Erst die Pause, dann die Aufgaben

8. Juni 2011, 12:45
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Die lettische Fußballnationalmannschaft hat von der österreichischen gelernt. Das ist kein weltbewegendes Ereignis, aber doch ein nettes Zeichen. Der 3:1-Sieg und das 1:2 gegen Deutschland waren ein Fortschritt.

Graz - Möglicherweise macht ein Länderspiel am 7. Juni 2011 in Graz gegen Lettland doch Sinn. Für Lettland ohne Zweifel. Teamchef Aleksandrs Starkovs sagte nach dem 1:3: "Ich bin dem ÖFB dankbar, dass er uns diese Chance gab. Wir konnten lernen, Erfahrungen sammeln." Und dann lobte er auf Russisch "das schnelle und scharfe" Spiel der Österreicher bei erschwerten Bedingungen. Der Regen platzte nicht aus den Wolken, er explodierte.

Starkovs hob Christian Fuchs und David Alaba hervor. "Ausgezeichnet." Er sagte auch, dass er nur vier Stammkräfte aufgeboten habe, man befinde sich im Umbruch. Die Behauptung, Österreich habe die lettische Reserve auf Distanz gehalten, wäre unseriös, gemein. Der 20-jährige Innenverteidiger Christopher Dibon kickt ja auch bei der Admira. Starkovs bedauerte die drei Roten. "Ich denke, es war trotzdem fair."

Die ÖFB-Auswahl hatte also ein seltenes Ereignis, einen Sieg zu verarbeiten. Teamchef Dietmar Constantini war ähnlich gestimmt wie bei den fünf Niederlagen davor. Er ersuchte die Fotografen, den Schluck Bier, den er sich genehmigen musste, nicht zu verewigen. Er begann seine Analyse traditionell mit den Worten "im Grunde genommen", ein wesentlicher inhaltlicher Unterschied musste aber sein: "Im Grunde genommen haben wir mehr vom Spiel gehabt, im Grunde genommen war es ein verdienter Sieg." Es gab aber auch Momente der Sorge. "Es war keine Hetz, als wir 0:1 im Rückstand lagen."

Über die Qualität der Letten wollte er sich nicht äußern. "Wir spielen eh oft genug gegen große Mannschaften, die wir zu gut kennen. Deutschland, Spanien oder die Niederlande. Warum nicht einmal gegen wen anderen?" Es gehe nicht um Bilanzen. "Weil sonst könntest du dir San Marino einladen." Eine sechste Niederlage in Folge wäre aber ungut gewesen. "Diesen Rekord mag kein Teamchef."

Betrachtet man diese Partie und jene vom 3. Juni, das 1:2 in der EM-Qualifikation gegen Deutschland, als Bündel, kann ungestraft von einem geballten Fortschritt berichtet werden. Absolute Gewinner waren Fuchs, Alaba, Martin Harnik und der Rapidler Stefan Kulovits, den Constantini "eine absolute Bereicherung" nannte. Dibon erzielte gegen Lettland per Kopf den Ausgleich, im Urlaub werde er den Vorfall realisieren. "Ein tolles Gefühl, als mir die Spieler gratuliert haben. Es waren ja die besten Österreichs." Ob er nun dazugehört, wird sich weisen. "Meine Zeit wird erst kommen. Ich gebe immer 100 Prozent."

Mit dieser Zahl verbindet Constantini in erster Linie Kapitän Fuchs. "Ein Vorbild. Kein Wunder, dass ihn Schalke gekauft hat." Nicht uninteressant war, dass Alaba während des Lettland-Spiels spontan von der linken auf die rechte Seite wechselte, ohne die Erlaubnis des Trainers einzuholen. Constantini: "Sie dürfen das, damit habe ich kein Problem."

Über Verlierer spricht der Teamchef in der Öffentlichkeit kaum. Er hat maximal gedacht, dass der Verlust von Marko Arnautovic ein Gewinn war. "Ich will mich da nicht festlegen, ob er wieder einberufen wird." Eine weitere Erkenntnis war, dass das System mit einem langen Mittelstürmer kein Heuler ist. Roman Kienast bestätigte in Graz seine Alternativen Marc Janko und Stefan Maierhofer. Harnik und speziell Erwin Hoffer sind zwar kleiner, aber schneller und im Paket weitaus gefährlicher.

Gottesurteil

ÖFB-Präsident Leo Windtner empfand beide Partien als "zufriedenstellend". Es könne nicht jedes Match "ein Gottesurteil" sein, soll heißen, dass die Teamchef-Diskussion auf Eis gelegt ist. "Der Vertrag endet im Dezember, dann werden wir analysieren, entscheiden. Jetzt gehen wir in aller Ruhe in die Sommerpause und bereiten uns auf die großen Aufgaben vor."

Am 10. August wird in Klagenfurt gegen die halb-große Slowakei getestet, am 2. und am 6. September die (verpasste) EM-Qualifikation fortgesetzt. In Gelsenkirchen gegen das riesengroße Deutschland, in Wien gegen die nicht gerade kleine Türkei. Constantini sagte in Graz, dass er "gerne mit den Buam arbeitet. Jetzt haben sie endlich Selbstvertrauen." Gemeint waren Alaba und Co. Er selbst kümmert sich in den Ferien um seine Jugendcamps. "Mit diesen Buam arbeite ich auch gerne. Das ist entspannend." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 09.06.2011)

  • David Alaba bot zwei sehr starke Leistungen, zählte zu Gewinnern im 
ÖFB-Team.

    David Alaba bot zwei sehr starke Leistungen, zählte zu Gewinnern im ÖFB-Team.

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