Prophylaxe

Parodontitis: Vom Bluten zum Zahnausfall

6. Juni 2011, 16:34
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    foto: apa/hans wiedl

    Parodontitis-Patienten müssen ein Leben lang zur Kontrolle

Mit richtiger und gründlicher Mundhygiene sowie professioneller zahnärztlicher Betreuung kann Parodontitis vorgebeugt werden

Kitzbühel/Wien - Die Parodontitis gehört laut World Health Organization (WHO) zu den häufigsten und unterschätzten Volkskrankheiten. Obwohl mehr als 50 Prozent des Zahnverlustes auf diese Erkrankung zurückzuführen sind, werden die Erkrankung und deren mögliche Folgen in weiten Teilen der Bevölkerung nach wie vor zu wenig ernst genommen. Ein Großteil der parodontalen Erkrankungen ließe sich durch geeignete Präventionsmaßnahmen verhindern oder zumindest abschwächen, meinen Experten in einer Aussendung anlässlich der 20. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie in Kitzbühel.

Nicht nur kosmetisches Problem

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodonts), die unbehandelt zur Lockerung und schließlich zum Verlust des Zahnes führen kann. Die Allgemeingesundheit des Patienten kann durch die jahrelange chronische Entzündung ebenfalls nachhaltig geschädigt werden. "Induziert und ausgelöst wird diese Erkrankung durch Bakterien, die sich in Form von Biofilmen an der Zahn- und Wurzeloberfläche etablieren. Was dann passiert, 'entscheidet' das jeweilige Immunsystem des Patienten. Zusätzlich können Risikofaktoren wie Rauchen, Stress, Stoffwechselstörungen wie schlecht eingestellter Diabetes eine entscheidende Rolle spielen", erläutert  Anton Mayr, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Imst. Vor allem Nikotinkonsum sei der bedeutendste Risikofaktor, Raucher erkranken deutlich häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher.

Risiko Biofilm-Bakterien

Damit Bakterien in ihrem feindlichen Umfeld überleben können, haben sie seit Milliarden von Jahren gelernt, so genannte "Kleber" zu bilden, damit sesshaft zu werden und sich als Gemeinschaft in Form einer schleimigen Masse zu organisieren. "Dabei verhalten sie sich wie ein Vielzeller, können sich untereinander verständigen, Botschaften austauschen, ja sogar je nach Bedarf Gene ein- oder ausschalten. Damit sind sie in der Lage, sich gegen medikamentöse Maßnahmen wie Antibiotika, Spülungen, Gele usw. zu schützen. Biofilme können nur mechanisch zerstört werden", so Mayr. Biofilminfektionen seien auch an anderen Körperstellen ein für die Allgemeinmedizin fast unlösbares Problem, beispielsweise an künstlichen Herzklappen oder an künstlichen Gelenksersätzen.

Parodontitis-Prophylaxe

"Da man das Immunsystem, das auf einen vorhandenen Biofilm in Form einer aggressiven oder chronischen, langsamer verlaufenden Parodontitis reagiert, nur begrenzt beeinflussen kann, richtet sich unser strategisches Hauptaugenmerk bei der Vorbeugung auf ein konsequentes 'Biofilmmanagement'. Wesentlicher Bestandteil vor Beginn einer solchen parodontalen Prophylaxe sei eine parodontale Grunduntersuchung (PGU), die vom Zahnarzt durchgeführt wird. Dabei wird festgestellt, ob das Zahnfleisch gesund ist, ob eine Gingivitis (oberflächliche, reversible Entzündung des Zahnfleisches) oder bereits eine beginnende oder fortgeschrittene Parodontitis vorliegt. Auch eine reversible Gingivitis ("Zahnfleischbluten") müsse ernst genommen und behandelt werden, und zwar solange bis das Zahnfleisch straff und gesund ist, da sich sonst daraus Parodontitis entwickeln kann. Ursache einer Gingivitis sind zumeist bakterielle Beläge (Biofilme). Daher müssen bei einer Prophylaxesitzung diese durch Anfärben sichtbar gemacht und eine eventuell fehlerhafte Mundhygiene des Patienten in eine effiziente und gleichzeitig schonende Putztechnik umgestellt werden.

Zahnstein entfernen

All diese Bemühungen sind aber nicht möglich, wenn Zahnstein vorhanden ist, denn dessen Oberfläche besitzt mikroskopisch tiefe raue Stellen, die es unmöglich machen, Beläge effizient zu entfernen. Daher muss dieser bei der Prophylaxe genauestens entfernt und die behandelten Stellen poliert werden, da nur an glatten Oberflächen eine effiziente Putztechnik durchgeführt werden kann. Danach werden Risikostellen fluoridiert, um auch Kariesprophylaxe zu etablieren.

