Paradies der Artenvielfalt massiv gefährdet

6. Juni 2011, 11:48
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In elf Jahren wurden insgesamt 615 neue Arten entdeckt - manche von ihnen sind bereits stark bedroht

Wien - In den vergangenen elf Jahren wurden auf Madagaskar insgesamt 615 bislang unbekannte Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Diese Bilanz zog die Umweltschutzorganisation WWF am Montag und wies in einer Aussendung gleichzeitig darauf hin, dass viele der erst kürzlich entdeckten Arten schon jetzt stark bedroht sind. Die viertgrößte Insel der Welt mit ihrer einzigartigen Artenvielfalt habe bereits 90 Prozent ihrer Wälder verloren. Der Bericht "Schatzinsel: Neue Artenvielfalt in Madagaskar" beschreibt die entdeckten Arten und auch die Gefahren, die durch Abholzung und menschliche Einflüsse auf sie lauern.

Das Fazit: Von 1999 bis 2010 konnten 385 Pflanzen, 42 Wirbellose, 17 Fische, 69 Amphibien, 61 Reptilien und sogar 41 neue Säugetierarten beschrieben werden. Zu den neu entdeckten Arten zählen zum Beispiel der nur 30 Gramm wiegende Berthe-Mausmaki, der kleinste Primat der Welt, und eine riesige Fächerpalme (Tahina spectabilis), die nur einmal in ihrem Leben mit einem spektakulären Blütenstand aus der Krone geizt. "Der neue WWF-Bericht zeigt, wie einzigartig die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist. Sie kann nicht ersetzt werden. Wir müssen sie für die Nachwelt jetzt schützen bevor es zu spät ist", so die Naturschutzdirektorin Nanie Ratsifandrihamanana von WWF Madagaskar.

Gefahren und Gegenmaßnahmen

Dem WWF zufolge ist das Paradies der Artenvielfalt massiv gefährdet. Die Ursachen seien vielfältig: Die Entwaldung, die Erosion und Versandung der Korallenriffe, nicht-nachhaltige Fischereimethoden, "Bush meat" und Abholzung. So seien nach dem Staatsstreich im März 2009 und den darauffolgenden politischen Unruhen Madagaskars Regenwälder geplündert worden, um teure Harthölzer - besonders Rosenholz - zu gewinnen. Davon waren WWF-Angaben zufolge zehntausende Hektar Wald in den besonders wertvollen Nationalparks Marojejy, Masoala, Makira and Mananara betroffen.

Neben der Abholzungswelle wurde zunehmend auch Fleisch von wilden Tieren, sogenanntes "Bush meat", aus den Wäldern angeboten. Die politische Instabilität und die Ausbreitung der Kriminalität hat auch die Tourismusindustrie schwer getroffen, eine der wenigen Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung.

Das Ziel des WWF ist es, auf der Insel ein Netzwerk von Schutzzonen zu errichten. Für die Einwohner werde an der Etablierung einer Reihe von alternativen und nachhaltigen Einkommensquellen gearbeitet, damit die Familien im Einklang mit ihrer Umwelt leben können. (red)


Link
WWF: Madagaskar Species Report 2011 (pdf-Datei)

  • Eine auf Madagaskar lebende, erst kürzlich entdeckte Chamäleon-Art (Calumma crypticum)
    foto: axel strauss/wwf

    Eine auf Madagaskar lebende, erst kürzlich entdeckte Chamäleon-Art (Calumma crypticum)

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