Humala verspricht tiefgreifende Reformen

Sandra Weiss, 6. Juni 2011, 18:49
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    foto: reuters/mariana bazo

    Von seinen Anhängern bejubelt, vom Ausland oft argwöhnisch beobachtet: Der Sieger der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru, der Linksnationalist Ollanta Humala.

Der siegreiche Kandidat der Linksnationalisten übernimmt ein tief gespaltenes Land, in dem Korruption an der Tagesordnung ist: Zu seinen Prioritäten gehört nun die Versöhnung zwischen den Lagern

Lima - In einem nervenaufreibenden Fotofinish hat der Linksnationalist Ollanta Humala die Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru gewonnen. Der 48-jährige Ex-Militär setzte sich am Sonntag mit einem hauchdünnen Vorsprung von rund zwei Prozent gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori durch. Damit kommt erstmals seit den 1970er-Jahren wieder die Linke in dem Andenland an die Macht - und wieder mit einem Militär wie damals Juan Velasco Alvarado (1968-1975).

Zehntausende feierten in der Nacht in Lima und anderen Städten den Sieg ihres Kandidaten. Humala wurde vor allem von den Mestizen und Indigenen aus dem Hochland sowie von Intellektuellen, Linkspolitikern, von Ex-Präsident Alejandro Toledo und von Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa unterstützt.

Appell zur Versöhnung

"Der Faschismus ist unterlegen, dies ist ein großer Sieg für die Demokratie", begrüßte der Schriftsteller den Sieg Humalas und rief ihn dazu auf, die "peruanische Familie" zu versöhnen. Der von Anschuldigungen und Schlägen unter die Gürtellinie geprägte Wahlkampf hatte das Andenland tief gespalten. Unternehmer und die bürgerliche Presse hatten sich auf die Seite Fujimoris gestellt.

Der erste, der Humala gratulierte, war der chilenische Präsident Sebastián Piñera - da hatte die unterlegene Fujimori noch nicht einmal ihre Niederlage eingeräumt gehabt. Und auch Humala wartete mit seiner Ansprache bis kurz vor Mitternacht. Seinen Anhängern versprach er, eine Regierung der nationalen Einheit zu schaffen, die Korruption zu bekämpfen und das rasante Wirtschaftswachstum in den Dienst der sozialen Entwicklung zu stellen. "Ein Krankenhaus in jeder Provinz, hervorragende Bildung für alle, Kinderkrippen für die arbeitenden Mütter, würdige Gehälter für die Polizisten, das sind die Gründe, weshalb ich heute hier stehe", rief Humala in die Menge.

Peru ist in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich sieben Prozent jährlich gewachsen, doch in allzu vielen Teilen des Landes kam davon nur wenig an. Ein Drittel der Peruaner lebt weiterhin unter der Armutsgrenze. Gleichzeitig nahmen die Konflikte in rohstoffreichen Gebieten zu, die Mordrate verdreifachte sich in einem Jahrzehnt, der Drogenhandel blühte auf.

Humala wird von ausländischen Investoren wegen seiner Nähe zum venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, wegen angekündigter Steuererhöhungen und wegen seiner Ideen von einem starken Staat nur mit Vorbehalt gesehen. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung, erklärte dagegen sein Wirtschaftsberater Félix Jiménez. Die Haushalts- und Geldpolitik werde verantwortungsvoll gehandhabt werden. Humalas erste Herausforderung wird es sein, eine mehrheitsfähige Koalition im Kongress zu schmieden. (Sandra Weiss, STANDARD-Printausgabe, 7.6.2011)

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1 2
Horst Holger
30
Wahl zwischen

Beelzebub (Humala) und Teufel (Fujimori) fällt schwer, da nimmt man wohl das kleinere (anzunehmende) Übel- sagt man in Peru. Politiker in LA sind beliebig austauschbar, jeder bereichert sich ohnehin auf Kosten des Volkes, da ist es egal ob links oder rechtsdriftend bzw. sich so bezeichnend. Ist leider so, drum wundert es einen Durchschnittsgebildeten-Mitteleuropäer auch nicht mehr, daß Länder mit großem Potential und Bodenschätzen wie z.B. Peru, Kolumbien, Bolivien und Venezuela eher am Rande der Steinzeit entlangschlittern, denn als Drittweltland zu bezeichnen wären.

napfiatgott
12
Was ist das denn für ein lauwarmes Posting?