Patienten mit einer bereits etablierten Parodontitis weisen sogenannte parodontale Taschen auf. Diese Taschen werden bei der parodontalen Grunduntersuchung diagnostiziert, indem eine an der Spitze abgerundete Parodontalsonde zwischen Zahnfleisch und Wurzeloberfläche in die Tiefe eindringt.

Nachbetreuung

Auch nach einer systematischen Parodontalbehandlung muss ein Patient ein Leben lang in regelmäßigen Abständen, je nach individuellem Risiko, nachbetreut werden. Dabei müssen Risikostellen ab vier Millimeter Sondierungstiefe regelmäßig nachinstrumentiert werden, da man individuell selbst nur bis etwa drei Millimeter subgingival (unterhalb des Zahnfleisches) selbst reinigen kann. Auch parodontale Indices oder Befunde müssen regelmäßig erhoben werden, um etwaige neue Entzündungsaktivitäten zu erkennen und gegebenenfalls sofort stoppen zu können. (red, derStandard.at)

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14 Postings
kor-del
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Liebe WGKK

Danke, daß für Parobehandlung keine Kosten übernommen werden!

Meto
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Empfehle Neem Zahnpasta (gibts tw. in indischen Läden). Ist echt gut.

astemp79
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Sole

(selbst ansetzen) ist ebenfalls sehr gut zum Zähneputzen.

20min nach dem Essen 1TL Rechtsregulat und 1 TL Wasser im Mund bewegen und durch die Zähne ziehen: beseitigt Bakterien und löst Zahnbelag.

Ölziehen (1 EL kaltgepresstes Distelöl 10 min. im Mund bewegen - dann ins WC spucken und die Zähne samt Zunge gut putzen) ist äußerst effektiv, nicht nur gegen Zahnfleischprobleme. Zieht Giftstoffe aus dem Körper. Ein altes und gutes Hausmittel!

evin
 
01

Welche Giftstoffe werden da aus dem Körper "gezogen"?

marty fink
00
glaubens das da eine intelligente antwort kommt? :-)

gawi
 
01
Sicher Schlacken,

der menschliche Körper ist ja bekanntlich ein Hochhofen! ;-)

Pierre d´Aubusson
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Bitte liebe Teilprothesenträger, lassen Sie Ihre Prothese nicht alle paar Monate unterfüttern, denn das führt zu Paradontitis!
Befallen sind immer Zähne, die wegen eines fehlenden Gegenübers "herauswachsen". Da hilft auch regelmäßiges Putzen wenig. Sinkt jedoch die Teilprothese ein und die "Eigenen" stehen ein wenig vor, dann haben sie ein Gegenüber und werden stark beansprucht. Und das hilft (neben regelmäßigem Putzen) gegen Paradontitis. Da können sich sogar einigermaßen lockere Zähne wieder "festbeißen"

Angelika70
06

Solange die kranken Kassen nichts für die Mundhygiene zuschiessen, aber sehr wohl für die später notwendigen Zahnersätze, so lange werden sich nur wenige Menschen die teure Prophylaxe leisten (können).

Mein Zahnarzt verlangt für Mundhygiene zwischen 120.- und 180.- Euro.

immer schön freundlich
01

tipp: zu hause bessere mundhygiene betreieben - habe die sitzungen so erfolgreich von 1 stunde auf eine halbe reduzieren können, weil weniger zahnstein da war!

Arbeit für die Zensur
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STIMMT, ausgesprochen teuer, für knapp 1 Stunde Putzarbeit 120.- TEURO ist der Gipfel, da ist ja jeder Arbeiter "deppert" der um 40.- EURO/Stunde sich abrackert.

peter kadlec
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Gehn´s doch einfach zum Arbeiter (Installateure im Pfusch verlangen circa 40.- bis 50,-) und lassen den die Mundhygiene machen. Aber Obacht: Mit Rechnung will auch der Installateur einen Hunderter die Stunde...

Skye's the limit!
20
dann gehen Sie doch zur Zahnklinik.

Dort ist es definitiv günstiger und immer am neuesten Stand der Technik.

theWatcher14
02
Also...

..meine Paradontitis wird nach jeder Mundhygiene Behandlung schlimmer, dann besserts sichs ein wenig - bis zur nächsten Behandlung. Ich beginne, an der Nützlichkeit dieser (für mich sehr schmerzhaften) Behandlung zu zweifeln.

HAL 9000
01

Vielleicht sollten Sie den Zahnarzt wechseln. Mein voriger Arzt hat mir zu breite Kronen aufgesetzt, wodurch sich an den Anschlußstellen zwischen Zahn und Krone Ecken gebildet haben, in denen sich Bakterien fröhlich vermehrten. Jahrelang hatte ich leichtes Zahnfleischbluten.

Schließlich den Arzt gewechselt, der hat den Pfusch erkannt, neue Kronen gemacht, ergab sofort eine Besserung, und nach der ersten Mundhygiene war ich völlig beschwerdefrei.

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