"Das Blaue vom Himmel": Zeitgeschichte als Drama-Verstärker

8. Juni 2011, 17:03
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Hannelore Elsner in Hans Steinbichlers Familienmelo "Das Blaue vom Himmel" – und die weiteren Filmstarts der Woche

Eine Fernsehjournalistin (Juliane Köhler) arbeitet anno 1989 an einem Beitrag über die wechselvolle Geschichte des Baltikums. Der Redakteur ist mit dem vorläufigen Ergebnis zufrieden, aber "etwas Persönliches, Privates" fände er noch gut.

Da trifft es sich hervorragend, dass die Mutter der Journalistin, Magda (Hannelore Elsner), gerade einen Nervenzusammenbruch hatte - und sich immer öfter in ihre glückliche Zeit als junge Braut in Lettland zurückhalluziniert (Karoline Herfurth übernimmt in diesen Rückblenden ihre Rolle). In Lettland muss folglich der Schlüssel fürs familiäre Trauma liegen. Mutter und Tochter, die nie ein herzliches Verhältnis hatten, gehen gemeinsam auf Spurensuche.

"Das Blaue vom Himmel" heißt das Familienmelo von Hans Steinbichler. In "Winterreise" hat der deutsche Regisseur zuletzt Hanna Schygulla und Sepp Bierbichler tolle Altersrollen auf den Leib geschrieben. Hannelore Elsner hingegen muss sich nun mit fragwürdiger Frisur und fallweise im mädchenhaft kurzen Persianermantel durch schlechte Umnachtungsmonologe und kitschig-spekulative Geschichtsbewältigung arbeiten. Ärgerlich.

Mutanten und ein Muttersohn

Jeder Blockbuster-Serie ihr Prequel: Teil vier der X-Men-Saga führt unter dem Titel "Erste Entscheidung" / "First Class" zurück in die 1960er-Jahre, als Magneto und Professor X noch studierten.

Außerdem starten: der Dokumentarfilm "Hana, dul, sed" von Brigitte Weich, der die ehemalige nordkoreanische Frauen-Fußballnationalelf porträtiert, das kanadische Jugenddrama "I Killed My Mother" / "J'ai tué ma mère" von Xavier Dolan sowie der Tanzfilm "Lord of The Dance" und der Animationsfilm "Winx Club 3D". (irr/ DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2011)

 

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    foto: polyfilm
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