Wehrpflicht

Volksbefragung am Wahltag wäre "juristisch problematisch"

Katrin Burgstaller, 6. Juni 2011, 14:39

ÖVP ortet wegen Vertagung des Streithemas "positives Signal" - Faymann: Plebiszit nur Plan B

Bundeskanzler Werner Faymann will als Plan B die Volksbefragung zum Thema Wehrpflicht auf 2013 verschieben und gemeinsam mit den Nationalratswahlen abhalten (derStandard.at berichtete). Das offenbar zum Wohlgefallen des Vizekanzlers Michael Spindelegger. Er sehe darin ein "positives Signal", denn eine Abschaffung der Wehrpflicht sei damit bis 2013 vom Tisch. Die angepeilte Verquickung mit der Nationalratswahl wollte er am Rande einer Pressekonferenz nicht direkt kommentieren.

Auch die Vereinbarung im Regierungsübereinkommen von 2008, wonach die Koalitionsparteien Volksbegehren oder Volksbefragungen, die gegen Vorhaben des gemeinsamen Regierungsprogramms gerichtet sind, nicht forcieren dürfen, scheint in dieser Sache nicht tragend zu werden. Ob ein Volksbefragungsbeschluss gegen die ÖVP als Koalitionsbruch zu werten wäre und somit Neuwahlen anstünden, wollte VP-Klubobmann Karlheinz Kopf nicht beurteilen. Dass es zur Befragung kommt, glaubt er ohnehin nicht. "2013 sind wir längst in der Umsetzung der gemeinsamen Heeresreform", sagte er zur APA.

Wie ein Sprecher des Bundeskanzlers zu derStandard.at sagt, wäre die Volksbefragung am Wahltag nicht als Bruch des Koalitionsabkommens zu werten. "Dann befinden wir uns bereits im Wahlkampf". Vorerst hielte Faymann jedoch an Plan A fest und der heißt: Verhandeln. Bis zum Herbst will die Regierung Ergebnisse vorlegen. Möglicherweise einige man sich auch auf eine Volksbefragung die schon vor 2013 stattfinden könnte.

Premiere für Österreich

Auf Bundesebene hat hierzulande noch nie eine Volksbefragung stattgefunden. Diese in Kombination mit der Nationalratswahl abzuhalten, wäre also eine doppelte Premiere für Österreich. In anderen Ländern, etwa in Amerika sei es absolut üblich, Wahlen mit Volksbefragungen oder mit anderen direkten demokratischen Instrumenten zu verknüpfen, erklärt Klaus Poier, Assistenzprofessor am Institut für Österreichisches, Europäisches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre der Karl-Franzens-Universität Graz. Als Vorteil sieht Poier, dass es relativ kostengünstig ist, die Befragung gemeinsam mit einer Wahl abzuhalten und dass die Bürgerbeteiligung Dank der Kombination relativ hoch sein könnte. Nachteilig könnte sein, dass im Zuge des Wahlkampfes keine sachliche Diskussion zum Thema stattfinde. Die Aufschiebung der Volksbefragung sieht Poier als eine Strategie, um Zeit zu gewinnen und den Streit mit der ÖVP zu vertagen.

FPÖ: "Probleme jetzt lösen"

Damit eine Volksbefragung überhaupt stattfinden kann, müsste im Parlament eine Mehrheit dafür gefunden werden. Die FPÖ würde einer Volksbefragung zustimmen, allerdings nur, wenn sie jetzt stattfindet und nicht erst 2013. "Die Probleme beim Bundesheer müssen jetzt gelöst werden und nicht erst 2013", sagt FPÖ Generalsekretär Herbert Kickl im Gespräch mit derStandard.at. Das Bundesheer befinde sich in einer "Phase des Siechtums" und bis 2013 werde dieser Zustand nicht besser. Kickl sieht eine "Verzögerungstaktik, durch die die ohnehin mehr als fragile Koalition nicht unbedingt stabiler wird". Mit den Vorwürfen Kickls konfronitert, sagte Faymanns Sprecher, diese lägen unter seiner Wahrnehmungsgrenze und werden obendrein durch die Fakten widerlegt.

Niessl will Volk noch heuer abstimmen lassen

Auch der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) will das Volk noch heuer mitreden lassen. Die Argumente müssten ausreichen, dass die Volkspartei einer Volksbefragung noch in diesem Jahr zustimme, "so, wie es Vizekanzler (Josef, Anm.) Pröll (ÖVP) versprochen hat", meinte er: "Das ist für mich ein Weg, den man unbedingt gehen sollte."

