Parkplätze nur für jene, die im Bezirk wohnen

6. Juni 2011, 18:14
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In Wien wird es künftig eigene Stellplätze für Bezirksbewohner geben

Damit sollen Grätzel, in denen die Anrainer trotz Parkpickerls stundenlang auf der Suche nach einem Parkplatz kreisen müssen, entlastetet werden.

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Wien - In jenen Wiener Bezirken, in denen es Parkraumbewirtschaftung gibt, wird es künftig Stellplätze geben, auf denen nur noch Bewohner und Bewohnerinnen des jeweiligen Bezirkes ihr Auto abstellen dürfen. Laut einem Gutachten der MA 65 (Rechtliche Verkehrsangelegenheiten) ist es rechtlich möglich, unter bestimmten Voraussetzungen sogenannte Anwohnerparkplätze zu schaffen: So muss erhoben und nachgewiesen werden, dass trotz Parkpickerlpflicht viele Autofahrer lange Zeit kreisen müssen, um einen Parkplatz zu finden. Die Anzahl der Anwohnerparkplätze darf pro Bezirk zehn Prozent der Gesamtstellplätze nicht überschreiten, und es können nicht nur die Anrainer einer bestimmen Straße auf den reservierten Stellplätzen parken, sondern alle, die ein Parkpickerl für den Bezirk haben.

"Damit wollten wir verhindern, dass es zu einem zusätzlichen bürokratischen Aufwand für die Betroffenen kommt" , sagte am Montag Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne), "außerdem sollte es eine rasche Abhilfe für die Parkplatzsuchenden geben" . Es werde aber, so Vassilakou, "keine 08/15-Lösung geben, die auf alle übertragen wird" .

Konkret werden die Bezirke künftig einen Antrag stellen, danach wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, bei dem es für jedes Grätzel und jede Straße, die in eine Anwohnerparkzone umgewandelt werden sollen, eine individuelle Bedarfserhebung geben wird. Die Parkzonen für Bewohner sollen mit einem eigenen Schild gekennzeichnet werden.

Die Wirtschaftskammer Wien lehnt das Vorhaben ab, da es Wettbewerbsnachteile für Unternehmer brächte, wobei Vassilakou ausdrücklich betonte, dass Ladezonen nicht betroffen seien.

Wahlkampfforderung

Die ersten Bewohnerstellplätze soll es in der ersten Jahreshälfte 2012 geben. Als Kandidaten für Pilotprojekte nannte Vassilakou die Innere Stadt, Neubau und die Josefstadt. Bewohnerparken war im 1. Bezirk bereits im Wahlkampf ein Thema. Bezirksgrüne und -VP hatten sich dezidiert dafür ausgesprochen. Die schwarze Citychefin Ursula Stenzel hat sogar gefordert, dass alle Nebenfahrbahnen des Rings reserviert werden sollen. Stenzel hält allerdings von der Zehn-Prozent-Grenze für Anrainerstellplätze wenig. Es müsse, falls nötig, möglich sein, über den ganzen Bezirk verteilt Bewohnerparkplätze zu schaffen, sagt eine Sprecherin Stenzels. Für einen Pilotversuch nennt sie die Gegend rund um den Neuen Markt und um das Palais Hansen am Schottenring.

Stenzels Partei- und Amtskollegin Veronika Mickel kann sich im 8. Bezirk für die Gegend hinter dem Rathaus bis zum Theater in der Josefstadt eine Anrainerlösung vorstellen. "Wir haben durch die Besucher der Veranstaltungen auf dem Rathausplatz, aber auch durch die Theaterbesucher Parkplatznot." Thomas Blimlinger, grüner Bezirksvorsteher von Neubau, sieht das Grätzel um Burggasse, Kirchengasse, Lerchenfelder Straße und Museumstraße als Hotspot für Anwohnerparkplätze. "In dem Viertel gibt es kaum Garagenplätze" , sagt Blimlinger.

Zu wenige Parkplätze und eine geplante Garage unter der AHS Geblergasse sorgen in Hernals weiter für Unmut. Darüber, dass Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer (SP) am Montag eine Anrainerbefragung gestartet hat, ohne weiter zu diskutieren, ob sich die Schüler beteiligen können, zeigte sich Vassilakou "politisch enttäuscht" . Pfeffer versteht die Aufregung nicht. "Bei der Frage, wer abstimmungsberechtigt sein soll, sind wir im Bezirk auf keinen Nenner gekommen." (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD-Printausgabe, 7.6.2011)

  • Parkplatznot herrscht auch in vielen Bezirken, für die es ohnehin eine Parkpickerlpflicht gibt. "Anwohner" -Parkplätze sollen nun Erleichterung bringen.
    foto: standard/cremer

    Parkplatznot herrscht auch in vielen Bezirken, für die es ohnehin eine Parkpickerlpflicht gibt. "Anwohner" -Parkplätze sollen nun Erleichterung bringen.

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