Ihre Aussagen sind NoNaNet-Aussagen und könnten genauso auf die österr. Politik umgelegt werden. Macht tendiert oft dazu, den Bezug zur Realität zu verlieren, allerdings mit dem großen Unterschied, dass in den von Ihnen genannten Ländern in COL durch staatlich gestützte Paras Zivilisten abgeschlachtet werden (lassen Sie jetzt bitte ihren FARC-Sympathie-Reflex sein) und im peruanischen Amazonas mit Indios bei der Verteidigung ihres Bodens Ähnliches passierte. Also mischen Sie in ihren subtilen Linkenhass nicht so scheinheilig (das eigentlich eh so supere) COL dazu - denn COL und Peru (bisher) ist pure Repression, während Venezuela einen Narziss und Bolivien einen Visionär beherbergt, und keine Massenmörder wie Uribe/Santos/Garcia.

Gast Gast2
01

Österreich könnte wirklich einbisschen mehr Diskussionskultur vertragen... Schade, dass man immer so aggressiv und emotional werden muss, immer gleich auf andere losgehen... da vergeht einem eigentlich wirklich die Lust zum Meinungsaustausch

napfiatgott
11
Sie reden von Diskussionskultur

...dann kennen Sie den Horsti aber nu net lange oder sind es selbst. Übrigens, die Frage, die Sie dem Horsti (oder sich selbst) beantworten müssen, bevor Sie hier überhaupt das Recht auf Meinungsäußerung erstehen, ist: Waren Sie überhaupt schon mal in Venezuela?
Aber nix für ungut: Gerne halte ich mich an eine saubere Etikette im künftigen Austausch mit IHNEN. Aber mit Horsti - Nö nö, das ist schon zu oft gescheitert.

Gast Gast2
00
Verfolgungswahn...? Wer ist Horst und warum sollte ich ihn kennen?

Diwan Bartwisch
01
10.6.2011, 12:20
Horst Holger postet unter 10 Namen immer das Gleiche.

no reply
42
Und wieder ein Dominostein gefallen!

Ein schöner Sieg für die Linke!

Und jetzt aber schnell die Weichen stellen damit der Sieg des Volkes unumkehrbar wird!

Gast Gast2
42
Schlecht recherchiert

1. Sie schreiben, dass ex-Präsident Alejandro Toledo Ollanta Humala bei
seinem Wahlkampf unterstützt hat. Dieser galt als einer seiner schärfsten
Gegner, er ist ja auch gegen ihn im ersten Lauf angetreten. Erst ganz zum
Schluss und wahrscheinlich aus Rache an Fujimori, hat er sich Humala
angeschlossen - so ist die Politik leider in Peru...

2. Ollanta Humala ist im Militär groß geworden, nennt sich zwar links, aber
zu schreiben, dass "die Linke nach langem wieder an der Macht ist" halte ich
für schier falsch. Der neue Präsident ist ein populistischer Faschist, der
mit der Linken, wie wir sie hier in Österreich kennen, nichts zu tun hat.

Ich finde es sehr schade, dass der Standard sich offensichtlich unter die
vielen westlichen Medien reiht, die s

no reply
01
Warten wir ab,

und messen wir ihn an seinen Taten!

Gast Gast2
32
Fortsetzung

ch finde es sehr schade, dass der Standard sich offensichtlich unter die
vielen westlichen Medien reiht, die solche Politiker beim Wort nehmen und
sie hier in Europa als Retter der Armen verkaufen. Wahrscheinlich liegt das
daran, dass der Standard nicht genug Ressourcen hat, um Journalisten vor Ort
zu platzieren, die die echte Stimmung im Land spüren und weitergeben können.
Ollanta Humala ist eine Gefahr für die Wirtschaft Perus - weshalb gestern
früh die Börse in Lima für ein paar Stunden gesperrt werden musste, weil der
Aktienindex um 8.7 % fiel als die Ergebnisse bekannt wurden - und damit auch
für die gesamte Bevölkerung, und was er sagt, sollte hinterfragt und
überprüft werden. GERADE als Journalistin!

napfiatgott
22
Gefahr?

Was hilft ein steigender Aktienkurs, wenn das generierte Vermögen unter den 2% Reichsten des Landes verteilt od ins Ausland geschafft wird. Der Kurs geht wohl aus Furcht der Investoren nach unten, sie könnten in Zukunft zur Kasse gebeten werden! Rohstoffstoffsouveränität kannte das Land bisher nicht. (Indigene) Menschenrechte - wie bitte? Und wo hat sich die Situation (speziell am Land) unter Toledo, Garcia oder sonstigen Geldhaien verbessert? Nach wie vor verhungern Menschen auf dem Altiplano im Winter, erfrieren Kinder oder überleben Lungenentzündungen nicht - in ihren Lehmbaracken, während sie wahrscheinlich in San Isidro an ihrem Achterl nippen. Aufwachen! Nicht ihrer veranlagten Kohle nachtrauern oder den Faschismus herbeifantasieren!

