Cholesterinsenker

Schutz und Risiko zugleich

7. Juni 2011, 11:34
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    foto: apa/hans klaus techt

    In zahlreichen Studien bewiesen: Bei Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten oder anderen Risikokonstellationen senken Statine die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Statine erhöhen das Risiko einer zweiten Hirnblutung - Für Patienten mit ischämischen Infarkten sind die Medikamente von großem Nutzen

Berlin - Statine - Medikamente, die den Cholesterinwert im Blut senken - schützen erwiesenermaßen vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei Patienten, die bereits eine Hirnblutung erlitten haben, können sie jedoch das Risiko für weitere Hirnblutungen erhöhen. Darauf weist die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) anlässlich einer aktuellen Publikation hin.

Statine gehören weltweit zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. „Viele klinische Studien haben eindeutig belegt, dass Statine bei Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten oder anderen Risikokonstellationen die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken", berichtet Matthias Endres, Dritter Vorsitzender der DSG sowie Leiter der Klinik für Neurologie und des Centrums für Schlaganfallforschung an der Berliner Charité. Diese Schutzwirkung gilt auch für die überwiegende Anzahl von Schlaganfällen, die durch ein verstopftes Blutgefäß im Gehirn ausgelöst werden (ischämischer Insult). Statine werden deshalb bei all diesen Patienten bereits in der Routinebehandlung eingesetzt.

Blutungen in den Großhirnlappen

Bei etwa 10 bis 15 Prozent aller Schlaganfälle ist die Ursache jedoch eine Hirnblutung (hämorrhagischer Infarkt). Neuere Auswertungen von Studienergebnissen weisen darauf hin, dass Statine bei Patienten, die bereits eine Hirnblutung erlitten haben, das Risiko einer zweiten Hirnblutung erhöhen. „Die Berechnungen haben ergeben, dass das Risiko in vielen Fällen größer ist als die Vorteile durch die Verminderung anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen", berichtet Endres. 

Besonders gefährlich sei die Therapie für Menschen mit Blutungen in den Großhirnlappen. Hier ist das Risiko einer weiteren Hirnblutung hoch. „Bei 14 Prozent dieser Patienten kommt es innerhalb des nächsten Jahres erneut zu einer Hirnblutung. Wenn sie Statine einnehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 22 Prozent an", so Endres. Nach einer weiteren Berechnung verkürzen die Medikamente bei diesen Patienten die Lebenserwartung in guter Lebensqualität im Durchschnitt um 2,2 Jahre.

Nutzen-Risiko-Abwägung

Die Zahlen wurden von Medizinern der Harvard Universität in Boston jüngst in den Archives of Neurology vorgestellt. Es handelt sich um die Ergebnisse einer sogenannten Entscheidungsbaum-Analyse, der eine komplizierte Mathematik zugrunde liegt. „Die Beweiskraft der Studie ist eingeschränkt", sagt Joachim Röther, Erster Vorsitzender der DSG und Chefarzt der Neurologischen Klinik an der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. „Die Entscheidung, ob ein Statin nach einer Hirnblutung weiter gegeben beziehungsweise abgesetzt werden sollte, ist derzeit eine Entscheidung, bei der der behandelnde Neurologe Risken und Nutzen in jedem einzelnen Fall sorgfältig abwägen muss."

Für Patienten, bei denen der Schlaganfall Folge eines Gefäßverschlusses ist, sind die Medikamente von großem Nutzen und sollten weiterhin verordnet werden, betont der Experte. Durch eine Behandlung ihrer erhöhten Cholesterinwerte können diese Patienten ihr persönliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen frühzeitigen Tod deutlich vermindern. Erleiden Patienten allerdings eine Blutung in den Großhirnlappen, ist Vorsicht bei der weiteren Verabreichung der Statine geboten. (red)

Quelle:

Westover MB, Bianchi MT, Eckman MH, Greenberg SM. Statin use following intracerebral hemorrhage: a decision analysis. Archives of Neurology 2011; 68: 573-9

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Cholesterinsenker schützen Risikopatienten

Kommentar posten
19 Postings
arbis
01
13.6.2011, 00:51
schwerste nebenwirkungen

haben mich abgehalten, dieses blocker zu schlucken. gibt es ein "gesundes" wundermittel gegen stark erhöhte triglyzeride?

kleiner lieber Bär
00
Austernpilze

Dagmar Rehak Wien
 
00
16.6.2011, 12:15

Weniger essen.
Aber sonst, so pillenmäßig, wahrscheinlich nicht. Aber man braucht auch gar kein Wundermittel. Die Angst vor Blutfetten ist unbegründet. Das ist einfach nur eine Werbekampagne.

Dagmar Rehak Wien
 
00

Es ist nicht der Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall erwiesen, sondern dass die Ablagerungen in den Blutgefäßen nicht weiter anwachsen. Das ist deshalb so, weil mit der Cholesterinsynthese auch die Erneuerung zerstörter Zellen der Gefäßinnenwände blockiert wird. Die Ablagerungen in den Blutgefäßen sind nämlich eigentlich unfertige, weil gestörte Heilprozesse. Und durch mehr Belastung als Zeit zum Heilen werden die immer dicker.
Nimmt man nun Statine, wird die Zellerneuerung und damit die Heilung der Blutgefäße verhindert, und sie werden löchrig.
Richtiger wäre mehr Zeit zum Heilen und weniger Belastung der Zellen. Dann gibt es auch keine Ablagerungen.

tortoise
00
16.7.2011, 01:01
Bitte genauer!

