derStandard.at aus Madrid

Basisdemokratie in Gebärdensprache

Bert Eder aus Madrid, 8. Juni 2011, 15:30

Um Gehörlose nicht zu benachteiligen und Zeit zu sparen, stimmen Spaniens Unzufriedene mit den Händen ab

Die spanischen "Indignados" ("Unzufriedenen"), die seit Mitte Mai in der Madrider Innenstadt campieren, halten allabendlich eine Versammlung ab. Bis zu zweitausend Personen entscheiden dort über die tagsüber von den verschiedenen Ausschüssen und Arbeitsgruppen erarbeiteten Vorschläge.

Es gilt das Konsensprinzip: solange auch nur eine Person schwere Einwände gegen eine Forderung hat, wird weiterdebattiert oder das Thema geht zurück an den Ausschuss, der eine bessere Formulierung finden soll.

Um niemandem von der Debatte auszuschließen, werden alle Stellungnahmen in Gebärdensprache übersetzt. Aus demselben Grund haben sich die Platzbesetzer auch gegen Abstimmungen durch Applaus entschieden: Gehörlose bekommen vom Händeklatschen wenig mit.

Da außerdem durch den Applaus viel Zeit verloren geht, stimmt man in Gebärdensprache ab: erhobene Hände stehen für Zustimmung.

FFoto: AP/dapd/Pedro Acosta/

Gekreuzte Arme bedeuten „Nein"

Foto: AP/dapd/Emilio Morenatti

Kommt ein Thema auf, das bereits debattiert wurde oder wiederholt sich ein Redner, wird „Wechsel" signalisiert.

Und wenn die Stromversorgung und damit die Tonanlage wieder einmal zusammenbricht, weil den Generatoren zu viel Last zugemutet wurde oder das Benzin ausgegangen ist, signalisiert man "lauter" oder greift auf das "Echo"-System zurück: Wer versteht, was am Rednerpult gesagt wird, wiederholt dies laut.

Dass die Debatten unter diesen Umständen oft bis nach Mitternacht dauern, ist verständlich. Allerdings wird bereits über eine Zeitbeschränkung diskutiert, um zu verhindern, dass diejenigen alle Abstimmungen gewinnen, die am längsten ausharren. Am Dienstag beschloss die Versammlung, das Camp am Sonntag mit einem Fest aufzulösen, falls der Vorschlag der Gruppe, die bleiben will, am Mittwoch keine Mehrheit findet.

Angesichts sinkender Teilnehmerzahlen hat man sich darauf geeinigt, statt des Zeltlagers regelmäßige Versammlungen auf der Puerta del Sol abzuhalten. (Bert Eder aus Madrid/derStandard.at, 8.6.2011)

Kommentar posten
16 Postings
linksextremer kampfposter, von der öh bezahlter
01
erinnert mich an den audimaxismus - da wurde auch so abgestimmt.

wir hätten plätze statt hörsälen besetzen sollen; vielleicht war das der fehler.

Menahem Zitzesbeisser
41
Die Zeichensprache der Anrainer und Geschäftsleute

ist der Mittelfinger, aber der wird nicht gezeigt!

Escobar Loblob
42

bei solchen leuten wie ihnen wird mir übel...

Menahem Zitzesbeisser
30
Na dann gehn's halt..............kotzen

Hugo Bartwisch1
00
winken

als ich das erste mal vor so einer ähnlichen Gruppe (in Österreich) einen kleinen Vortrag gehalten habe und diese dann alle mit den Händen gefuchelt hat (klatschen) dacht ich, die zeigen "nein" - und ich war ziemlich irritiert

Avi Gilad
00

Würde das jetzt nicht die Blinden benachteiligen?
Ernstgemeinte Frage.

Herr und Frau Österreicher
 
00

Nein, weil die hören ja!

Avi Gilad
00

Wenn aber jetzt mit Handzeichen und nicht durch klatschen abgestimmt wird, wie wissen dann die, die nichts sehen können, wie viele jedes Mal abstimmen?

Herr und Frau Österreicher
 
00

weil das Ergebnis dann ja mündlich bestätigt wird.

Com Pirx
00

Wie mit den Händen abgestimmt wird?

dr.no3
10
konsens is viel zu repressiv

da setzen sich die lautesten durch

und die lautesten sind meist nicht die cleversten

around1234
 
01

Es hat sich also ausgezahlt,
daß die Medien so standhaft blieben und absolut nichts mehr über die Bewegung berichtet haben. Schämt´s Euch!!!!!!!!!

dr.no3
00
am 15. oktober

wird es nicht nötig sein zu berichten

party and terror
11
sie könnten konsensual in die aufstrebende türkei auswandern. . .

Herr und Frau Österreicher
 
01

oink oink oink, grunz!

Jürgen Rembremerding
02
"Wir müssen zuhören und sensibel sein"

Klingt ja jetzt irgendwie lustig!

http://derstandard.at/130455237... sibel-sein

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