Beißen und kratzen für eine große Chance

7. Juni 2011, 17:13
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Österreichs Handballer können in Innsbruck gegen Deutschland das EM-Ticket lösen

Innsbruck/Wien - Wo Rauch ist, lässt sich oft ohne großen Aufwand ein munteres Feuerchen entfachen. Robert Weber ist das vor dem heutigen, ohnehin ziemlich brisanten EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Innsbrucks Olympia-Halle (20.15, ORF Sport Plus) mit einem Interview gelungen. Freilich will der Torjäger des SC Magdeburg jenen Satz, der das Cover des Handball-Magazins ziert und für Aufregung sorgte, nie so gesagt haben. "Wir werden die Piefkes schlagen."

Freilich, vom Sieg ist der 25-jährige Vorarlberger abgesehen von der Wortwahl fest überzeugt, denn im Handball gehen die Uhren ein wenig anders als zum Beispiel im Fußball. Österreichs Handballer begegnen jenen aus Deutschland auf Augenhöhe, wie der jüngste Vergleich im Oktober des Vorjahres bewies. Das Hinspiel der EM-Qualifikation in Göppingen endete 26:26, "und wir waren dem Sieg näher als die Deutschen", erinnert sich Weber. Drei Spieltage später und je zwei Matches vor Schluss führt Österreich die Quali-Gruppe 5 zwei Punkte vor Deutschland und drei vor Island an. Die punktelosen Letten sind aus dem Rennen. Die beiden Gruppenbesten schmücken im Jänner 2012 die EM in Serbien.

Mögliche Unmöglichkeit

Bei einer Niederlage in Innsbruck schmückt Deutschland die EM jedenfalls nicht - und auch nicht die Olympischen Spiele ein paar Monate später in London, da nur in Serbien eine letzte Qualifikationschance herauszuwerfen wäre. Nach dem WM-Vorrunden-Aus in Schweden droht also dem weltweit lukrativsten Handballmarkt ein weiterer Tiefschlag. Und es droht ein unrühmlicher Abschied für Heiner Brand, den Erzähler des deutschen Wintermärchens (Gold bei der Heim-WM 2007). Der 58-jährige Gummersbacher zieht sich nach den Partien gegen Österreich und gegen Lettland (Sonntag in Trier), also nach insgesamt 378 Spielen als Teamchef zurück und steigt ins Verbandsmanagement ein.

Brand hofft auf eine Leistung wie zuletzt im März in Halle, wo Island mit 39:28 bezwungen wurde. Der Olympiazweite begrüßt Österreich zum Abschluss der EM-Quali am Sonntag (18.30) in Reykjavík. Darauf, dort noch punkten zu müssen, wollen sich die Österreicher lieber nicht einlassen. Teamchef Magnus Andersson hat seine Truppe seit Samstag beisammen. Die Olympia-Halle wird durch 8000 Zuseher ausverkauft sein. "In dieser Halle haben wir immer wieder sehr gut gespielt. Das hilft im Kopf", sagt Kapitän Viktor Szilagyi. "Es wird ein Beißen und Kratzen von der ersten Minute an", ergänzte Kreisläufer Patrick Fölser. (lü, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2011)

  • Robert Weber hat einen Deutschen am Schlafittchen - im Team seltener als im Klub.
    foto: der standard/bernd weißbrod

    Robert Weber hat einen Deutschen am Schlafittchen - im Team seltener als im Klub.

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