Immer mehr Mischwesen aus Erwerb und Studium

5. Juni 2011, 13:50
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    foto: apa-foto: barbara gindl

    Weniger als ein Prozent hat via Arbeitsmarktservice oder Career-Center einer Hochschule die erste Arbeitsstelle erhalten.

Persönlichkeit und Soft Skills erleben Österreichs Hochschulabsolventen als zentral in Rekrutierungsgesprächen - Ihren Job finden sie auf klassischem Wege via Ausschreibungen - Studien- und Erwerbsbiografien wachsen zusammen

Österreichs Hochschulabsolventen finden wenige Monate nach dem Abschluss einen Job, in dem sie ziemlich zufrieden sind und wo sie auch überwiegend in traditionellen Beschäftigungsverhältnissen stehen.

Dieses Ergebnis der größten jemals in Österreich durchgeführten Absolventenbefragung (INCHER, Kassel, 23.000 Rückantworten) hat kürzlich zu heftigen Diskussionen geführt: Während Arbeitsmarktservice und Wissenschaftsministerium somit die "Generation Praktikum" zur Chimäre erklärten und widerlegt fanden, dass Absolventen in diversen losen Jobs seriell ausgebeutet werden, sahen Kritiker, etwa die Grünen, eine Fragestellung, die zu gewünschten Ergebnissen geführt habe. Stichwort: Wer nach dem Prekariat nicht fragt, erhält dazu auch keine Antwort. Ideologisch auch aufgeladen, ist die Diskussion an diesem Punkt auch zunächst hängengeblieben. (derStandard.at berichtete)

Klassische Jobsuche

Wie aber haben die Uni- und Fachhochschulabgänger ihren Job gesucht? Das hat die Studie der Kasseler Hochschulforscher auch abgefragt: Klassische Vorgangsweise dominiert, da 79 Prozent sich auf ausgeschriebene Stellen bewarben, 67 Prozent bei einem Wunscharbeitgeber selbstständig vorstellig wurden. 22 Prozent haben Praktika während des Studiums als Türöffner verwenden können. Weniger als ein Prozent hat via Arbeitsmarktservice oder Career-Center einer Hochschule die Stelle erhalten.

Aufschlussreich auch, wie die Absolventen den Rekrutierungsprozess erlebt haben, was als wichtig erschienen ist. Am häufigsten wird da "Persönlichkeit" genannt, gefolgt von der Studienrichtung und der Bereitschaft zu zeitlicher und geografischer Flexibilität. Computerkenntnisse, praktische Erfahrung und das Abschlussniveau wurden auch als zentral wichtige Faktoren im Recruitinggespräch rückgemeldet.

Interessant in der vernetzten Gesellschaft, die auch hier mindestens ein Podium pro Woche zur hohen Kunst des für den Berufseinstieg angeblich unabdingbaren Networkings bietet: Empfehlungen von Dritten werden ebenso als unwichtig eingestuft wie Noten im Studium, die Bereitschaft zu finanziellen Abstrichen, der Ruf der Hochschule und die Zugehörigkeit zu sozialen Netzwerken, Vereinen und Verbänden.

Mehr Uni, mehr Titel

Interessant, dass offenbar ein wenig Stolz auch die Sicht der Dinge färbt: Während 44 Prozent der Uni-Absolventen erworbenen Titel als wichtiges Kriterium angeben, tun dies nur 28 Prozent der FH-Absolventen.

Zurück zum Kritikpunkt, ein Phänomen namens "Generation Praktikum" werde wegdiskutiert: 80 Prozent aller Hochschulabsolventen in Österreich befinden sich sechs Monate nach Abschluss in Erwerbstätigkeit. Fachhochschulen (FH) liegen da sogar bei 87 Prozent. Zwölf Prozent gehen in eine Berufsausbildung, 18 Prozent studieren weiter, fünf Prozent widmen sich der Familienarbeit, Präsenz- resp. Zivildienst, lange Reisen und andere Auszeiten schlagen auch bei zehn Prozent zu Buche. Wobei das eine das andere jeweils nicht ausschließt.

Die neue Studienarchitektur nach Bologna befördert diese Wechsel zwischen Hochschule und Arbeitsleben resp. die parallelen Formen stark.

