Unkorrekte Zitierung

Weber wirft Pilz Selbstplagiat vor

8. Juni 2011, 13:24
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    foto: standard/cremer

    Die Grünen haben Weber den Auftrag zur Untersuchung von Hahns Dissertation gegeben. Nun kritisiert Weber auch die Dissertation seines Aufftragebers Peter Pilz.

Anzeige bei zuständiger Agentur ist eingebracht - Anwalt von EU-Kommissar enkräftet Webers Gutachten über Hahn-Dissertation

Wien - Erst vor wenigen Wochen hatte der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten vorgestellt, wonach EU-Kommissar Johannes Hahn (ÖVP) ein Fünftel seiner Dissertation plagiiert habe. Hahn sei ein "Doktoratsschwindler", so damals Pilz' Schluss aus dem Gutachten des als "Plagiatjäger" bekanntgewordenen Medienwissenschafter Stefan Weber (derStandard.at berichtete). Nun ist der Grüne selbst in Webers Visier geraten: Pilz' Dissertation sei ein Selbstplagiat, so Webers Vorwurf in einer Anzeige, die dieser bei der Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) eingebracht hat.

Dissertation "wort- und satzspiegelidentisch"

Konkret soll Pilz eine gemeinsam mit einem zweiten Autor verfasste Studie als Dissertation eingereicht haben, ohne dies korrekt auszuweisen. Er habe in der Einleitung behauptet, seine Doktorarbeit ("Ökonomische Bedeutung der Einführung neuer Medien in Österreich", 1983) "fußt" nur auf der 1982 gemeinsam mit Hannes Werthner im Auftrag des Wissenschaftsministeriums verfassten Studie "Ökonomische Bedeutung der neuen Medien in Österreich". Dabei sei die Dissertation "wort- und satzspiegelidentisch".

Selbstplagiat juristisch unproblematisch

Damit liege "auf alle Fälle ein (juristisch unproblematisches, aber wissenschaftsethisch verschieden interpretierbares) Selbstplagiat vor", so Weber. Immerhin habe Pilz "die Studie einfach in die Dissertation hineinkopiert", so Weber zur APA. Zusätzlich könnte noch unethische Autorenschaft vorliegen: In der Dissertation werden Werthner nämlich nur gewisse Leistungen in der Empirie zugeordnet, in der Studie war er hingegen noch als gleichberechtigter Ko-Autor genannt.

Pilz wehrt sich gegen Vorwürfe

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Falter" wehrt Pilz sich gegen die Vorwürfe: Da er darauf hinweise, dass die Dissertation schon als Studie veröffentlicht wurde, handle es sich um kein Selbstplagiat. Und da die Arbeit seines Studienpartners Werthner korrekt als Fremdleistung ausgeschildert worden sei, liege auch kein Diebstahl geistiger Arbeit vor.

Anwalt entkräftet Gutachten zu Hahn-Dissertation

Neuigkeiten gibt es unterdessen auch zur Hahn-Dissertation: Der Uni Wien wurde eine Stellungnahme vom Anwalt des EU-Kommissars, Gottfried Korn, zugestellt. Dieses entkräfte das Weber-Gutachten, sagt der Anwalt im Gespräch mit der APA, will die konkrete Argumentation in dem Gutachten aber nicht darlegen.

Laut Weber wird darauf verwiesen, dass korrektes Zitieren zu Hahns Studienzeiten am Philosophie-Institut noch nicht gelehrt wurde und er damit nicht wissentlich gegen Zitierregeln verstoßen habe. "Dieses Argument habe ich kommen sehen", meinte Weber. Allerdings verweist er auf ein Standardwerk von 1972 (Helmut Seiffert: Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten), das auch an der Uni Wien bei den Philosophen aufliege. Auch in diesem werde ganz klar dargelegt, dass bei Zitaten die doppelten Anführungszeichen nur bei anderer typografischer Differenzierung - eingerückt, kleinerer Schriftgrad oder kursive Schrift - entfallen dürfen. (APA)

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mstislav raskachlovitsch
00
19.7.2011, 08:42
hahn - pilz - weber....

erinnert mich ein wenig an "gleiten statt hetzen", "hetzt die gleiter" und "hetzt die hetzer".......

mstislav raskachlovitsch
04
19.7.2011, 08:41
Bin gespannt, wann sich endlich jemand....

