Der neue Premier bleibt auf striktem Sparkurs

Reiner Wandler, 6. Juni 2011, 17:59
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    Das wird forte: Pedro Passos Coelho, der Wahlsieger, sieht einer schwierigen Zukunft für Portugal entgegen.

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Wahlsieger Pedro Passos Coelho ruft einen "Moment absoluter Arbeit aus", das Land manövriert weiter am finanziellen Abgrund

Der designierte neue portugiesische Regierungschef Pedro Passos Coelho will das Land konsequent auf einen Sparkurs führen. Der Wahlsieger sagte, er sehe sich verpflichtet, die Auflagen des Rettungspakets einzuhalten.

***

Portugals Premier José Sócrates hatte eine Wahlschlappe erwartet. Doch dass sie so deutlich ausfiel, schmerzte dann doch. "Ich werde mich nicht hinter den Umständen verstecken. Diese Niederlage ist meine Niederlage", erklärte der Sozialist sichtlich bewegt und legte noch in der Wahlnacht nach 25 Jahren in der Politik all seine Parteiposten nieder. Die Sozialistische Partei (PS) hatte bei den Parlamentswahlen am Sonntag 8,5 Prozent der Wählerstimmen verloren. Mit nunmehr 28,1 Prozent erhält die PS nur noch 73 Abgeordnete statt bisher 97. Es ist das schlechteste Ergebnis seit 20 Jahren. Sócrates, der seit 2005 regiert, hatte die Wahlen vorgezogen, nachdem er mit seiner Sparpolitik am Parlament gescheitert war und das Land unter den Eurorettungsschirm schlupfen musste.

Bei der Sozialdemokratischen Partei (PSD) herrschte hingegen Freude und Jubel. Die Konservativen haben 9,5 Prozent dazugewonnen und erhalten mit 38,6 Prozent 105 statt bisher 81 Abgeordnete. Es fehlen nur zehn Sitze zur absoluten Mehrheit. Die PSD eroberte erstmals mehrere ländliche Bezirke, die als rote Hochburgen galten, sowie die beiden Großstädte Lissabon und Porto. Es sei "nicht der Augenblick für Siegerfeiern", sondern der "Moment absoluter Arbeit", gab sich Pedro Passos Coelho, Spitzenkandidat und künftiger Regierungschef dennoch bescheiden und patriotisch. Eine Rolle, die der 47-jährige Wirtschaftswissenschafter den ganzen Wahlkampf über erfolgreich ausfüllte. In den kommenden Tagen wird die PSD mit der rechtskonservativen CDS-PP, die mit 24 Abgeordneten ins neue Parlament einzieht, Verhandlungen aufnehmen, "um eine starke Regierung zu bilden".

Die CDS-PP erzielte 11,7 statt bisher 10,4 Prozent. Das kommunistisch-grüne Wahlbündnis CDU hält seine 7,9 Prozent, gewinnt aber einen Abgeordneten hinzu. Der Linksblock (BE) verlor knapp die Hälfte der Stimmen und Abgeordneten und wird künftig mit 5,2 Prozent noch acht Sitze haben.

Sócrates, der seit 2005 die Geschicke Portugals lenkt, bezahlt für die Krise. Portugal verbuchte Ende 2010 Staatsschulden von über 90 Prozent des BIPs und ein Haushaltsdefizit von 9,1 Prozent. Der in Minderheit regierende Sozialist hatte drei umfassende Spar- und Steuerprogramme aufgelegt. Jedes Mal war es das Ziel, das Haushaltsdefizit bis 2013 auf drei Prozent zu senken (siehe Artikel unten). Die Rechnungen schienen aufzugehen, doch dann stuften die internationalen Ratingagenturen das Land ab. Die Risikozuschläge fraßen die Ersparnisse. Letztendlich scheiterte Sócrates Ende März an einem vierten Kürzungsvorhaben. Die PSD von Wahlsieger Passos verweigerte ihre Zustimmung im Parlament. Die Flucht unter den Eurorettungsschirm und damit der Gang zur EU und zum Internationalen Währungsfond (IWF) wurde unumgänglich. Sócrates rief vorgezogene Neuwahlen aus.

"Es ist besser, um Hilfe zu bitten, als an Hunger zu sterben", verteidigte sich Passos, als er von Sócrates beschuldigt wurde "dem IWF die Türen geöffnet" zu haben. Passos fällt jetzt die Aufgabe zu, die mit IWF und EU ausgearbeiteten Bedingungen für die Finanzhilfe von 78 Milliarden Euro umzusetzen. "Die Jahre, die vor uns liegen, verlangen von allen Portugiesen viel Mut", erklärte der Konservative nach seinem Wahlsieg.

