Japans Regierung scheitert in Sachen Krisenkommunikation
Schnell reagieren, Neues sagen und nicht lügen - das sind die drei Grundregeln der Krisenkommunikation. Japans Regierung hat keine davon beherzigt.
Seit Montag ist die Kernschmelze in den Reaktoren Fukushima 1 bis 3 amtlich bestätigt - bekannt war sie seit Mitte März. Ähnlich prompt stuften die Behörden das Unglück in Fukushima auf Stufe sieben der Ines-Skala für atomare Unfälle hoch - Wochen, nachdem die meiste Radioaktivität ausgetreten war. Andere Ankündigungen kamen dafür schnell: Die Lage sei "in nicht weiter Ferne" unter Kontrolle, versprach Regierungschef Naoto Kan kurz nach dem Beben. Ein stabiles Fukushima ist bis heute nicht in Sicht.
75 Prozent der Japaner finden daher, der Premier habe seine Sache schlecht gemacht. Ein Misstrauensvotum vergangenen Donnerstag überstand er nur, weil er den Widersachern in der eigenen Partei versprach, bald abzutreten. Dabei hat sich der Premier redlich bemüht, transparent zu arbeiten. Gescheitert ist er zum guten Teil an der Verflechtung zwischen Aufsichtsbehörde, Energieministerium und AKW-Betreiber Tepco. Jahrzehntelang war diese Trias niemandem Rechenschaft schuldig - da braucht es mehr als eine Flutwelle, um die Mauer des Schweigens zu brechen.
Geht es nach Umfragen, wird die oppositionelle LPD nun bald mitregieren. Das freut dann nicht nur die Mehrheit im Volk, sondern auch einen der wichtigsten Parteispender der LPD: das Management von Tepco. (Tobias Müller, DER STANDARD-Printausgabe, 7.6.2011)