Sie wissen hoffentlich genauso wie ich, dass ein Nutzen der Statine für die Primärprävention noch nicht schlüssig untersucht wurde, der für die Sekundärprävention aber zweifelsfrei (doppelblind, randomisiert) erwiesen ist. Es geht sogar soweit, dass eine LDL Senkung unter 100 mg/dl zu einer "lege artis" Diabetes-Therapie dazugehört! Viele Patienten schaffen dies aufgrund genetischer Dispositionen nicht ohne Statine!

Markus -
01

Patienten nach einer Großhirnblutung sind in der Regel ohnehin schon in einem Alter, in dem Statine gar nicht mehr auf ihren Nutzen überprüft wurden. Gehören zu den Medikamenten, die bei 75+ ausgemistet werden sollten!

Bonair
00

Statine sind bei 85-Jährigen OHNE Schlaganfall/Herzinfarkt verzichtbar, bei Hochrisikopatienten sind sie nicht so unwichtig.

Markus -
02

Selbst ein gesunder 85-jähriger hat eine sehr schlechte Prognose, da wirds nichts mehr mit der Umschulung zum Dachdecker!
Statine sind bei nahezu allen ohne Herzinfarkt verzichtbar, es sei denn man will 200 Patienten behandeln, damit ein einziger davon profitiert. Der Rest bekommt auch ohne Statin keinen Herzinfarkt bzw trotz Statin doch einen Infarkt; verkauft werden Statine aber anders - nämlich so, dass sich ein Patient in Sicherheit wiegt, wenn er sie nimmt - oder Angst haben muss, wenn er darauf verzichtet, nicht wahr?
Die großen Interventionsstudien zu Statinen haben über 75-jährige von vornherein ausgeschlossen, vermutlich weil sie einen theoretischen Nutzen nie erleben würden.

kiwi100
02
Vollkommen richtig ...

... eine Behandlung mit Statinen bei Personen 75+ ist nicht evidenzbasiert. Hinzukommt, dass viele Personen 75+ schon einen ganzen Cocktail von Medikamenten schlucken. Auch solche Cocktails sind nicht evidenzbasiert und haben mit rationaler Medizin wenig zu tun. Im Falle der Polypharmazie (mehr als sechs Medikamente) sollten deshalb Statine zu den ersten Medikamenten gehören die rausfliegen.

theWatcher14
14
Also...

..ich glaube mittlerweile nicht mehr an diese Cholesterin Hysterie. Panikmache von Pharma Konzernen.

diskutante
00

ich auch. vor allem noch immer keine genderbasierte forschung.

Wolfgang Bodem1
 
02

da gibt es ein schönes Buch: "Die Cholesterin Lüge"...

Bernd U.
11
Monacoline sind eine nebenwirkunsarme Alternative bei leichten bis moderaten Blutfetterhöhungen!

Diese aus fermentiertem roten Reismehl gewonnenen Stoffe dürfen (leider net allzu billig) nur als sog. "Lebensmittelzusatzstoffe" gehandelt werden, sind
aber chemisch nah verwandt mit den Statinen ohne deren schwerwiegende Nebenwirkungen aufzuweisen.
Hatte erst vor kurzem einen Fall in meiner nahen Verwandtschaft. Statine verschrieben bekommen wegen moderater Erhöhung von Cholesterin und Tryglizeriden, heftige Nebenwirkungen, dann ein Monacol-Präperat -> Senkung von Triglizeriden und Cholesterin um 30%, keine Nebenwirkungen. Will keine Werbung für konkrete Produkte machen, lade aber Betroffene ein sich im Web (gibt sehr viel Info) gründlich zu informieren.

marcel81
00
bei moderater Erhöhung

reicht meistens omega3 und 6 auch wenn man schon unbedingt was dagegen "einnehmen" will.

gesund bleiben
00

warum wird bitte so ein wunderpräperat nicht von den ärzten empfohlen, statt dessen muß patient sich mit wirklich gefährlichen und sehr beeinträchtigenden nebenwirkungen von statinen herumschlagen? warum ist die krankenkasse nicht interessiert, menschen mit "gesünderen" arzneien zu therapieren?

Sarang He
00
Was glaubst du wie man zu den Statinen gekommen ist?

man hat unter anderem roten fermentierten Reis analysiert ;)

z.B. ist Lovastatin chemisch identisch mit Monacolin K und nicht nur chemisch nah verwandt

die Nebenwirkungen gibt´s genauso - sind nur deshalb geringer weil normalerweise die Dosierung in Relation deutlich niedriger ist.

und die Preise für diese roten fermentierten Reispräparate sind hier einfach nur ´ne Abzocke - in den USA kostet diese Präparate nicht mal zwanzigstel

Bernd U.
01
Es geht ja net nur um Monacolin K!

Das dominierende Monacolin im roten Reismehl ist die Mevinolinsäure, die sich vom Lovastatin durch ein zusätzliches H2O-Molekühl unterscheidet. Der wesentlichste Unterschied der natürlichen Monacoline liegt in der Fett-/Wasserlöslichkeit, was einen erheblichen Einfluss auf das Verhalten an der Blut/Hirn-Schranke und auftretende Nebenwirkungen hat.

Bei den Preisen stimme ich zu - die sind leider unverschämt hoch.

Sarang He
00
Soweit ich mich erinnern kann

wird Lovastatin/Monacolin K deshalb als Prodrug der Mevinolinsäure eingesetzt, weil es bei direkter Applikation der Mevinolinsäure Probleme mit der Resorption gibt und daher die Wirkung beim roten fermentierten Reis primär auf Lovastatin/Monacolin K zurückzuführen sei.

Auf die Schnelle habe ich jetzt beim googeln nichts dazu gefunden, aber wenn Du Fachartikel zur Bioverfügbarkeit von Mevinolinsäure hast oder zumindest zitieren kannst?

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