Neue Studie

Depression nach Schlaganfall häufig unterschätzt

6. Juni 2011, 13:04

Lissabon - Eine neue Studie über Depression und Angstzustände nach einem Schlaganfall zeigt: Während Angst nach dem Schlaganfall mit der Zeit nachlässt, bleibt Depression bestehen, wenn sie unbehandelt bleibt. "Obwohl jeder dritte Schlaganfall-Patient unter Depressionen und Angstzuständen leidet, bleibt Depression oft unerkannt und unbehandelt. Je schwerer der Behinderungsgrad und je geringer die Unterstützung durch das soziale Umfeld, desto größer ist gemeinhin das Depressionsrisiko von Schlaganfallpatienten. Ihre Rehabilitation darf sich daher nicht länger auf die körperliche Wiederherstellung konzentrieren. Auch ihrer seelischen Gesundheit muss endlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als bisher, denn dauerhafte Depression beeinträchtigt die Lebensqualität massiv", so Studienautorin Jennifer H. White,  von der University of Newcastle in Australien bei der 21. Jahrestagung der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS) in Lissabon.

Langzeit-Erfahrung mit Depression 

Die australische Forschungsgruppe untersuchte in einer Längsschnitt-Kohortenstudie die Faktoren, die das Risiko für Depression und Angstzustände nach einem Schlaganfall erhöhen. Weiter wurde erforscht, welche Faktoren die Symptome von Depression und Angstzuständen in einem Zeitraum von zwölf Monaten verändern. 134 Schlaganfall-Patienten wurden zu Befindlichkeitsstörungen, körperlichen Funktionen, Lebensqualität, Unterstützung durch das soziale Umfeld und zur sozialen Integration zum Zeitpunkt des Schlagfalls sowie nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten befragt. 

Eines der wichtigsten Ergebnisse: Faktoren, die das Depressionsrisiko bei Schlaganfallpatienten erhöhen, sind Depressionserfahrungen in der Vergangenheit und eine geringe Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Keine Faktoren wurden dagegen gefunden, die eine Besserung der Depression wahrscheinlicher machen würden. Während die Angstzustände im Laufe der Zeit nachzulassen scheinen, bleibt Depression eine dauerhafte Belastung für alle Betroffenen, für Patienten ebenso wie für Angehörige. 

Individuelle Behandlung 

"Von unserer Studie lässt sich die Empfehlung ableiten, dass auch die psychische Verfassung langfristig beobachtet werden muss. Wir müssen Interventionsstrategien entwickeln, um bei Behinderung oder mangelnder Unterstützung durch das soziale Umfeld frühzeitig ansetzen zu können", sagte  White. Die behandelnden Ärzte sollten eine Psychotherapie für Patienten und Angehörige erwägen sowie erforderlichenfalls rechtzeitig Antidepressiva einsetzen. In der Rehabilitation müssten die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten berücksichtigt werden, einschließlich aller anderen potenziellen Stressoren, die neben dem Schlaganfall eine Rolle im Leben des Betroffenen spielen. (red, derStandard.at)

AlBundyFan
 
02
also ich würde mal behaupten

daß jede erkrankung oder unfall jedweder art, bei der nicht nach 1-2 wochen die sofortige gewohnte lebensweise wieder hergestellt ist, das depressionsrisiko erhöht.
da ist ein schlaganfall nur eine von vielen möglichkeiten.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.