Georgiens Außenminister: "Nationaler Konsens" zu EU und NATO

6. Juni 2011, 19:57
  • Artikelbild
    apa-foto: hopi-media/holzner

    Waschadse und Spindelegger.

"Unsere einzige Orientierung ist die nach Westen gerichtete" - Wachsendes Engagement Österreichs

Wien - Georgien steht unverbrüchlich zu seinen beiden Zielen, der NATO und der EU beizutreten. "Das ist nationaler Konsens. Es gibt keine einzige politische Kraft, die nicht versteht, dass die Mitgliedschaft in EU und NATO nationale Prioritäten sind", sagte der georgische Außenminister Grigol Waschadse (Vashadze) am Montag im Gespräch mit der APA. Waschadse traf in Wien mit Außenminister Michael Spindelegger und dem Zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer (beide V) zusammen.

Spindelegger hatte im Vorjahr auf Basis einer WIFO-Studie einen neuen Schwerpunkt auf die Schwarzmeer- und Kaukasus-Region angekündigt. Außen- und Wirtschaftspolitik müssten Hand in Hand gehen und kontinuierlich wirken, um nach dem Engagement Österreichs in Ost- und Südosteuropa neue Märkte auch in dieser Region zu erschließen, hieß es. Spindelegger bereiste daraufhin die Region und besuchte u.a. die georgische Hauptstadt Tiflis (Tbilisi), wo es im Gegensatz zu Baku in Aserbaidschan bisher aber keine österreichische Botschaft gibt.

Waschadse sieht bereits erste Auswirkungen dieser österreichischen Prioritätensetzung. Der Handel zwischen Österreich und Georgien sei seither um 20 Prozent gewachsen - mehr als mit jedem anderen EU-Land. 2009 hatte Österreich allerdings Güter im Wert von 35,1 Millionen Euro nach Georgien exportiert, ein Rückgang im Vergleich zu 2008 rund um Wirtschaftskrise und Südkaukasus-Krieg um 22,6 Prozent. Wenn Österreich vom Volumen her auch beispielsweise hinter Deutschland oder den Niederlanden liege, es sei die "Speerspitze in der EU", was den Ausbau der Zusammenarbeit mit Georgien anbelange, betonte der Außenminister erfreut über "Österreichs Entschlossenheit".

Georgien erhofft sich vor allem österreichisches Engagement in den Bereichen Energie, Land- und Forstwirtschaft und Tourismus. Geplant ist beispielsweise ein sogenanntes Twinning Project, bei dem Österreich Georgien helfen soll, die bisher kaum profitabel genutzten staatlichen Wälder zu einer ordentlichen Budgeteinnahmenquelle zu machen. Auch seien nur 40 Prozent des Ackerlands in Georgien genutzt, so dass beim Aufbau einer modernen, nachhaltigen und die Selbstversorgung garantierenden Agrarwirtschaft österreichische Firmen willkommen wären. Wie Außenminister Spindelegger in einer Aussendung erklärte, soll Georgien außerdem zu einem Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut werden.

In Sachen Energie teilte Minister Waschadse mit, dass ein österreichisches Unternehmen vor der Unterzeichnung eines Vertrags zur Errichtung eines Wasserkraftwerkes stehe. Den Namen der Firma wollte er nicht bekanntgeben. Georgien decke 90 Prozent seines Elektrizitätsbedarfs mit Wasserkraft und exportiere Strom in alle Länder der Region - sogar nach Russland, mit dem Georgien 2008 einen fünftägigen Krieg um die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien führte. Georgien betrachtet beide seither als von Russland, das ihre Unabhängigkeit anerkannt hat, besetzt. Österreichische Unternehmen könnten beim Ausbau der Wasserkraft in seiner Heimat noch eine bedeutende Rolle spielen, meinte Waschadse.

Waschadse will Moskau aus den EU- und NATO-Ambitionen seines Landes heraushalten. "Russland hat damit nichts zu tun." Georgien gehöre zur europäischen Familie, leider sei es zu Zeiten der Sowjetunion über Jahrzehnte von Europa isoliert gewesen. Er wisse um die "Erweiterungsmüdigkeit" in der EU, und Georgien dränge auch nicht auf den Beitritt, so der Außenminister weiter, aber: "Wir wollen der EU so nahe kommen wie möglich. Das ist ein realistisches Ziel." Georgien soll demnach zwar zunächst nicht in den EU-Institutionen vertreten sein, aber den EU-Rechtsbestand übernahmen und ansonsten an allen Freizügigkeits-Regelungen teilhaben. Seit Juli 2010 laufen erst einmal Verhandlungen zwischen Union und Georgien über ein Assoziierungsabkommen.

Was die NATO betrifft, so verhält sich Georgien laut Waschadse wie ein Verbündeter - etwa als Truppensteller in Afghanistan - und werde auch fast wie ein alliiertes Mitglied behandelt. Der Minister geht davon aus, dass der Weg zum NATO-Beitritt kürzer sein wird als jener zum EU-Beitritt. Allerdings hat Georgien auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im April 2008 - also noch vor dem Krieg mit Russland - nur eine symbolische Beitrittsperspektive ohne Datum erhalten. Mehrere europäische Länder wollten im Gegensatz zu den USA damals Rücksicht auf Moskau nehmen.

"Unsere einzige Orientierung ist die nach Westen gerichtete", strich Waschadse hervor. Ein Balanceakt zwischen dem Westen und einem Russland, "das erklärtermaßen ablehnt, die Existenz des souveränen und demokratischen Georgien in seiner territorialen Integrität anzuerkennen", komme für sein Land nicht infrage. (APA)

philidor85
00
12.6.2011, 14:08

als außenminister ist spindelegger immerhin im stande zu sehen wo die zukunft liegt

wenn man den kaukasus und die region ums kaspische meer nicht an sich bindet, machen es die chinesen liebend gerne

dass man in aserbaidschan mit einer botschaft vertreten ist, hat auch einen guten grund

Ravenhorst
00
Georgien zur EU

Jetzt!! Wird eine tolle Bereicherung für die EU....

daaaa
00
geile Einstellung..

Waschadse hat mal eine tolle Einstellung, sein Volk wird es ihm danken.. früher oder später, nachdem der Ausbeutungspro.. ähm ich meine Globalisierungsprozess erledigt ist ;)

NO+PASARAN+NO+DHIMMISTAN+!!!
31
Ja sehr gut !!!!!!!!!!!

Georgien ghört in die EU und die Nato - was sonst ???

kuq_e_zi
11
Wie wäre es noch mit,

Nordkorea, Äthiopien und dem Jemen? Die Bilanzen dieser Länder wären eigentlich gut geeignet für die EU und dem "Europaket".

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.