Im Prozessauftakt wird dem ehemaligen IWF-Chef unter anderem vorgeworfen, im Mai versucht zu haben, eine Hotelangestellte vergewaltigt zu haben
New York - Dominique Strauss-Kahn hat sich im Vergewaltigungsprozess vor einem New Yorker
Gericht in allen Anklagepunkten für "nicht schuldig" erklärt. Er habe das
Zimmermädchen eines New Yorker Hotels nicht zum Sex gezwungen, beteuerte der
ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der
offiziellen Anklageverlesung in Manhattan.
Bei dem nur wenige Minuten
dauernden Auftritt wurde der Banker von seinen Staranwälten Benjamin Brafman und
William Taylor begleitet. Die Verteidigung dringt darauf, schnellstmöglich
Einblick in die Unterlagen und Zeugenbefragungen der Staatsanwaltschaft zu
bekommen. Richter Michael Obus stimmte zu. Am 18. Juli treffen sich alle
Parteien vor Gericht wieder.
Strauss-Kahn soll ein Zimmermädchen im
Penthouse eines Hotels am New Yorker Times Square zum Oralsex gezwungen haben.
Die 32-jährige Afrikanerin muslimischen Glaubens hatte Spermaspuren auf ihrer
Uniform - ein DNA-Test hatte ergeben, dass sie von Strauss-Kahn stammen. Nach
Einschätzung von US-Medien wird die Verteidigung des 62-jährigen Franzosen im
Laufe des Prozesses zu beweisen versuchen, dass es mit Einverständnis der Frau
zum Sex kam.
Opfer wird vor Gericht erscheinen
"Die Behauptungen, dass es sich um einvernehmlichen Sex
gehandelt habe, sind grotesk", sagte der Anwalt der Frau, Ken Thompson, im
Anschluss an die Anhörung vor Journalisten. "Sie wird selbst vor Gericht
erscheinen und schildern, was Dominique Strauss-Kahn ihr angetan hat." Sie sei
traumatisiert durch die Geschehnisse am 14. Mai.
Zu ihrer Unterstützung
waren Dutzende Zimmermädchen per Bus zum Gericht geeilt und skandierten
lautstark, als Strauss-Kahn vorbeilief: "Schäm Dich!" Wo sich die Klägerin
derzeit befindet, ist unbekannt. Um sie und ihre junge Tochter vor der
Öffentlichkeit zu schützen, lebt sie seit dem Vorfall an einem geheimen
Ort.
Die verwitwete Frau aus dem afrikanischen Guinea war nach eigenen
Angaben von Strauss-Kahn überwältigt und zum Oralsex gezwungen worden, als sie
sein Hotelzimmer saubermachen wollte. Sie habe sich später befreien können,
sagte sie. Strauss-Kahn wurde von der Polizei aus einem Flugzeug geholt, mit dem
er gerade in sein Heimatland abheben wollte.
Der Prozess selbst wird
voraussichtlich noch vor Ende des Jahres beginnen. Strauss-Kahn bleibt bis auf
weiteres unter Hausarrest. Er wohnt nur wenige Minuten vom Gericht entfernt in
einem luxuriösen Stadthaus im New Yorker Trendviertel Tribeca. Vor der Tür steht
ein bewaffneter Sicherheitsmann, Kameras überwachen jeden Schritt des Franzosen.
Seine Frau Anne Sinclair leistet ihm Gesellschaft. Auch vor Gericht war sie an
seiner Seite.
Strauss-Kahn war infolge der Vorwürfe, die Mitte Mai publik
wurden, als IWF-Chef zurückgetreten. Der Fall hat international hohe
Aufmerksamkeit erregt, auch weil Strauss-Kahn als aussichtsreicher Kandidat für
die französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr galt und damit als
Herausforderer von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. (APA/Reuters)