Krankheitsprognose

Mammakarzinom: Gewicht ohne Einfluss auf Verlauf

6. Juni 2011, 14:18

Österreichische Wissenschafter widerlegten Hypothese - Neue Therapien gegen Neuoblastom - Große Fortschritte beim Melanom

Wien/Chicago - Ein durch eine antihormonelle Therapie beim Mammakarzinom gestiegenes Körpergewicht verringert nicht die Überlebenschancen der Patientinnen. Das haben österreichische Krebsforscher herausgefunden und damit eine bisher gängige Hypothese widerlegt. Deutlich angestiegen sind die Überlebensraten bei Gehirntumoren (Glioblastome), wie Wiener Experten belegen konnten. Die Forschungsarbeiten wurden beim Jahreskongress der amerikanischen Onkologen (ASCO) in Chicago (bis 7. Juni) präsentiert, wo in den vergangenen Tagen aber auch besonders Fortschritte in der Melanomtherapie für Aufmerksamkeit sorgten.

Beim jährlich weltgrößten Krebskongress wurden völlig neue Behandlungsdaten beim Melanom präsentiert: Weist der Tumor eine bestimmte Mutation (BRAF V600-Mutation) auf, dann führte eine Behandlung mit dem kleinen, synthetischen Molekül Vemurafenib im Vergleich zu einer Behandlung mit dem Chemotherapeutikum Dacarbazine bei einer Beobachtungszeit von sechs Monaten zu einer um 63 Prozent reduzierten Mortalität (Überlebensraten von 84 bzw. 64 Prozent). Die entsprechende Studie mit dem von Roche entwickelten neue Arzneimittel wurde auch im New England Journal of Medicine publiziert. Der Effekt stellt sich allerdings nur ein, wenn wirklich die Mutation nachgewiesen ist. Das maligne Melanom war bisher kaum medikamentös behandelbar.

Gestiegene Überlebenszeit

Auf diesem Gebiet gibt es aber auch mit einem monoklonalen Antikörper (Ipilimumab/Bristol-Myers Squibb) neue und erfolgversprechende Daten. In Kombination mit dem Zytostaticum Dacarbazine stieg bei Patienten mit metastasiertem Melanom die durchschnittlich verbleibende Überlebenszeit von 9,1 auf 11,2 Monate. Nach einem Jahr lebten noch 47,3 Patienten unter der Kombinationsbehandlung im Vergleich zu 36,3 Prozent unter alleiniger Chemotherapie. Roche und der US-Konzern wollen in Zukunft Ipilimumab und Vemurafenib in klinischen Studien kombinieren.

Entdeckung österreichischer Forscher

Den Einfluss des Körpergewichts auf die Prognose von Brustkrebspatientinnen unter antihormoneller Therapie untersuchten Wissenschafter der MedUni Wien und der österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs. Infolge der möglichst vollständigen Blockade der Östrogenproduktion bei Patientinnen mit hormonabhängigem Tumor kommt es zu einem "künstlichen Wechsel", man glaubte, dass die damit oft verbundene Gewichtszunahme die Chancen der Patientinnen verringern könnte. Das war laut Georg Pfeiler (Universitäts-Frauenklinik) und seinen Co-Autoren aber nicht der Fall.

Wie sehr die modernen onkologischen Therapien auch Patienten mit ehemals kaum therapierbaren Gehirntumoren (Glioblastome) helfen, konnte der Wiener Onkologe (Universitätsklinik für Innere Medizin I) Matthias Preusser belegen: Mit Radiochemotherapie überleben immerhin fast 40 Prozent ein Jahr, 20 Prozent zwei Jahre, 15,5 Prozent schließlich drei Jahre. Das war vor Einführung dieser Art der Behandlung (bis 2005) praktisch undenkbar. Allerdings, so Preusser in der österreichweiten Analyse der Daten von insgesamt 375 Patienten, profitieren davon nur Erkrankte im Alter zwischen 18 und 69 Jahren. Langzeitüberlebende mit Glioblastomen (über drei Jahre), so eine andere von Onkologen der MedUni Wien erstellte Studie, zeigen zwar auch kognitive Beeinträchtigungen und haben physische Probleme, können aber zumindest das tägliche Leben meistern.

Selbst bei metastasiertem Brustkrebs samt Tochtergeschwülsten im Gehirn wirkt offenbar eine bei bestimmten Tumoren infrage kommende Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab (Herceptin). Das steigert die durchschnittliche Überlebenszeit auf immerhin noch 13 Monate (Chemotherapie allein: neun Monate, nur beschränkte lokale Therapie: drei Monate), belegt eine Analyse von Rupert Bartsch und seinen Co-Autoren der MedUni Wien anhand der Daten von 80 Patientinnen, welche am Wiener AKH behandelt worden waren.

Aggressives Protein

Schließlich haben Marina Pöttler von der Universitätsklinik für Innere Medizin I und ihre Co-Autoren in Gewebeuntersuchungen ein Merkmal von Nierenzellkarzinomen identifiziert, das mit einem aggressiveren Tumorwachstum verbunden sein dürfte: Es handelt sich um das Protein 4F2hc. Bei besonders bösartigen derartigen Tumoren findet es sich mit einer Häufigkeit von 96 Prozent, bei weniger aggressiven Formen zu 31 Prozent. (APA)

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