"Verantwortung an das Volk delegieren"

Das Thema Wehrdienst wäre ideal um die Handlungsfähigkeit der Regierung zu beweisen, sagt Politikberater Peter Plaikner zu derStandard.at. Es sei im Gegensatz zu anderen großen Brocken, wie die anstehende Verwaltungs-, Gesundheits- und Bildungsreform ein "überschaubares" Sachthema. Der Vorwurf, dass die Regierung das Thema Wehrpflicht aufschieben möchte, sei nicht von der Hand zu weisen. "Seit dem Ende der 40er Jahre gab es noch nie so eine lange wahlfreie Periode, wenn man von den ORF-Wahlen einmal absieht", sagt Plaikner. Diese könnte die Koalition nutzen um die "wirklich unguten Dinge zu regeln", doch der Regierung fehle es an Visionen.

Ob er als Politikberater dem Bundeskanzler geraten hätte, die Volksbefragung 2013 abzuhalten? "Nein. Diese Regierung muss mit den Instrumente der direkten Demokratie sehr vorsichtig sein. Sie kommt sonst in den Verruf, ihre Veranwortung an das Volk zurückdelegieren zu wollen", so Plaikner.

"Juristisch nicht unproblematische Situation"

Die Kombination von Nationalratswahl und Volksbefragung eine "juristisch problematische Situation", heißt es Seitens der Wahlbehörde. Gemäß der derzeit geltenden Gesetzeslage müsste man für die Volksbefragung vollständige Paralellstrukturen einrichten. Das heißt, es würde ein zweites Wählerverzeichnis erstellt werden, getrennte Wahlurnen, Wahlzettel und Urnen müssten ebenfalls vorhanden sein.

Das Ergebnis der Volksbefragung ist unverbindlich und soll in erster Linie dazu dienen, die Meinung der Bevölkerung zu ermitteln. "In Hinblick auf eine erneute Koalition zwischen Rot und Schwarz könnte die Befragung eine Lösung in dieser Streitfrage bieten", so Plaikner.  (burg/apa/derStandard.at, 6. Juni 2011)

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Tirol6020
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Eher praktisch als juristisch ein Problem

Warum denn nicht zwei Wählerverzeichnisse und zwei Urnen? Immerhin spart man sich die halben Kosten der Wahlbehörden, die sonst an zwei Sonntagen eigesetzt wären und die Abstimmenden müssen kein zweites Mal ins Wahllokal. Es kann höchstens länger dauern, weil zweimal untertags die Listen abgehakt und abends die Stimmen gezählt werden.
Das _juristische_ Problem sehe ich nicht, zumindest nicht im Artikel oben.

KuntaKinte
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wählen am wahltag ist ein juristisches probljem?

Prof. Alois
 
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Natürlich

Weil es schwer ist, einerseits eine Partei zu wählen, gleichzeitig aber etwas anderes anzu kreuzen das auch noch zur Abstimmung steht.

Wahlen mehrerer Gebietskörperschaften gleichzeitig, wie in Wien üblich, sind deshalb bedenklich.

DasLebenhinkt
01

Ich halte das für eine super Idee.
Zum selben Termin sollen stattfinden:
Nationalratswahl
Volksbefragung für/gegen Beibehaltung der Wehrpflicht
Volksabstimmung für/gegen Abschaffung der Landtage
Volksbegehren für/gegen Zerschlagung RAIKA/ÖVP
etc.

system1
20
ob solche querulierenden juristischen spitzfindigkeiten

ein segen sind sei dahingestellt.l

Ano
01

Wäre eine sehr positive Entwicklung. Bei jeder Wahl sollten über einige Themen abgestimmt werden, die Richtungsweisend für die Politik wären und auch bindend sein sollten.

Doch der Faymann kann nur eines, daherreden, von umsetzen hat er noch nie was gehört!

lagrangian
01

Also von einer juristischen Problematik lese ich hier nichts. faktisch wird's vielleicht schwierig, juristisch ist es allerdings möglich.

ora 600
01
im programm der regierung ...

... ist bei amtsantritt von thema wehrpflicht nichts zu sehen.
kann es sein, dass damit von empfindlicheren themen (verwaltungsreform, beamtenreform) vorbei thematisiert wird ?
mich macht die debatte zornig, sie ist wichtig, aber nicht superwichtig. alles andere bleibt liegen und das scheint der zweck daran zu sein ...

Prof. Alois
 
00
Die Wehrpflicht ist im Koalitionsabkommen festgeschrieben

Erstaunlich wie locker der Faymann dieses fallen ließ, um die ÖVP vorzuführen. Womit der ÖVP nichts anderes übrig blieb, als die Notbremse zu ziehen.
Manchmal muss man der ÖVP schon dankbar sein, dass sie bei schwachsinnigen Vorschlägen einfach blockiert. Die SP hat den 180°-Schwenk ja auch nur sehr widerwillig vollzogen. Das Wehrsystem in Österreich ist ja weltweit vorbildlich und einzigartig gebaut. Einfach aus unserer Geschichte heraus.

Mynnia
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Plesbizit...

...ich hab erst Plesbizid gelesen und Angst gekriegt.

"Sie kommt sonst in den Verruf, ihre Veranwortung an das Volk zurückdelegieren zu wollen" Verruf? Na, das wäre doch mal eine interessante Idee, dass in einer Demokratie das Volk auch mal Verantwortung übernimmt...

goope
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nicht unproblematisch

Als Jusstudent muss ich mich immer wieder für das Juristendeutsch fremdschämen.