....die Dissertation des "Aufdeckers" Weber vornimmt. Wäre schon ein Skandal, wenn sich der vermeintliche "Aufdecker" womöglich als der größte Kapazunder beim Abkupfern entpuppen würde......

ingeniosus
10
27.7.2011, 19:13
es wird zum Sommertheater

Pilz ist eben keine Pflanze und kein Tier.....vieleicht ein Möchtegern-Politstar.

Leider geht im das schief!

moejoe000
00
29.6.2011, 10:00

Diese Anschuldigungen sind schon etwas grotesk.

Besser eine Dissertation, die auch publiziert wird (oder wurde) und möglicherweise daher auch von einem größeren Publikum gelesen wird, als eine Dissertation, die in 5 Exemplaren an der Uni eingereicht wird und beim Betreuer, in der Nationalbibliothek und an der Universitätsbibliothek verstaubt ohne jemals gelesen zu werden.

Dampfschiff St. Nepomuk
12
14.6.2011, 14:29
Langsam nervt das Argument schon ...

(Ad Hahn:) Auch wenn es in den 80ern noch keine einheitlichen Zitationsregeln gab (Seite 58ff oder doch pp58, oder gar QIV/21? a.a.O. oder ibidem?) war die Kunst des Zitierens durchaus bekannt, geübte Praxis und abdingbare Voraussetzung wissenschaftlichen Arbeitens und Teil der wissenschaftlichen Standards. Die Behauptung, man hätte ja gar nicht zitieren können, ist wohl eher das Eingeständnis vollständiger akademischer Abwesenheit.
Danke, dass Sie das zugeben, Herr Hahn.

Kronenzeitungsleser
32
14.6.2011, 15:27
...so ganz nebenbei bemerkt, ich halte auch das

Vorgehen von Pilz und seinem betreuenden Doktorvater für wissenschaftlich nicht korrekt. Formal mag das alles seine Ordnung haben, aber es stinkt gewaltig.

beos
20
14.6.2011, 15:06

Bitte was soll er sagen... Ich bin mir sicher, dass 2/3 so gearbeitet haben. Guck dir mal die Studienpläne und Anforderungen an. Damals war noch nicht alles super frei zugänglich und trotzdem schau dir die Masse an Diplom- und Doktorarbeiten an. Auch wenn die Anforderungen geringer waren, schreib mal so ne Arbeit mit den Möglichkeiten damals, wennst in Wirklichkeit nur nen akademischen Grad wolltest.. Ich hatte das Vergnügen ein paar Arbeiten aus Anfang der 80iger und noch später zu sehen. Die kannst fast alle zuerreissen wennst lustig bist..

Kronenzeitungsleser
01
14.6.2011, 15:25
...da muss man ja daraus schließen, dass an der

höchsten Bildungsstätte des Landes das Zitieren nicht erfunden wurde und alle sich so a bissal da und a bissal dort in Schlampigkeit geübt haben. Ich glaube das einfach nicht. Es mag sein, dass die Verfügbarkeit von wissenschaftlicher Literatur nicht in diesem Ausmaß wie heute gegeben war, aber immerhin konnte man in Wien auf die Nationalbibliothek falls der Bestand der Uni-Bibliothek nicht ausreichte. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in Wien an der Uni die Blinden saßen und keine Vorstellungen seitens der Lehrenden existierte, wie korrekt zu zitieren war. Zumindest in den siebziger Jahren existierte bereits genügend Literatur darüber, wie beispielhaft zu zitieren ist. Zu sagen die Philosophen waren eine Insel der Seligen, ach geh'.

