Manager lehnen Föderalismus und Gesetzesflut ab

5. Juni 2011, 17:21
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Mehrheit der Entscheidungsträger will eine Stärkung der ÖVP - Einhellig ist die kräftige Ablehnung einer Stärkung der FPÖ

Linz - Entscheidungsträger an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik haben in vielen Punkten eine andere Haltung zu politischen Fragen als der Rest der Bevölkerung. Da muss man gar nicht die Vermutung des Erste-Chefs Andreas Treichl über die vermeintliche Faulheit der Politiker heranziehen - ihr stimmen Manager deutlich weniger zu als der Bevölkerungsschnitt. Es reicht schon die Frage, welche Partei in der Koalition sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren eher durchgesetzt hat: 40 Prozent der Manager sehen die ÖVP vorne, 20 die SPÖ. In der Gesamtbevölkerung ist das Verhältnis umgekehrt: 29 Prozent der Wahlberechtigten sehen in der SPÖ die stärkere Partei, 25 Prozent in der ÖVP.

Das geht aus einer online durchgeführten Umfrage des Linzer Market-Instituts für den Standard hervor: 403 Befragte wurden repräsentativ für die (internetaktive) Bevölkerung ausgewählt, weitere 260 Befragte rekrutierten sich aus dem Kreis der Meinungsführer in Wirtschaft und Verwaltung.

Die Umfrage zeigt auch, dass sich Manager und Bevölkerung eine unterschiedliche politische Entwicklung wünschen. "Während eine Hochrechung der Sonntagsfrage aus methodischen Gründen nicht möglich ist - wir kennen ja das Wahlverhalten der Grundgesamtheit der Manager nicht -, ist es aufschlussreich, die politischen Präferenzen zu erheben und zu vergleichen" , sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer.

Und das ist das Ergebnis:

  • Eine Stärkung der SPÖ wünschen sich 34 Prozent der Manager, 43 Prozent erhoffen sich eine Schwächung. Die Wahlberechtigten insgesamt votieren anders: 59 Prozent wollen, dass die SPÖ stärker wird, 31 Prozent das Gegenteil.
  • Anders bei der ÖVP: Bei den Meinungsführern aus Wirtschaft und Verwaltung wünschen 61 Prozent eine stärkere Volkspartei, nur 34 Prozent eine schwächere. Lediglich 34 Prozent der Österreicher wollen hingegen eine stärkere ÖVP, 54 Prozent eine schwächere.
  • Einhellig ist die kräftige Ablehnung einer Stärkung der FPÖ: 63 Prozent der Bevölkerung und 84 Prozent der Meinungsführer wollen die Freiheitlichen eher geschwächt. 28 Prozent wollen eine stärkere FPÖ - das entspricht laut Beutelmeyer etwa dem weitesten Wählerkreis, den Strache und Co derzeit erreichen können. Von den Meinungsführern erhoffen dies nur acht Prozent.
  • Den Grünen wünschen dagegen 58 Prozent der Meinungsführer und immerhin 44 Prozent der Bevölkerung eine Stärkung - die Ablehnung der Grünen ist bei den Managern geringer.
  • Ziemlich gleich ist die Lage für das BZÖ, dem 16 Prozent der Bevölkerung und 15 Prozent der Manager eine Stärkung wünschen, 64 Prozent aber eine Schwächung.

Unterschiedlich fällt auch die Bewertung der Gesetzgebung aus - siehe Grafik: Auffallend ist die starke Ablehnung einer eigenständigen Landesgesetzgebung.  (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2011)

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    Manager und Bevölkerung wünschen sich eine unterschiedliche politische Entwicklung.

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