Abstimmung in mehreren Gemeinden massiv behindert
Lissabon - Boykotts und Bienen haben am Sonntag in Portugal den
Ablauf der Parlamentswahlen etwas beeinträchtigt. Die Wahllokale in den
Gemeinden Castedo, Lajeosa do Dão und Cabril konnten nach Medienberichten nicht
oder nur mit zum Teil mehrstündiger Verspätung geöffnet werden. In Lajeosa do
Dão 50 Kilometer südöstlich von Porto klebten hunderte Demonstranten das
Türschloss einer Grundschule zu, in der die Stimmabgabe erfolgen sollte, um
gegen den Ärztemangel zu protestieren. "Nur 500 von 2500 Menschen haben hier
einen Hausarzt, das ist ein Unding", schimpfte einer der Kundgebungsteilnehmer.
Die Einwohner von Castedo boykottierten ihrerseits die Wahlen, um ihren Ummut
gegen die Schließung einer Schule und eines Gesundheitszentrums kundzutun. Sie
schlossen die Tür des einzigen Wahllokals der Gemeinde 100 Kilometer östlich von
Porto mit einem Vorhängeschloss. "Die Leute haben Recht, man darf ja nicht
überall sparen, ich wähle auch nicht", sagte Bürgermeister Marco Rodrigues.
Aus Protest gegen die jahrelange Verzögerung bei der Reparatur einer
Landstraße sabotierten auch die Einwohner der 200 Kilometer nordöstlich von
Lissabon gelegenen Gemeinde Cabril den Urnengang. Um auch möglichst jede
Stimmabgabe zu verhindern, platzierten die Unzufriedenen dort angriffslustige
Bienen in Urnennähe. (APA)