Für Neuroblastom-Patienten - Neue Behandlung erhöht Überlebensrate und Zeit ohne Rückkehr der Erkrankung etwa um die Hälfte
Wien/Chicago - Bessere Therapie für kleine Krebspatientinnen: Eine europäische Studiengruppe unter Ruth Ladenstein vom Wiener St. Anna-Kinderspital hat mit der Präsentation einer in mehreren Staaten Europas durchgeführten Untersuchung zur Behandlung der bei Babys häufigsten Krebserkrankung, dem Neuroblastom, beim amerikanischen Onkologenkongress (ASCO) in Chicago am Sonntag einen neuen Standard geschaffen. Damit lassen sich Überlebensrate bzw. Zeit ohne Rückkehr der Erkrankung etwa um die Hälfte steigern.
"Die Ergebnisse dieser Studie sind wichtig für Patienten mit dieser extrem schwierig zu behandelnden Krankheit", sagte Ruth Ladenstein bei einer Pressekonferenz im Rahmen des ASCO-Kongresses. Das Neuroblastom als Krebserkrankung von spezialisierten Nervenzellen ist die häufigste Krebserkrankung von Kindern im Alter bis zu einem Jahr und verursacht rund 15 Prozent der Todesfälle infolge von bösartigen Leiden bei Kindern. Normalerweise wird mit einer Chemotherapie therapiert, welche die Krankheit zum Verschwinden bringen soll.
Krebszellen besser vernichten
Zusätzlich gibt es chirurgisches Vorgehen, Strahlenbehandlung und die Zerstörung des Knochenmarks samt nachfolgender Stammzelltransplantation. Das killt auch allfällige restliche Krebszellen im Blut bildenden System. Dazu wurde bisher eine Therapie mit den Substanzen Carboplatin, Etoposid und Melphalan verwendet. Die Wissenschafter erprobten bei 536 Kindern im Durchschnittsalter von drei Jahren und einem Neuroblastom im fortgeschrittenen Stadium eine andere Arzneimittelkombination: Melphalan und Busulphan. Das beseitigt offenbar Knochenmark und Krebszellen deutlich besser: Nach drei Jahren lebten ohne Rückfall noch 49 Prozent der Kinder, hingegen 33 Prozent in jener Gruppe, die herkömmlich behandelt worden war. Die Überlebensraten nach drei Jahren betrugen 60 beziehungsweise 48 Prozent.
Die Studie wurde wegen des sich abzeichnenden, statistisch signifikanten Erfolges vorzeitig abgebrochen. Ohne Zweifel ist die Therapie auf jeden Fall ausgesprochen belastend. In der Gruppe mit der neuen Behandlungsform starben drei Prozent der Kinder an den Folgen der Therapie, in der Vergleichsgruppe fünf Prozent. Zusammen mit einer neuen zusätzlichen Immuntherapie könnte man eventuell die Überlebensrate auf mehr als 50 Prozent hoch schrauben, sagte Ruth Ladenstein in Chicago. (APA)