Jeder zweite Käufer ist ein Privater

8. Juni 2011, 09:41
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Zinshaus-Marktbericht von Otto Immobilien für 2010: Preise steigen, Renditen sinken, Nachfrage bleibt hoch

Steigende Preise, sinkende Renditen, geringes Angebot bei hoher Nachfrage: Dieses Resümee zog der Wiener Immobiliendienstleister und Präsident des Internationalen Verbandes der Immobilienberufe Österreich (FIABCI Austria), Eugen Otto, bei der Vorlage des aktuellsten Wiener Zinshaus-Marktberichtes der Otto Immobilien Gruppe.

Geringeres Transaktionsvolumen

Deutliche Auswirkungen hatte die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auf das Transaktionsvolumen: Im Jahr 2010 betrug laut Grundbuch das Gesamtvolumen bei 770 Mio. Euro - und lag damit immerhin um 25 Prozent unter jenem von 2009, als die Schallmauer von einer Milliarde Euro knapp durchbrochen werden konnte. Auch die Anzahl der Transaktionen spiegelt diese Entwicklung wider, den 871 Transaktionen des Beobachtungszeitraums 2009 stehen 670 Abschlüsse im Jahr 2010 gegenüber.

Den größten Rückgang gab es in der Region 1 (1. Bezirk) mit einem Minus von 68 Prozent gegenüber 2009. "Dies ist einerseits durch das geringere Angebot an tauglichen Objekten zu erklären, andererseits trugen zu dem herausragenden Ergebnis des Jahres 2009 drei Transaktionen mit einem Volumen von jeweils über 30 Millionen Euro bei", so Otto.

Eine Steigerung des Transaktionsvolumens war in den Regionen 6 bis 10 wahrzunehmen (10. bis 19. und 23. Bezirk). Die Region 7 mit den Bezirken 12., 14., und 23. verzeichnete den mit Abstand größten prozentuellen Zuwachs von rund 91 Prozent. Das größte Volumen, nämlich 127 bzw. 123 Mio. Euro, wurde im Jahr 2010 in den Regionen 3 (3. und 4. Bezirk) und 4 (5., 6. und 7. Bezirk) umgesetzt. 

Hohe Renditen in Favoriten und Simmering

Bei den steigenden Preisen und sinkenden Renditen setzt sich der Trend des letzten Herbstes fort, betonten die Analysten der Otto-Gruppe. Beides könne auf das reduzierte Angebot zurückgeführt werden, das eng mit den hohen Anforderungen der Nachfrager im Zusammenhang steht.

Am höchsten sind die Renditen noch in der Region 6 (10. und 11. Bezirk) sowie in der Region 12 (21. und 22. Bezirk) mit Werten bis zu sieben Prozent. Hier könne man auch noch günstig kaufen: bei Quadratmeterpreisen von 420 bis 950 Euro (in der Region 6) bzw. von 360 bis 900 Euro ( Region 12).

Größte Verteuerung in Leopoldstadt

Die größte Preissteigerung weist die Region 2 (2. Bezirk) auf, wo Grätzel wie das Stuwerviertel oder der Karmelitermarkt für hohe Nachfrage sorgen. Aufgrund des knappen Angebotes finden Käufer hier mit Renditen ab 2,8 Prozent das Auslangen. "Absolut gesehen ist die Innere Stadt mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 3200 bis 5200 Euro weiter unangefochtener Spitzenreiter", berichtet Otto. Auch die Regionen 2 bis 5 (2. bis 9. Bezirk) verzeichnen weiterhin Preissteigerungen und gemeinsam mit der Region 10 maximale Kaufpreise über 2000 Euro pro Quadratmeter. "Dies verdeutlicht, dass die rückläufigen Transaktionsvolumina im Zentrum und in zentrumsnahen Lagen vor allem durch das knappe Angebot begründet sind, die Nachfrage aber weiter hoch ist", so der Immobilien-Experte.

Private Käufer haben die Nase vorne

Jeder zweite Zinshaus-Käufer war im Vorjahr übrigens eine Privatperson. Nach Umsatzvolumen betrachtet waren jedoch - wenig überraschend - fast zwei Drittel der Käufer Unternehmen.

Insgesamt unterteilt die Studie von Otto Immobilien die Käufer bzw. Verkäufer in drei Gruppen: "Privatpersonen", "Unternehmen" (Personen- und Kapitalgesellschaften inklusive Banken und Versicherungen) und "Sonstige" (z.B. Privatstiftungen, Gebietskörperschaften oder Religionsgemeinschaften). Letztere sind als Käufer aber lediglich mit einem Anteil von unter zehn Prozent am Wiener Zinshausmarkt vertreten. 

Zinshausboom hält 2011 an

Angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Flucht vieler Anleger in sichere Werte werde der Zinshausboom auch 2011 anhalten, schätzt Richard Buxbaum, Leiter der Abteilung für Wohnimmobilien und Zinshäuser bei Otto Immobilien. Er rechnet damit, dass sich aufgrund der aktuellen Situation am Kapitalmarkt heuer einige österreichische Immobilienunternehmen von einer höheren Anzahl von Wiener Zinshäusern trennen werden. "Die extreme Knappheit an Angeboten wird dadurch etwas gelockert werden, von einer Überschwemmung wird aber dennoch nicht die Rede sein. Viele private und institutionelle Investoren warten bereits auf ein etwas umfangreicheres Angebot und stehen schon in den Startlöchern", so Buxbaum.

Der Fokus der Privatinvestoren wird weiterhin auf Zinshäusern zwischen einer Million und zweieinhalb Millionen Euro liegen, die bereits weit entwickelt sind. "Bei solchen Objekten ist mit Renditen zwischen 2,0 und 3,5 Prozent zu rechnen", so Buxbaum..

Zahl der Gründerzeit-Zinshäuser weiter rückläufig

Als Gründerzeit-Zinshäuser im engeren Sinn definiert Otto Immobilien jene Gebäude, die in den Jahren 1848 bis 1918 im Stil des Historismus (mit den entsprechenden Stilelementen, wie gegliederter Fassade etc.) in geschlossener Bauweise errichtet wurden, die keine Sondernutzung haben (z.B öffentliche Gebäude sind) und an denen kein Wohnungseigentum begründet wurde.  Insgesamt waren in Wien per Stichtag 31. Dezember 2010 weniger als 15.400 dieser klassischen Gründerzeithäuser vorhanden. (red)

  • Das reduzierte Angebot an Wiener Zinshäusern lässt die Preise weiter steigen und die Renditen sinken. Die Situation am 
Kapitalmarkt könnte aber dafür sorgen, dass sich heuer einige österreichische Immobilienunternehmen von 
einer höheren Anzahl von Wiener Zinshäusern trennen werden.
    foto: derstandard.at

    Das reduzierte Angebot an Wiener Zinshäusern lässt die Preise weiter steigen und die Renditen sinken. Die Situation am Kapitalmarkt könnte aber dafür sorgen, dass sich heuer einige österreichische Immobilienunternehmen von einer höheren Anzahl von Wiener Zinshäusern trennen werden.

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