Ein Blick in das Memorandum zeigt: Die Hilfe kommt den Portugiesen teuer zu stehen. Das Ziel ist, wie bereits unter Sócrates, die Senkung des Defizits auf drei Prozent bis 2013, nur dass Portugal jetzt wesentlich stärker verschuldet ist, als zu Beginn der Krise. Ob bei Gehältern im öffentlichen Dienst oder bei den Renten, ob im Erziehungssystem oder im Gesundheitswesen, es wird überall die Schere angesetzt. Die Verbrauchersteuern werden angehoben, der Arbeitsmarkt wird weiter flexibilisiert.

Die Wirtschaft Portugals wird dadurch in diesem und dem nächsten Jahr um jeweils zwei Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit, die derzeit bei 12,4 Prozent liegt, wird deutlich weiter steigen. Soziale Konflikte sind vorprogrammiert. Am Tag vor den Wahlen räumte die Polizei gewaltsam den Rossio-Platz im Zentrum Lissabons, wo nach spanischem Vorbild mehrere hundert Menschen ein Prostestcamp für "echte Demokratie" und gegen das "Diktat der Märkte und des IWF" errichtet hatten. "Wir brauchen viel Geduld, denn die Ergebnisse werden sich nicht von einem Tag auf den anderen einstellen", bereitete Passos die Portugiesen auf die neue Ära vor. (Reiner Wandler, STANDARD-Printausgabe, 7.6.2011)

Kommentar posten
25 Postings
1116er
00
destruktives verhalten wird in der wahlzelle belohnt!

das kann man allerdings nicht den portugiesischen wählern vorwerfen, wenn man in einem staat lebt, wo das quasi 'erfunden' wurde...

flotter denker
21
Portugal hat noch eine Chance

Wenn die nicht nur sparen, sondern auch liberalisieren, dann koennen die Portugiesen erstmals seit dem 16. Jahrhundert ein Staat werden, der den Anderen voraus ist.

Baaron Arr
11

voraus im sinne einer sklavengesellschaft (wie im 16. jahrhundert)? loled ;)

flotter denker
10
Nix verstanden

Im 16. Jahrhundert war Portugal top - im Vergleich zu anderen Laendern der Zeit. Niemand will, dass Portugal sich zu einer Gesellschaft wie im 16. Jahrhundert zurueckentwickelt, sondern im Gegenteil, in der Entwicklung die Anderen ueberholt.

Pessimist-Realist
 
00
Dank der EU haben sie keine andere Wahl.

Aber das ist womöglich das Ziel dieses Vereins, regionale Regierungen entmachten, egal wie, um die Macht zu monopolisieren.

xEurocent
02

Wenn man sich anschaut was die nationalen Regierungen aufführen wäre das vielleicht gar nicht mal so schlecht, vorausgesetzt eine zentrale EU-Regierung wäre demokratisch legitimiert.

Pessimist-Realist
 
01

So demokratisch, wie die EU derzeit ist...

Nirgendwo
01

Die stehen doch ohnehin alle unter Vormundschaft der EU-Reichsfinanzverweser.

märchenonkel
03
Den Teufel mit dem Belzebuben austreiben ...

Christoph Karl Steininger
01
Das wird mir ewig unerfindlich bleiben!

Wieso hilft es dem Fiskus eines Staates seine Schulden zu bezahlen indem man die Wirtschaft schrumpft?
Jeder vernünftige Mensch würde eher das Gegenteil annehmen.
Höhere Steuern bei sinkender Wirtschaftsleistung führen höchstens zur Verarmung der Bürger und spülen eher weniger Geld in die Kassen als mehr!
Sparen kann man ja nur wenn man was hat!
Man kann ja nicht etwas einsparen von Einkünften die man nicht hat!

Walter Bimini
00
13.6.2011, 00:44
man kann bei den ausgaben sparen vorallem dann, wenn man weniger einnimmt als man bisher ausgegeben hat.

portugal ist pleite und es muß sparen - spätestens nach der auflösung der eudssr. denn niemand wird portugal dann noch neue kredite geben.

Thyristor
04

Mit ökonomischer Vernunft ist da nichts mehr zu bestellen. Hier geht es nur noch um eine Logik: Die der von der Leine gelassenen Finanzmärkte. Die interessiert in keiner Weise, wenn eine Volkswirtschaft dauerhaft ruiniert wird. Und die politischen und sozialen Konsequenzen erst recht nicht.

