Die evangelische Kirche sucht aktiv nach Mitgliedern

6. Juni 2011, 17:12
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Bünker: "Werben ja, abwerben nein"

Wien - Die evangelisch-lutherische Kirche geht in die Offensive. Zum ersten Mal versucht die drittgrößte Glaubensgemeinschaft des Landes aktiv und im großen Stil Mitglieder zu gewinnen. Mit der Aktion "Du bist mehr" will die Kirche "Menschen neu ansprechen" und auch "neue Menschen ansprechen", erklärte Bischof Michael Bünker auf einer Pressekonferenz.

In etwa der Hälfte der Pfarrgemeinden werden einheitlich am 18. und 19. Juni Pfarrfeste gefeiert. Ein TV-Spot wird in heimischen Privatsendern geschaltet und soll für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen. "Es geht darum, Religion in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und nicht ins Private abzudrängen", sagt Bischof Bünker.

Bisher hatte die evangelische Kirche versucht, keinen offenkundigen Mitgliederfang auf Kosten der katholischen Kirche zu betreiben. Die steckt nach dem Bekanntwerden zahlreicher Fälle von sexuellem Missbrauch in einer massiven Krise, mit rasant sinkenden Gläubigerzahlen.

Auch bei der evangelischen Kirche gibt es Austritte, allerdings in geringerem Ausmaß als bei der katholischen. Der Lutherischen Kirche gehören in Österreich derzeit 310.000 Mitglieder in 196 Pfarrgemeinden an, der Reformierten etwa 14.000.

"Die Stärke der evangelischen Kirche ist die Nähe zu den Menschen", sagt Bünker. Er möchte deutlich machen: "Werben ja, abwerben nein."

Abschiebung ein "Affront"

Es sei ein Anliegen der Kirche, sich in gesellschaftliche Fragen einzubringen. In den vergangenen Monaten hatte sich die evangelische Kirche vermehrt für die Rechte von Asylwerbern eingesetzt. Bischof Michael Bünker kritisierte scharf die Art der Abschiebung eines 20-jährigen Asylwerbers aus Gambia, dem die evangelische Kirche in Tirol Kirchenasyl gewährt hatte.

Es sei ein "Affront" und ein "merkwürdiger Zusammenfall", dass der Mann festgenommen worden sei, als sich die Tiroler Superintendentin auf Urlaub befand, sagte Bünker. Er beklagte die mangelnde Information der Behörden und hat seinen Unmut Kanzler Werner Faymann (SPÖ) mitgeteilt. Nun warte er auf eine Reaktion. (Saskia Jungnikl, STANDARD-Printausgabe, 7.6.2011)

  • Bünker ist über die Abschiebung eines Asylwerbers massiv verärgert.
    foto: standard/urban

    Bünker ist über die Abschiebung eines Asylwerbers massiv verärgert.

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