Kopf des Tages

Energiebündel als neuer Festivalretter

Ljubiša Tošić, 7. Juni 2011, 18:22
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    foto: ap/matthias rietschel

    Christian Thielemann

Christian Thielemann wird Chef der Salzburger Osterfestspiele

Dirigenten gibt es reichlich. Nur ganz wenigen von ihnen traut man jedoch zu, aus Musik sternstundenhaft Substanz herauszuholen. Was Wunder also, dass man diese Herrn mit Angeboten überhäuft und ihnen ihre Exzentrik verzeiht.

Auch Christian Thielemann ist in dieser luxuriösen Position: Bei den Bayreuther Festspielen, wo er als Wagner-Dirigent längst eine zentrale Position innehatte, war er im Gespräch für eine offizielle Funktion. Sein Name war auch im Umlauf, als es darum ging, die Nachfolge von Staatsoperndirektor Ioan Holender zu regeln. Natürlich wurde Thielemann, 1959 in Berlin geboren, auch für die Salzburger Festspiele genannt; und als Gerüchte aufkamen, zwischen den Berliner Philharmonikern und ihrem Chef Simon Rattle würde es kriseln, brachte man Thielemann ins Spiel.

Dass aus all dem nichts wurde, war für den bekennenden Konservativen (im Sinne von: Tradition bewahren), der sich über die deutsche Provinz hochgearbeitet hat, leicht zu verschmerzen. Über Jahre war Thielemann Musikchef an der Deutschen Oper Berlin - wo er einst als Korrepetitor lernte -, bis er sich überraschend zurückzog, um nach München als Chef der dortigen Philharmoniker zu wechseln, von denen er nach einem Zwist um die Vertragsverlängerung auch schon wieder geschieden ist. Egal. Ab 2012 wird Thielemann Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, mit der er also ab 2013 bei den Salzburger Osterfestspielen zu hören sein wird.

Man sieht: Im vollen Bewusstsein seines Marktwertes gönnt sich Thielemann etwas Sprunghaftes, zu dem auch gehört, spontan Aufführungen abzusagen, wenn er das Gefühl hat, wieder Kräfte sammeln zu müssen. Dies mag für Veranstalter unangenehm sein - doch ist es nur die Folge eines kantig daherkommenden Dirigierstils, der vor allem dem Wagner- und Strauss-Repertoire durch verzehrende Energie hohe Unmittelbarkeit verleiht.

Produktive Ruhelosigkeit allein wird bei den Osterfestspielen jedoch nicht reichen. Thielemann, der die Originalklangbewegung eine Mode nennt, wird ein Konzept vorlegen müssen, das Attraktivität und Kontinuität garantiert. Andererseits: Mit der Übernahme der Osterfestspiele tritt er als Retter eines von Karajan gegründeten Festivals an. Für einen Karajan-Verehrer genug Motivation also, um aus einem unerwartet in Erfüllung gegangenen Traum keinen Albtraum werden zu lassen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 8. Juni 2011)

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19 Postings
allkarl
01
Gratulation nach Salzburg

Obwohl einige Wiener Neidhammel, allen voran der unnötige Bundestheater-Springer, alles unternommen haben um die neuen Osterfestspiele zu sabotieren, gibt es nun doch eine tolle Lösung.
Meine Hochachtung gilt dem jetzigen Staatsopern-Direktor, der sehr entgegenkomend war. Unter dem ausgewiesenen Salzburg-Hasser und Neider Hollender wäre das sicherlich nicht möglich gewesen.
Gerade als Wiener freue ich mich für Salzburg und konnte die von einigen Schmierern (NEWS) geschürte, schwachsinnige Rivalität zwischen Wien und Salzburg nie verstehen.
Die Parole muss lauten: erste Qualität in Wien UND Salzburg zum Wohle Österreichs !!
Wenn das nun sogar ohne die arroganten Berliner mit der klaren Fehlbesetzung Rattle geht, umso besser.

B Taylor
00

Naja, ob das Entgegenkommen von Meyer tatsächlich lobenswert ist, sei in Frage gestellt. Es bestand darin, Thielemann aus seinem Vertrag, Lohengrin zu dirigieren, zu befreien. Meyer ist eben Staatsopern-Direktor und sein Hauptinteresse sollte eben der Staatsoper gelten. Ob die Staatsoper damit gut bedient ist, dass ein anderer Dirigent Lohengrin macht? Kommt darauf an, ob man ein Thielemann Fan ist...

Robert Waloch
00
Die Kompensationsgeschäfte,

die von der Direktion der Wr. Staatsoper bestätigt wurden, sind beachtlich und versprechen einige tolle Abende zusätzlich. JEDER kommende "Lohengrin" ist besser als der zuvor im Haus am Ring gezeigte - also nicht nervös werden, nur weil man in der STANDARD-Redaktion gern an Sesseln sägt, die noch gar nicht besetzt sind....