Dampfschiff St. Nepomuk
01
15.6.2011, 14:59

Ja, die Recherche war und ist ein wesentlicher Teil einer akademischen Arbeit. Das Zitat dient entsprechend nicht nur dazu, einen Standpunkt oder eine als gesichert angesehene Position zu belegen, sondern auch dazu, die Recherchearbeit auszuweisen ("Ich schweb ja nicht im luftlehren Raum sondern bewege mich im akademischen Kontext.").
Um so interessanter ist es, wenn der Nachweis unterbleibt: Einerseits wird zwar der Anschein des "kreativen" Anteils erhöht, andererseits aber der ausgewiesene Aufwand an akademischer Knochenarbeit vermindert. Da kann man dann doch über Motivationen nachdenken ...

beos
10
14.6.2011, 15:40

Ja nur, es geht ja nicht nur ums zitieren, sondern auch um die Recherche und das ging definitiv nur, wenn du Zeit, Muse und Geld hast da ein paar Jahre fulltime drann zu sitzen. Weil man sollte auch etwas verwerfen wenns ein Schmarn ist usw. Im Moment genügt halt noch brav sein um mit wenig Leistung zumindest in Regelzeit gut beurteilt zu werden. Damals brauchte man nur lieb zu einem Prof. zu sein und passt schon..

Mal gucken was die Zukunft bringt..

Kronenzeitungsleser
11
15.6.2011, 09:44
...es sind allemal Lebensjahre, die man damit verbringt

und manche meine eben, da such' ich mir eine Abkürzung.

"Mal gucken, vielleicht hab' ich schon was geschrieben, von dem ich meine, es wäre dissertabel. Ach, siehe da, da ist doch eine Studie, die ich mit dem W. zusammen gemacht habe! Super!"
"Hallo Peter, finde das wirklich ausgezeichnet und als Diss geeignet! Geh' reich das ein, das wird sicherlich eine tolle Sache".
"Meinst wirklich?"
"Ja."
"Aber ich hab' das doch zusammen mit jemand Anderem gemacht, ich hab' einen Co-Autor, ist das schlimm?"
"Macht nix. Du mußt das nur ordentlich kennzeichnen, damit es unserer Promotionsordnung entspricht."
"Ach, Du meinst, dann ist es nur ein Selbstplagiat?"
"Ja, so könnte man das bezeichnen."
"Okay, dann mach ich das so, Superempfehlung!"

Kronenzeitungsleser
10
14.6.2011, 15:48
...Diss auf die Schnelle. Manchmal versteh' ich

warum sich die Deutschen seinerzeit über das Anspruchsniveau hinsichtlich österreichischer Dissertationen lustige machten. Das Schwierigste an der Diss in Innsbruck ist das Umsteigen in Kiefersfelden...und nach Wien gibt's eine Direktverbindung.

Franz Freiherr von Sommaruga
 
20
14.6.2011, 13:05
Weber ist Solipsist

das entschuldigt so manches...

Kronenzeitungsleser
00
14.6.2011, 15:28
...nein, er tut das, was Van der Bellen hätte

nicht zulassen dürfen, so einfach ist das. Er muss sich gar keinen herunter.olen.

evolution hunter
21
14.6.2011, 10:54

Weber is halt ein Würschtl. Bringt wissenschaftlich nix zamm. Bedeutungsloser kann ein Wissenschaftler kaum sein. Trotzdem danke, Herr Weber, sie tun, was sie können!

