"Das macht unheimlich Lust!"

8. Juni 2011, 17:21
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    foto: apa/ neumayr/mmv

    Glücklich, in Salzburg angekommen zu sein: der deutsche Stardirgent Christian Thielemann.

Nun ist es offiziell: Christian Thielemann wird ab 2013 (bis 2017) künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele. Mit der traditionsreichen Staatskapelle Dresden wird er Wagners "Parsifal" präsentieren

Salzburg - Ein "Stein" wäre wohl eine Untertreibung - eher ist Intendant Peter Alward ein ganzer Bergwerksinhalt vom Herzen gefallen: Es ist ihm in nur wenigen Wochen gelungen, eine attraktive Lösung für die Salzburger Osterfestspiele ab 2013 zu finden. Wie der Standard berichtete: Der deutsche Dirigent Christian Thielemann wird künstlerischer Leiter der Festspiele (bis mindestens 2017). Zusammen mit seiner Staatskapelle Dresden präsentiert er jeweils eine Opernproduktion (2013 Parsifal mit Tenor Johann Botha) und Konzerte.

Thielemann lobte die "gute Atmosphäre" und die "hohen Erwartungen", die nun auf ihn zukämen. All dies würde aber "unheimliche Lust" auf die Arbeit in Salzburg machen. Zum Konzept meinte er, die Osterfestspielbesucher würden sich "arrivierte und bekannte Künstler" erwarten. Und die sollen sie in "luxuriöser" und fallweise auch "ungewohnter Besetzung" erhalten - also "das Basisrepertoire in der denkbar besten Aufführung."

Thielemann weiß, dass Salzburg Exklusivität braucht - "ohne diese würde sich das Engagement auch gar nicht lohnen." Und so soll man in Salzburg auch nichts von dem vorgesetzt bekommen, was in Dresden oder bei einem der 35 Tourneekonzerte der Staatskapelle bereits zu hören war.

Die Thielemann-Lösung verdankt sich zum großen Teil der Kulanz von Staatsoperndirektor Dominique Meyer, der Thielemann von Verpflichtungen entband: "Er hat mich freundlicherweise aus meinem Vertrag für einen Lohengrin 2014 entlassen. Ohne diese Kollegialität hätten wir das Projekt Osterfestspiele gar nicht machen können - ich säße jetzt nicht hier", meinte Thielemann, der sich im Gegenzug verpflichtet hat, in Wien fünf Vorstellungen von Ariadne auf Naxos (2014) sowie eine Premiere (2015/2016) zu dirigieren.

Intendant Alward optimistisch zum Standard: "Ich habe das Gefühl, dass die Entscheidung für Thielemann und Dresden eine Kombination ergibt, die nicht nur das bestehende Publikum bei uns halten, sondern auch zusätzliches bringen wird." Und zu der Frage, ob irgendwann doch eine Ausweiten des (sehr engen) Festspielkonzepts möglich sein wird: "Zuerst muss man stabilisieren. Dann können wir darauf aufbauen." Insgesamt sei die Situation nach dem Weggang der Berliner Philharmoniker gefährlich gewesen: "Hätten wir nicht gleich für 2013 eine Lösung gefunden, wäre die Gefahr groß gewesen, dass Publikum und Sponsoren abwandern."

Bei aller "Exklusivität" sollen sich die Osterfestspiele - bis dato so gut wie unter völligem Ausschluss der Salzburger abgefeiert - irgendwie doch öffnen. So soll es ab 2013 ein eigenes Konzert für Salzburg geben, so Alward. "Und das zu deutlich entspannten Eintrittspreisen", wie es Orchestervorstand Andreas Wylezol formuliert. Dazu kommen noch Kammermusik und eine Jugendschiene. Fürs Erste bringt man die Dresdener "Kapelle für Kids".

Die Eintrittspreise - bis zu 510 Euro und seit jeher ein Garant für eine ganz bestimmte Art von "Exklusivität" - resultierten auch daher, dass man nur acht Prozent des Budgets aus öffentlichen Mitteln bestreiten könne, verteidigt Alward die Preisgestaltung. Ab 2013 wolle man aber an der Preisfront "ein Signal setzen".

Für Geschäftsführer Bernd Gaubinger eine Rechenaufgabe: Bei Kartenerlösen von rund drei Millionen Euro würde eine zehnprozentige Senkung der Kartenpreise rund 300.000 Euro ausmachen. Laut Gaubinger müsste dieser Ausfall aber nicht zwangsweise von der öffentlichen Hand übernommen werden. Die Kooperation mit Semperoper Dresden, Standort der Staatskapelle, könne zu Kostensenkungseffekten führen. Man wird sehen. (Thomas Neuhold & Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2011)

Zum Weiterlesen:
Toller Name, altes Konzept
Kommentar von Ljubisa Tosic

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19 Postings
astemp79
21
Wunderbar -

dann werden sich die Osterfestspiele endlich verschlanken - denn das Interesse wird, bei diesem Dirigenten, sinken.

Dass überhaupt Thielemann gefragt wurde, einer aus der Zweitklassen-Liga (womit ich nicht das aufgebauschte Renommee meine, sondern rein das Können), zeigt deutlich, wie wenig man in Salzburg an Musik selbst interessiert ist. Umso wichtiger ist endlich die Identitätsfindung zu einem ganz normalen Festival, in dem es um Musik zu gehen hat - und nicht um Finanzen und Roben und Gesehenwerden.

Robert Waloch
11
DAS Interesse an "diesem" Festival

zeigte sich perfekt an den vielen leeren Sitzen bei einer SALOME, die an jedem Stadttheater besser besetzt wird - Herrn Rattle INKLUSIVE!
Maestro Thielemann wird es nach diesem Tief nicht schwer haben, mit Qualität zu punkten....