Waldviertler1
10
schön geschrieben, auch wenns eine hässliche Wahrheit ist! Der Reichtum des Westens ist das Matyrium der Armen.

Gast Gast2
21

Der Fall des Aktienindexes verdeutlicht, dass Investoren kein Vertrauen in Humala haben, z.B. weil er mit Hugo Chávez sympathisiert (wie die Situation in Venezuela derzeit nach der Vestaatlichung von zahlreichen Unternehmen und nach der Absetzung der Pressefreiheit ist, brauche ich glaube ich nicht näher erläutern), und wenn niemand mehr in das Land investiert, hilft das Keinem weiter, das ist wirtschaftliches Basiswissen. Dass das gesamte Land vom Wirtschaftswachstum profitieren muss, wird hoffentlich niemand abstreiten - aber so etwas braucht ZEIT! Ein Politiker, der auf die Bibel schwören muss, dass er den Wirtschaftswachstum nicht beeinträchtigen wird, ist nicht sehr glaubwürdig...

Gast Gast2
32

Ich verweise noch auf diesen Artikel vom Economist vom Mai diesen Jahres, in dem sehr gut nachzulesen ist, wie sich das Land im letzten Jahrzehnt weiterentwickelt hat, z.B. ist der Prozentsatz von in Armut Lebenden von 49% auf 35% von 2004 bis 2009 gesunken. Brilliant fand ich Toledo auch nicht, und auch Garcia widert mich an, aber immerhin haben sie es geschafft, den Grundstein für das Wirtschaftswachstum zu legen.

http://www.economist.com/node/18486281

karim massoul1
12

DAS IST PURER UNSINN,GEHEN SIE NACH PERU UND SIE WERDEN DIE WAHRHEIT SEHEN!!!!!

Horst Holger
21
genau, karimchen, das solltest Du im Falle von Venezuela vielleicht auch mal tun

..dann darfst Du im Forum auch mal wieder mitposten.....

Dr. Ehrlich
00
Na mal schauen was das wird.

napfiatgott
02
hauchdünn?

Für Sandra Weiss sind 2,68% Vorsprung (bei 92% ausgezählten Stimmen) "rund 2%". Das sind immerhin mehr als 370.000 Stimmen.
Hauchdünn war die erste Hochrechnung, da war Keiko 20.000 Stimmen im Rückstand.
Ansonsten ein versöhnlicher Artikel von Frl. Weiss, so kennt man das gar nicht.

Warentester
12

"...mit einem hauchdünnen Vorsprung von rund zwei Prozent..."

Naja, 2% ist zwar nicht viel, aber als hüchdünn würde ich das auch nicht bezeichnen. Aber wenn's der Sandra hilft, damit sie weniger Weinen muss, weil wieder eins der bösen "roten Gfrießer" oben auf ist, bitte. Sie ist ja arg geprüft in letzter Zeit...

brachliegende Werbefläche
03

von Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa unterstützt ... ja, im moment des Triumphes, vorher weniger.

Sebastián Piñera hatte wohl auch eine zweite Seele in seiner Brust, als er gratulieren ging.

Die Sonne scheint mir auf den Bauch, das ist fein..
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Sebastián Piñera hatte wohl auch eine zweite Seele in seiner Brust, als er gratulieren ging.

Warum? Anstand und eine gute Erziehung heißt ja nicht, daß man politisch einer Meinung sein muß.

Malkaye
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damit rechtfertigen sie wohl auch sein verhältnis zur pinochet-diktatur...

Die Sonne scheint mir auf den Bauch, das ist fein..
00
damit rechtfertigen sie wohl auch sein verhältnis zur pinochet-diktatur...

Ich rechtfertige gar nichts, und das ist mir auch völlig egal.
Ich habe ihm ja nur gute Umgangsformen bestätigt, welche hier in Kolumbien Santos Vorgänger sehr vermisen ließ.

Der Neue Mensch
51

Wie ist denn sein Verhältnis zur Pinochetdiktatur?

Malkaye
14

"In 1998, Piñera opposed the arrest and detention of Augusto Pinochet, in London, initiated by Baltasar Garzón, arguing that it was an attack on the sovereignty and dignity of Chile.[21]"

http://en.wikipedia.org/wiki/Seba... cal_career

falls ihnen die quelle nicht reicht, die fußnote verlinkt zu einer spanischsprachigen seite.

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