Hier eine kleine Auswahl OGH-Deutsch vs. normales Deutsch: http://imageshack.us/f/811/dsc... 2896b.jpg/
Mein Lieblingsbegriff: nicht unzweideutig

ROTWEISSROT
00
Da hab ich gleich eine Frage an den Herrn Studenten

wenn jemand zu "lebenslang" verurteilt wird, warum kommt er dann meistens schon nach 15-20 Jahren raus ?

"lebenslang" sollte doch ein Leben lang sein - oder ?

Versteh ich nicht - hab aber auch nicht studiert

goope
00

Strafrecht hab ich noch nicht. Hat aber meiner Meinung nach einen ganz pragmatischen Grund. Gefängnisse sind teuer und voll.

»Pythagoras«
00

erinnert mich so sehr an den 2. mai in wr. neustadt! ;)

pauline
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Die Idee, eine Volksbefragung gleichzeitig mit der Nationalratswahl abzuhalten, halte ich für gewagt. Es könnte sich so manche/r Wähler/in erinnern, dass die Abschaffung der Wehrpflicht erst im Vorfeld der letzten Wien-Wahl zum SPÖ-Herzensanliegen wurde, weil sich der rote Bürgermeister in seiner Not wieder einmal auf ein "Krone"-Thema gestürzt hat.
Und die Kopfsche Wortspende "2013 sind wir längst in der Umsetzung der gemeinsamen Heeresreform" kann ich nur als bittere Lachnummer des Tages bezeichnen.

khaleb
01
ich sags gleich: an einer unverbindlichen Volksberfragung beteilige ich mich nicht

wenn schon, dann Volksabstimmung.
Bei der Volksbefragung bleibt die Entscheidungshoheit beim Parlament, nur kann man, wenn das gewünschte Ergebnis eintritt, noch lügen, die Wähler hätten ja entschieden.
Es ist Volksverar?chung.

Schwedenbombe
 
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Das ist doch ein witz

Für was wählen bezahlen wir diese Stümper wenn sie sich nichts selbst entscheiden trauen?

Nennt mich Loretta
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Dafür das sie unseren Willen exekutieren.

Und wenn dieser eben nicht zu erkennen ist, muss eine direkte Volksentscheidung her.

Besser wärs, könnte das Volk selbst eine zwingend zu exekutierende Entscheidung erzwingen.

Auf die korrupte "Expertenelite" im Parlament, kann sollte man oft einfach verzichten.

Schwedenbombe
 
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so exekutieren aber rein gar nichts

die volksvertretung wurde bereits durch wahlen bestimmt und haben dementsprechend die "befugnis" den willen des demok. volkes zu vertreten.

somit ist eine derartige volksbefragung ein armutszeugnis für die vertretende wählerpartei.

imho

das selbe paradoxen, wenn vorstände unmengen an beratungshonoraren bezahlen um entscheidungen nicht selbst zu plausibilisieren..
schließlich gilt auch hier: sie vertreten das unternehmen und treffen die entscheidung ?!?

Nennt mich Loretta
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Sie machen es sich als Bürger etwas zu einfach...

...Damit unsere Volks(ver)treter sich auch wirklich darauf besinnen unseren Willen zu exekutieren, ist es notwendig, dass das Volk auch während einer Legislaturperiode direkt entscheiden kann.

In einem Wahlkampf wird so manches thematisiert. Viele Themen kommen erst später auf. Wenn sie heikel sind und sich Politiker nicht zutrauen den Volkswillen eindeutigig identifizieren zu können, ist zumindest eine Befragung legitim.

Österreich ist kein Unternehmen sondern ein Staat. Desweiteren sind Österreichs wahlberechtigte Bürger keine "Berater" sondern der einzige legitime Souverän.

Auch ein AG-Vorstandschef sollte stehts bemüht sein, den Willen der Shareholder zu exekutieren.

fredi 1990
00
man könnte auch gleich das volk befragen, ob man noch die öiag braucht, wieder b

also wenn ich schon mal zur wahl gehe, kann ich auch gleich mehrere kreuze machen!
ich finde, das hätte sinn!

Mazzesinsulaner
 
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Dürfma überhaupt die Wehrpflicht aufheben? Ist das neutralitätsgesetzlich (änderbar),völkerrechtlich oder staatsvertraglich ohne OK von anderen Staaten möglich?

Ich hoffe, dass das im Vorfeld von Experten ein für alle mal fix geklärt wird bevor es eine böse Überraschung gibt.

Thomas Felder1
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es ist möglich. und wir werden sicher niemanden fragen

Tom93
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faymann fragt höchstens die "krone" um erlaubnis...

...aber wozu verfassung, völkerrecht, verträge konsultieren? claus pandi wünscht, faymann liefert, so schauts aus!

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