonzerte der Staatskapelle bereits zu hören war.
Die Thielemann-Lösung verdankt sich zum großen Teil der Kulanz von
Staatsoperndirektor Dominique Meyer, der Thielemann von Verpflichtungen entband:
"Er hat mich freundlicherweise aus meinem Vertrag für einen Lohengrin
2014 entlassen. Ohne diese Kollegialität hätten wir das Projekt Osterfestspiele
gar nicht machen können - ich säße jetzt nicht hier", meinte Thielemann, der
sich im Gegenzug verpflichtet hat, in Wien fünf Vorstellungen von Ariadne auf
Naxos (2014) sowie eine Premiere (2015/2016) zu dirigieren.
Intendant Alward optimistisch zum Standard: "Ich habe das Gefühl, dass die
Entscheidung für Thielemann und Dresden eine Kombination ergibt, die nicht nur
das bestehende Publikum bei uns halten, sondern auch zusätzliches bringen wird."
Und zu der Frage, ob irgendwann doch eine Ausweiten des (sehr engen)
Festspielkonzepts möglich sein wird: "Zuerst muss man stabilisieren. Dann können
wir darauf aufbauen." Insgesamt sei die Situation nach dem Weggang der Berliner
Philharmoniker gefährlich gewesen: "Hätten wir nicht gleich für 2013 eine Lösung
gefunden, wäre die Gefahr groß gewesen, dass Publikum und Sponsoren abwandern."
Bei aller "Exklusivität" sollen sich die Osterfestspiele - bis dato so gut
wie unter völligem Ausschluss der Salzburger abgefeiert - irgendwie doch öffnen.
So soll es ab 2013 ein eigenes Konzert für Salzburg geben, so Alward. "Und das
zu deutlich entspannten Eintrittspreisen", wie es Orchestervorstand Andreas
Wylezol formuliert. Dazu kommen noch Kammermusik und eine Jugendschiene. Fürs
Erste bringt man die Dresdener "Kapelle für Kids".
Die Eintrittspreise - bis zu 510 Euro und seit jeher ein Garant für eine ganz
bestimmte Art von "Exklusivität" - resultierten auch daher, dass man nur acht
Prozent des Budgets aus öffentlichen Mitteln bestreiten könne, verteidigt Alward
die Preisgestaltung. Ab 2013 wolle man aber an der Preisfront "ein Signal
setzen".
Für Geschäftsführer Bernd Gaubinger eine Rechenaufgabe: Bei Kartenerlösen von
rund drei Millionen Euro würde eine zehnprozentige Senkung der Kartenpreise rund
300.000 Euro ausmachen. Laut Gaubinger müsste dieser Ausfall aber nicht
zwangsweise von der öffentlichen Hand übernommen werden. Die Kooperation mit
Semperoper Dresden, Standort der Staatskapelle, könne zu Kostensenkungseffekten
führen. Man wird sehen. (Thomas Neuhold & Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2011)