Kronenzeitungsleser
01
14.6.2011, 10:00
... im Übrigen ist es so, dass der Mitverfasser

Werthner heutzutage diese fulminante Studie, die er zusammen mit dem späteren Dr. Pilz anfertigte, gar nicht mehr in seinem Veröffentlichungsverzeichnis anführt. Das mag verschiedene Gründe haben. Möglicherweise hat er die gesamte Studie als von eher untergeordneter Bedeutung betrachtet. Man siehe nur hier: http://www.ec.tuwien.ac.at/members/4

Weitaus bemerkenswerter scheint mir die Tatsache zu sein, dass der damalige Betreuer und Doktorvater, Van der Bellen in einem gewissen Naheverhältnis zu Pilz steht und stand und deshalb ohne irgendwelche Probleme Anspruchsniveaus definieren konnte. Insofern gibt es eine gewissen Parallelität zur (ehemaligen) Dissertation von Guttenberg!

Ein Schelm wer nichts Böses dabei denkt!

Herbert Novak1
11
13.6.2011, 19:33
Mittlereweile ein Geschäft für Weber

Mittlereweile es ist ein Geschäft für Weber, Gutachten für Dissertationen zu erstellen. Vielleicht auch gegen Geld Wissenschaftlichkeit zu Gunsten von zahlenden Kundschaft zu intepretieren.

Assange
26
12.6.2011, 12:11
Vielleicht zahlt ja mittlerweile Hahn die Honorare von Weber ;)

ich schau nur
21
12.6.2011, 08:12

das problem ist nicht das selbstplagiat, sondern dass man eine erklärung abgeben muss, dass das vorliegende werk noch nicht publiziert wurde.

insofern hat es etwas von und zu guttenbergisches.

moejoe000
00
29.6.2011, 10:07

"dass das vorliegende werk noch nicht publiziert wurde" => das stimmt so nicht.

Ich musste zB erklären, dass ich das vorliegende Werk noch nicht als Prüfungsarbeit eingereicht habe.

Kronenzeitungsleser
00
14.6.2011, 14:00
...ich guck' auch nur noch, was in diesem

Land alles an Durchstechereien möglich ist.

per verser
01
10.6.2011, 22:47

oho, der anwalt vom hahn ist gutachten-experte? wie kann er sonst ein anderes gutachten "entkräften"?

Kronenzeitungsleser
32
10.6.2011, 19:43
...was wird von einer Dissertation allgemein erwartet?

Sie muss einen entsprechenden Neuigkeitsgrad aufweisen, sonst ist das ja völlig unerheblich, was geschrieben wird.

Wer liest gern alte wissenschaftliche Text, die ohnehin schon bekannt sind? Wenn der Stoff, von dem Pilz selbstplagiierend berichtet, schon einmal von ihm veröffentlicht wurde, dann ist wohl der Neuigkeitcharakter, abgesehen einmal davon, dass er Teile weglässt, die von seinem Mit-Author waren, ziemlich irrelevant.

Mir ist keine Universität bekannt, mit Ausnahme der Universität Wien, wo man offensichtlich schon einmal Publiziertes nochmals als neue wissenschaftliche Erkenntnis und Dissertation einreichen kann.

RS69
 
24
13.6.2011, 01:31

Dann kennen's nicht sehr viel.

An vielen Universitäten sind Sammeldissertationen erlaubt oder gewünscht. Wenn's bereits veröffentlichte Publikationen in einer Dissertation zusammenfassen ist sichergestellt, dass die Inhalte tatsächlich relevant sind. Dafür müssen's natürlich ein paar Publikationen zusammen haben, sonst wird's nicht akzeptiert.

Zu hinterfragen sind vor Allem Dissertationen, wo der Autor 3 oder mehr Jahre gearbeitet hat und bisher NICHTS publizierenswertes dabei war.

Kronenzeitungsleser
00
14.6.2011, 11:02
...diese Kriterium können Sie im Übrigen auf die

Pilz'sche Arbeit ausdehnen. Wenn jetzt im nachhinein nicht darüber geschrieben würde, wäre der Aufmerksamkeitsfaktor seiner Arbeit Richtung Null gegangen.

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