Kontrahent1
12
Was für eine unterschiedliche Meinung:

Die großartigste Lösung für dieses Festival. Thielemann hat schon unter Karajan bei dessen Parsifal mitgewirkt. Die Staatskapelle Dresden ist ein großartiges Orchester seit je her und ich kenne zahlreiche Förderer, welche jetzt nach Salzburg zurückkehren werden.

Optimist
20
12.6.2011, 16:12
Es haben unter Karajan schon diverse andere

hier regelmässig kritisierte Dirigenten als Assis gearbeitet... Das allein spricht nicht für Qualität aber für ihren Geschmack. Nun können sie beruhigt wieder drei Jahre nach Salzburg fahren.

Kontrahent1
01
13.6.2011, 11:12
Sie wissen schon,

daß Sie mit Ihrem posting Dirigenten wie z.B. Ozawa herabwürdigen? Ausserdem ist Ihnen die 'direkte Linie' Toscanini-Furtwängler-Karajan-C.Kleiber kein Begriff. (Wobei C.Kleiber ein ähnlich kleines Repertoire bot wie Thielemann. Wenn Sie Quantität bevorzugen sind Sie bei Levine oder Rattle gut aufgehoben).

Optimist
10
15.6.2011, 11:20
Das tue ich nicht

Nicht ich kritisiere die Dirigenten, lesen sie meinen Text erst genau und warum sollte mir die "direkte Linie" deswegen kein Begriff sein? Ich bin auch nicht gegen ein schmales Repertoire, wenn sich der/die Betreffende dafür entscheidet. (vielleicht auch, weil er sonst nichts anderes kann ;-) )

Kontrahent1
00
19.6.2011, 12:00
'das alleine spricht nicht....'

ist schon eine Herabwürdigung. Wenn Sie bedenken, was Karajan für eine 'Nase' für Ausnahmetalente hatte: Mutter, Weissenberg, Janowitz und wie sie alle heißen.

Optimist
02
16.6.2011, 13:30
Ein herzliches Grüss Gott demjenigen, der mir aus Prinzip ein rotes Stricherl gibt!

Hier hast du wieder eine Gelegenheit dazu!

Kontrahent1
10
19.6.2011, 11:56
Falls Sie einen Verdacht haben -

ich 'strichle' niemals rot, sondern versuche zu argumentieren, wenn ich anderer Meinung bin;-)

Arbeit für die Zensur
13

Ich denke ER und swinw Musiker werden besser sein als die Berliner - frischer Wind tut gut.

Optimist
10
10.6.2011, 06:59
ER gross geschrieben - ich hoffe nur ein Tippfehler!

Adolf Ogi
40
alle diese Festspiele

sind fad. Egal ob Ostern, Pfingsten, oder Allerheiligen.

selmasupersad
 
00

aber frei wollen alle haben!

Robert Waloch
01
Sie bevorzugen wohl

die Exklusivität des 29. Februars...

Giuseppe Verdi
61
so einfallslos die zwei

parsifal -botha, mehr ist den machenden herren nicht eingefallen?

arabella mit der auch nicht jünger werdenden frau fleming?

wien braucht keinen neuen lohengrin, den vorhandenen etwas aufarbeiten eine gute besetzung und einen neuen dirigenten - chung, bychkow böten sich an.

thielemann ariadne in wien, dass muss ein bequemer witz sein, her endlich mit dem palestrina, da hätten wir einen gute inszenierung dafür.

warum sind die macher so einfallslos? was wohl die ministerin mit dem direktor als neuinszenierung für 2015/16 ausgearbeitet haben.

man kann davon ausgehen das der stop direktor in die verlängerung geht!

Kontrahent1
12
Ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern,

was man Karajan bei seinem Salzburger 'Ring' vorhielt? 'Absurd, die beste Sieglinde (Regine Crespin) als Brünnhilde! Ich brauch keinen Flüster-Wotan (Thomas Stewart)! Ein Mezzo ohne Wagnererfahrung als Brünnhilde (Helga Dernesch)' usw. usf. Auch Thielemann spricht von fallweise ungewohnter Besetzung und er ist immerhin bedeutend jünger als seine Vorgänger. Wer für Bayreuth gut genug ist, sollte vielleicht doch auch für Salzburg passen;-)

NoneSolo
11
Sie überschätzen Bayreuth

Bayreuth ist Wagner-Kult - aber was die Aufführungen betrifft schon seit geraumer Zeit nicht mehr der Maßstab an dem sich alle anderen Häuser messen müssen.

Kontrahent1
01
10.6.2011, 12:11
Tu ich nicht.-

Ich hielt es mit der (alten) Begum und bin seit Cherreau nicht mehr dort gewesen, weil ich kein Freund des Regietheaters sondern des Musiktheaters bin. Verstehen Sie die Aussage bitte aus kommerzieller Sicht. Wichtig ist bei diesen Festspielen mit 'wackliger' Subvention das Schild 'Ausverkauft' an der Kasse. Ist das Publikum dann auch noch begeistert, hat es was bekommen für sein Geld. Sozusagen Mini-Mäzene;-)

NoneSolo
31
Warum sind die Macher so einfallslos?

Vermutlich weil Thielemanns Repertoire SO begrenzt ist und weil es sich viele Musiker und Sänger die dieses Repertoire beherrschen und es sich leisten können Nein zu sagen nicht mehr antun mit ihm zu arbeiten.

In der Überschrift zum Artikel ist übrigens ein Tippfehler:
"Das macht unheimlich Frust"

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