Soft Werker
111
Sie sprechen mir aus der Seele...

...die Wirtschaft kann man nur ankurbeln, indem man Steuern SENKT, genauso wie es die Republikaner in den USA ja vorschlagen - nur leider wollen die Demokraten, die noch 1 1/2 Jahre lang den Präsidenten stellen und derzeit noch die Mehrheit im Senat haben, leider Gottes die Steuern erhöhen (fällt denen irgendwann einmal etwas anderes ein, als Steuern zu erhöhen?).

Auch in unserem Land will die Volkspartei die Steuern senken und die Sozialisten wollen die Steuern erhöhen bzw. sogar neue Steuern einführen!

xEurocent
00

Die Steuern sind in den USA so niedrig wie seit 60 Jahren nicht mehr und wo bleibt das große Wirtschaftswunder?

edson arantes do nascimento
00
völlig richtig!

so wie es g.w.bush 8 jahre lang vorgelebt hat um den staat mit einem großen budgetüberschuss und in einem prächtigen zustand an obama zu übergeben, ähm oder war das clinton?

oblomow II
02
au weh

... das konzept, gebt den gstopften, dann bröselt es nach unten ist nachweislicher unfug.
geld wird nur dort sofort umgesetzt, wo es in den täglichen konsum geht.
daher würde eine steuersenkung nur bei den unteren steuerklassen belebend wirken.
steuergeschenke für die habenden werden nur für die vermögensbildung verwendet und beleben nur einen markt, die börse, mit bekannten folgen.

Ivan Bukov
00

Unfug nicht aber auch kein Allheilmittel

abschreiben ok, aber von der APA?
111
Die Wirtschaft kann man nur ankurbeln, indem man MASSENsteuern senkt und so die mittleren und unteren Einkommen entlastet.

Die Reps wollen ebenso wie die VP Steuergeschenke für die absolute Oberschicht durchsetzen bzw. bewahren, Sie können sich Ihr manipulatives Gewäsch also schenken.

Soft Werker
81
Verschonen sie uns mit ihrer vulgären Diktion...

...die sie wahrscheinlich bei den Roten Falken oder bei ihrem Arbeitgeber in der Löwelstraße gelernt haben.

Obama plant z.B., eine USA-weite Mehrwertsteuer einzuführen und somit eine MASSENsteuer, denn sogar ihm ist es klar, dass die Leistungsträger nicht noch weiter belastet werden können. In den USA ist es derzeit schon so, dass 47% aller Haushalte überhaupt keine federal income tax zahlen und es ist für den Zusammenhalt einer Gesellschaft extrem gefährlich, wenn dieser Prozentsatz auf über 50% ansteigt - dann herrscht nämlich die Diktatur des Proletariats, also die Mehrheit der Nicht-Steuerzahler schanzt sich dann mehr und mehr Transferleistungen zu, die dann von einer Minderheit (den Steuerzahlern) finanziert werden müssen.

p.p.
01

Sagen sie mal, diese Leistungsträger da, tragen sie wirklich die Leistung der Gesellschaft bis zu ihren Konten oder schieben sie sie vielleicht. Denn dann wäre die korrekte Bezeichnung Leistungsschieber, es sei denn sie rollen die Leistung bis dort hin, was einfacher wäre, aber dann müsste man sie ja Leistungsroller nennen.
Andere Bezeichnungen können sie selbst erfinden..

PS: Warum eigentlich muss ich, als Konsument, eine Steuer zahlen für den Mehrwert (Gewinn) des Produzenten oder anders gefragt, warum werde ich für die Profite anderer bestraft? Ob das das Wesen des Systems ist... was meinen sie?

Handsome Bob
01

Leistungsträger, soso.

Wie echauffierte sich doch Warren Buffet so schön, dass er einen geringeren Prozentsatz an Steuern zahlt als seine Sekretärin?

oblomow II
00
lieber

... eine diktatur des proletariats, als die der plebejer...

wobei mir keine von beiden recht ist ...

Nirgendwo
04
Das ist Politik,

wie sie Brüning in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland praktizierte: Je grösser die Krise, desto mehr sparen, weshalb die Krise verschlimmerte usw.

Die Folgen sind bekannt: 1933 haben die Nationalsozialisten die Regierung übernommen.

abschreiben ok, aber von der APA?
00

Geschichte ist dazu da, nichts aus ihr zu lernen.

Thyristor
01

Nach dem Motto: Spiel's noch einmal, Sam. Es wird wieder im Desaster enden.

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