Experte: "Geologisch gesehen befinden wir uns noch in einer kalten Zeit"
Salzburg - Das Zeitalter des frühen Paläogens vor rund 50 Millionen Jahren dürfte eine der wärmsten Perioden der Erdgeschichte gewesen sein. Forscher erwarten sich aus der Analyse der damals ablaufenden Prozesse nicht zuletzt auch Rückschlüsse auf die derzeitige Klimaerwärmung. Rund 160 Geowissenschafter aus 28 Ländern werden von Montag bis Mittwoch in Salzburg bei der Tagung "Climate and Biota of the Early Paleogene" ihre Erfahrungen dazu austauschen.
Begonnen hat das frühe Paläogen vor rund 65 Millionen Jahren als Folge-Ära der Kreidezeit. Zunächst war das Weltklima etwas kühler als während des vorangegangenen Zeitalters der Dinoaurier, die Durchschnittstemperaturen stiegen jedoch - inklusive einiger kurzfristiger sprunghafter Erhöhungen - allmählich an und führten zu einer langen Wärmephase. "Bei unseren Messungen haben wir einerseits Fossilien untersucht, wobei
sich herausstellte, dass es in dieser Zeit beispielsweise Palmen und
Alligatoren in Kanada gegeben hat. Andererseits haben wir Isotope -
Sauerstoff und Kohlenstoff - untersucht. Diese konnten uns Rückschlüsse
auf die Temperatur liefern", erklärte der Geologe Hans Egger von der
Geologischen Bundesanstalt.
Die langfristrige Perspektive
Damals gelangten auch enorm große Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre. "Derzeit befinden sich ungefähr 30 Gigatonnen CO2 in der Atmosphäre, damals waren es rund 4.000. Soweit könnte es womöglich in 100 Jahren wieder kommen", so der Geologe. Vor rund 40 Millionen Jahren begann die globale Abkühlung, deren genaue Gründe man bisher noch nicht kennt, auch wenn der nun abgeschlossene Zerfall des Superkontinents Gondwana und die Bildung des Zirkumpolarstroms um die Antarktis eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Der Abkühlungstrend führte seitdem zur Bildung des Polareises und erlebte seinen vorläufigen Höhepunkt in den bisherigen Eiszeiten.
"Die Zunahme an Treibhausgasen ist natürlich ein Faktor, der die Klimaerwärmung begünstigt. Aus geologischer Sicht kann man von einer solchen zurzeit jedoch noch nicht sprechen, weil es erst in den letzten zehn bis 15 Jahren wärmer geworden ist. Dies ist eine zu kurze Periode, um davon langfristige Ergebnisse abzuleiten. Geologisch gesehen befinden wir uns also noch in einer kalten Zeit, Prognosen für die Zukunft zu ziehen, ist derzeit nicht möglich. Die Geologie zeigt uns nur, was möglich ist. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten, die man noch nicht kennt, sodass es auch wieder zu einer Abkühlung kommen könnte", so Egger.
Vor rund 54 Millionen Jahren kam es zu einem großen Vulkanausbruch in Island, der über Europa bis heute seine Spuren hinterlassen hat, in Österreich in den Bundesländern Salzburg und Steiermark. Im Salzburger Flachgau wurde eine drei Zentimeter dicke Aschenschicht gefunden. "Durch die Eruption gelangten rund tausend Kubik-Kilometer Asche in die Atmosphäre. Im Vergleich dazu waren es bei den letzten isländischen Vulkanausbrüchen nur 0,1 Kubik-Kilometer. Solche Vulkanausbrüche haben aber keine großen klimatischen Auswirkungen. Die Aschewolken können nur Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung, wie auf die Bewirtschaftung von Feldern in Island haben", sagte Egger. (APA/red)