Frisierte Besucherzahlen, heimliche Vertragsverlängerung, private Jury-Gelder - Kunsthalle hält Vorwürfe für "ungerechtfertigt und polemisch"
Wien - Die Kunsthalle Wien und ihr Direktor Gerald Matt
kommen nicht zur Ruhe. Nach einer kürzlich erfolgten Entlastung in
Bezug auf Reisespesen-Vorwürfe durch einen Prüfbericht berichtet das
Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe
von neuen Vorwürfen gegen den Kunsthallen-Chef. Matt habe
Besucherzahlen frisieren, seinen Vertrag vom Vorstand heimlich
verlängern und sich privat Geld für Jurytätigkeiten auszahlen lassen,
heißt es in dem Bericht. Die Kunsthalle weist diese Vorwürfe
gegenüber der APA als "ungerechtfertigt und polemisch" zurück. Diese
würden "auch durch Wiederholung nicht wahr", so Kunsthallen-Präsident
Thomas Häusle in einer Stellungnahme.
Laut "profil" hatte Matt im Mai 2003 in einem Aktenvermerk
festgehalten, dass er bezüglich der Besucherzahlen "bei Eröffnungen
(so wie früher auch) von zwischen 1.300 und 1.500 Personen ausgehen"
würde. "Nichtsdestotrotz sollten für den internen Gebrauch die
mittels Klicker festgestellten Besucherzahlen weiterhin erhoben
werden", heißt es weiter. Ein Briefwechsel mit dem einstigen
ÖVP-Kulturstadtrat Peter Marboe aus dem Jahr 2002 belegt, dass die
Amtsverlängerung Matts fast eineinhalb Jahre lang verschwiegen wurde.
Matt ließ sich 2000 von seinem Vorstand bereits Jahre vor Ablauf
seines Vertrags für ein Jahrzehnt als Direktor bestätigen. Marboe
schrieb, er könne die Vorgehensweise des Vorstandes "nur als
unangebrachten Hohn empfinden".
Weiters werden von "profil" die Nebeneinkünfte - darunter 8.000
Euro für "Jurytätigkeiten für die Invest Kredit Sammlung" des
Unternehmers Heinz Mathis, der wiederum ein Geschäftspartner Häusles
ist - und die Dienstreisen Matts aufgelistet. Seit 2002 sei der
Kunsthallen-Direktor nie weniger als 101 Tage im Jahr auf Reisen
gewesen, 2007 sogar 127 Tage. Die Kunsthalle entkräftet gegenüber der
APA diese Fakten: Die Dienstreisen Matts "waren Gegenstand der
Prüfung" und "wurden als angemessen und im üblichen Rahmen
bezeichnet". Auch die Nebentätigkeiten seien "vertraglich gestattet
und dem Vorstand bekannt" gewesen. Und die Besucherzählung werde nach
Empfehlungen des Rechnungshofes mittlerweile im Einvernehmen mit
diesem durchgeführt. (APA)