NoneSolo
52
Dirigierstils, der vor allem dem Wagner- und Strauss-Repertoire durch verzehrende Energie hohe Unmittelbarkeit verleiht

Abgesehen davon, dass ich diese Aussage an sich in Frage stelle, da er für mich ausschließlich langweilig klingt (sein unverkennbares Markenzeichen: fad dirigierter Wagner = Thielemnann), ist sein Hauptproblem, dass mit diesen beiden Komponisten - ergänzt durch einige weitere "Deutsche" deren Symphonien er dirigiert - sein Repertoire auch schon so ziemlich asugeschöpft ist. Was ist mit italienischem, französchem, russischem etc. Repertoire? Nicht, dass ich den Wunsch verspüren würe, auch dieses Repertoire von ihm verschandelt zu hören, aber ein Drigient, der sich zu geschätzten 80 % mit lediglich 2 Komponisten beschäftigt, und das mit bestenfalls mittelmäßigen Ergebnissen, ist im Grund für eine Führungsposition ungeeignet.

Schicke Schickse
00
ist das wirklich eine lösung?

für den moment sicher.
aber eigentlich wiederholt sich das bisherige problem. karajans festspiele funktionierten, weil karajan die berliner jahrzehntelang führte.
wird thielemann das auch tun? ist das festival an ihn gebunden, würde er somit auch mit einem anderen orchester weitermachen? oder sind die dresdner das zentrum, egal mit wem?
vielleicht gelingt es, mit thielemann dem festival so ein profil zu geben wie etwa zu pfingsten bisher mit muti oder in zukunft mit bartoli.

Optimist
11
10.6.2011, 07:01
Vor allem bei einem so unsicheren Kandidaten wie Thielemann

der gerne mal kurzfristig alles hinschmeisst.

Robert Waloch
00
10.6.2011, 18:58
So unsicher wie etwa

Kleiber jun.?

krikri
01

ich bin kein thielemann fan, aber an der fünften bruckner letzten dienstag im MV konnte man wirklich deutlich hören was er aus dem orchester gemacht hat - alle achtung

krikri
00

ich halte seine dirigate eh nur für durchschnittlich - aber dem orchester hat er halt einen qualitätssprung beschert - natürlich im vergleich zum staatsopern mostly worst, äh ich meine welser möst ist er ein spitzendirigent.

Robert Waloch
30
Sie vergessen in Ihrer

Worst of-Liste immer wieder diesen Herrn Harnoncourt - wie das?

krikri
03

weil er in seiner tätigkeit nicht vergleichbar mit den oben von mir genannten "nur" dirigenten ist, wobei ich zugeben muss, dass mich bei aller faszination seines jahrzehntelangen wirkens manche interpretationen, besonders im spätromantischen repertoire, befremden. im unterschied zu eben diesen manchmal befremdlichen dirigaten, halte ich fwm für einen überschätzten, von der wiener kritik gehypten schlechten dirigenten.

Robert Waloch
40
Also versuchen Sie,

FWM auch dort schlecht zu machen, wo es gar nicht um ihn geht. Somit nehme ich mir diese Freiheit auch und stelle Gleiches für Ihren Harnoncourt fest: ein von manchen Wiener Kreisen völlig überschätzter dirigentischer Besserwisser, der den ihm zustehenden Platz eher in einem musikhistorischen Archiv fände, wo er forschen könnte, was alles falsch gemacht wurde - schon von den Komponisten...

Naphtali
04

Zustimmung: Vor kurzem 9. Beethoven auf 3Sat gesehen - der Dirigent ist grandios.

Das Problem bei ihm ist nur: Er weiß das auch.

B Taylor
13

Warum ist das ein Problem? Wenn man ihn nur als Dirigent erlebt, ist es eigentlich egal, wie arrogant er sein mag. Hauptsache, die musikalische Leistung passt.

NoneSolo
32
Nur dumm

wenn die musikalische Leistung nicht passt und er trotzdem arrogant ist.

Die 9. habe ich auch gehört, aber im Vergleich schneiden da etliche andere Dirigenten besser ab, es genügt in die ebenfalls gesendete Doku hineinzuhören, um das feststellen zu können.

B Taylor
00

Mag sein. Ich habe nicht Thielemann kommentiert (ich mag ihn schon, aber seine 9. habe ich nicht gehört), sondern die Aussage vo Naphtali. Für Naphtali ist Thielemann als Dirigent 'grandios' und das 'Problem' ist 'nur' seine Arroganz. Nun, da Naphtali nicht mit ihm verheiratet ist, und ihn (nehme ich an) nur im Konzertsaal/Opernhaus erlebt, ist seine Arroganz (oder nicht) vollkommen egal.

Naphtali
00

So, jetzt muss ich mich bei der Programmplanung beschweren, da die 9te schon ganz spät war, aber ich für die noch später gesendete Doku leider nicht mehr die notwendige Restmenge an Wachheit hatte.

NoneSolo
00
Diesmal war der ORF schneller,

da ist 9. + Doku schon im Dezember gelaufen - und das am Sonntag Vormittag.

Naphtali
00

Und das sagen Sie mir erst jetzt! ;-)

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