Mühlheimer Dramatikerpreis 2011 an Elfriede Jelinek

8. Juni 2011, 07:40
  • Andre Jung , Benny Clasessens, Hildegard Schmahl, Stefan Hunstein 
Kristof Van Boven und Wiebke Puls im Februar in den Münchner 
Kammerspielen bei der Uraufführung des nun prämierten Jelinek-Stücks "Winterreise"
    vergrößern 600x400
    foto: apa/dpa/frank leonhardt

    Andre Jung , Benny Clasessens, Hildegard Schmahl, Stefan Hunstein Kristof Van Boven und Wiebke Puls im Februar in den Münchner Kammerspielen bei der Uraufführung des nun prämierten Jelinek-Stücks "Winterreise"

Autorin erhält Preis bereits zum vierten Mal – Mit 15.000 Euro dotiert

Wien/Mülheim - Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist der Mühlheimer Dramatikerpreis 2011 zugesprochen worden. Die fünf Juroren bei den Mülheimer Theatertagen zeichneten sie damit für ihr Stück "Winterreise" aus. Sieben Stücke waren insgesamt im Rennen. Jelinek galt als Favoritin. Der Mülheimer Dramatikerpreis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Die sieben Stücke wurden aus jenen 119 ausgewählt, die im letzten Bühnenjahr in deutschsprachigen Ländern uraufgeführt wurden. Jelinek erhielt den Preis bereits zum vierten Mal. Zuletzt war sie 2009 für ihr Schauspiel "Rechnitz (Der Würgeengel)" ausgezeichnet worden. Im vergangenen Jahr wurde der Autor Roland Schimmelpfennig zum Dramatiker des Jahres erkoren, Jelinek war mit "Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie" ebenfalls in der Auswahl vertreten. Mit ihrer Collage "Winterreise", einer Bilanz unserer Epoche in Anlehnung an den Liederzyklus "Winterreise" von Franz Schubert und Wilhelm Müller, wurde heuer bereits das 15. Stück der Autorin eingeladen.

"Passagen stark autobiografisch gefärbt"

"Die acht Szenen des Stücks beziehen sich mehr oder weniger deutlich auf acht Lieder aus dem Zyklus. In manchen verarbeitet Jelinek in gewohnter Manier aktuelle Ereignisse, etwa den Finanzskandal um Bayerische Landesbank und Hypo Alpe Adria oder den Entführungsfall Natascha Kampusch. Andere Passagen sind stark autobiografisch gefärbt. Eine Szene ist dem an Alzheimer erkrankten Vater gewidmet, in einer anderen zeichnet Jelinek das sarkastische Selbstporträt einer einsamen Frau, die vor dem Computer sitzt und auf Mails von der Partnerbörse wartet", schreibt Kulturkritiker und Jurysprecher Wolfgang Kralicek auf der Homepage der 36. Mühlheimer Theatertage, die mit der Auszeichnung zu Ende gegangen sind.

Den Publikumspreis ging Nurkan Erpulat und Jens Hillje für "Verrücktes Blut", einer Satire über die Schwierigkeiten einer idealistischen deutschen Lehrerin, ihren pubertierenden Schülern mit türkischen Wurzeln Schiller näher zu bringen. (APA)

Share if you care
6 Postings
Mülheim!

Mülheim, zum Hundertsten! ihr Pisaner, Werkvertragler oder Caffé Latte-Trinker!

Mülheim!

Mülheim, zum Hundertsten! Ihr Pisaner, Ihr geringfügig Beschäftigte, Ihr Caffé Latte-Schlabberer!

überschätzt

Diese immer wiederkehrende Selbstdarstellung ist einfach schon sehr langweilig, immer das gleiche; und muss wohl so sein, wenn reale und eigene Bilder des Lebens fehlen.

ich find's toll für Frau Jelinek.

Aber in Mülheim werden wohl nur mehr Jelinek und Schimmelpfennig prämiert.

Hartmann, übernehmen Sie!

Kommt doch ohnehin nächste Spielzeit ins Akademietheater - inszeniert von Stefan Bachmann.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.