Verteidiger wollen Zimmermädchen als Frau zweifelhaften Rufs darstellen
New York - Michael J. Obus ist kein Richter, der sich beeindrucken lässt von Advokaten, die nette Geschichten erzählen. Mehr als dreißig Fälle an einem Tag, der Richter leistet Fließbandarbeit. Normalerweise sind die sieben Zuschauerreihen im Saal 1324 nur spärlich besetzt, was sich Montag gewiss ändern wird. Dann wird das Kriminalgericht des New Yorker Supreme Court zur Weltbühne, belagert von Heerscharen von Fotografen. In der 13. Etage des hässlichen Betonklotzes im Süden Manhattans beginnt mit dem Verlesen der Anklage das Verfahren gegen Dominique Strauss-Kahn (DSK), den abgestürzten IWF-Direktor, der versucht haben soll, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen.
Beharrt der Franzose auf seiner Unschuld, kann es noch Monate dauern, ehe die Verhandlung vor einer sorgfältig ausgewählten Gruppe von Geschworenen beginnt. Worauf die Strategie seiner Verteidiger hinausläuft, ist in groben Zügen schon jetzt zu erkennen. Nafissatou D., die 32-Jährige aus Guinea, die von DSK zu Oralsex gezwungen worden sein soll, soll als eine Frau zweifelhaften Charakters hingestellt werden.
"Wollten wir den Medienrausch schüren", schrieben Strauss-Kahns Rechtsberater Benjamin Brafman und William Taylor in einem Brief an den New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance junior, könne man schon jetzt Informationen freigeben, die die Glaubwürdigkeit der Klägerin schwer erschütterten. Um alles über sie herauszufinden, haben Brafman und Taylor eigens eine renommierte Privatdetektei angeheuert. "Die Spürnasen werden alles an Dreck finden, womit sich nach ihr werfen lässt", orakelt Sean Gardiner vom Wall Street Journal.
Denn letzten Endes steht Aussage gegen Aussage. Nur Strauss-Kahn und das Zimmermädchen wissen, was sich am 14. Mai wirklich abspielte in der Suite 2806 des Nobelhotels Sofitel. Falls die Verteidiger tatsächlich Belastendes über die Frau wissen, mögen sie es ihm unverzüglich mitteilen, statt in den Medien Spekulationen zu schüren, konterte Vance in einem Antwortschreiben.
Allein die Schärfe des Briefwechsels lässt ahnen, wie hart das Duell wird. Auch Vance hat personell nachgerüstet. Seinem Kläger John McConnell stellte er eine Frau zur Seite, die zu den Besten und Erfahrensten ihres Fachs zählt. Joan Illuzzi-Orbon: Ihr letzter großer Fall liegt zwei Jahre zurück, es ging um illegalen Waffenbesitz. Auf der Anklagebank: der Rapper Dwayne Carter, besser bekannt als Lil Wayne. Der sitzt nun für ein Jahr im Gefängnis. (Frank Herrmann aus New York, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.6.2011)