Studierende Erwerbstätige, erwerbstätig Studierende und viele andere biografische Mischformen und Brüche werden langsam Normalität. Standardisierte Beurteilungen und Lebenslaufanalysen können Recruiting-Verantwortliche und Personalentscheider also bald endgültig in der Schublade lassen. das mag auch erklären, warum die Absolventen selbst Soft Skills und Persönlichkeit als wichtigstes Kriterium in ihren Bewerbungsgesprächen wahrgenommen haben.

Noch ein Argument, welches das Phänomen einer nicht (oder ganz übel) bezahlten "Generation Praktikum" entkräften mag: Das erste monatliche Bruttoeinkommen nach Abschluss in Vollzeitarbeit beträgt im Mittelwert 2100 Euro, FH-Absolventen erzielen mehr, nämlich fast 2500 Euro. Sie haben aber auch mehr berufliche Vorerfahrung aufzuweisen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2011)

 

Kommentar posten
14 Postings
Leidenschaftlicher Philosoph
94
Berufsbegleitendes Studieren,

wird zwar immer wichtiger; jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass bei diesen rigorosen Einschränkungen Abschluss und/oder Lebensqualität vor die Hunde geht. Ich kann nur: www.mba-fernlehre.at empfehlen!

lavendler
00
MBA ist jetzt Mode oder wie?

in meiner Firman mach(t)en auch einige Kollegen einen MBA, und das sind vornehmlich Leute die bereits einen Magister haben, was das für einen Sinn hat soll mir einmal jemand erklären? Als ob ein Studium nicht genug wäre.

living reef
00
12.9.2011, 08:50
das sind nicht selten bildungjunkies...

tignosa
00
31.10.2011, 17:56
was ist daran schlecht?

kann man "zu" gebildet sein?

cosmo28
00
sicher interessante sache - fhs haben da die nase schon lange vorn bei berufsbegleitendem studieren!

so ein studienmodus scheint eher geeignet für leute die keinen regulären studienverlauf hatten mit matura-uni-job, um dann doch noch ein stdudium nachzuholen neben dem job, es geht ja gar nicht anders als berufsbegleitend wenn man über 30 ist, unis sollten viel mehr diese berufsbegleitenden studienalternativen entwicklen, fhs haben da die nase schon lange vorn!

[Cotton]
10

Ein MBA, der absolut wertlos ist. Das ist kein Studium, sondern ein LEERgang ohne einem Inhalt. Akademien, Business Schools und wie sie alle heißen, die MBA's anbieten, sind Titelmühlen, die Titel verkaufen, ohne dass man was dafür tun muss. Dementsprechend wertlos ist dieser Titel dann.

zzk
33

MBA nur in einer der top 50 worldwide bschools machen. alles andere ist geldverschwendung. also unterlassen sie gefälligst diese billige werbung.

evolution hunter
46

Ganz lustig, hier ein Ausschnitt aus den FAQs dieses "Studiengangs":

Kann ich Prüfungen wiederholen?

Sollte eine Prüfung nicht bestanden werden, fallen dennoch keine zusätzlichen Kosten an. Prüfungen können dreimal schriftlich abgelegt werden, sollte sie auch dann nicht bestanden werden, gibt es noch die Möglichkeit einer kommissionellen Prüfung (mündlich), dies ist jedoch bis jetzt noch nie vorgekommen. Der Prüfungsmodus der schriftlichen Prüfung ändert sich auch bei wiederholtem Antritt nicht, man bekommt die Fragen zugeschickt und hat 14 Tage Zeit, diese auszuarbeiten.

[Cotton]
14

Absolut lachhafter Prüfungsmodus.
- noch nie jemand eine kommissionelle Prüfung gehabt
- noch nie einer durchgefallen
- 14 Tage Zeit, um Prüfungsfragen auszuarbeiten.

Einfach unglaublich. Ich hab auf der Uni genau 1 Stunde Zeit, um Prüfungsfragen zu beantworten und kann dabei keinen anderen fragen oder irgendwo nachschauen.

Spucks
01
16.6.2011, 10:17
"14 Tage Zeit, um Prüfungsfragen auszuarbeiten."

Sowas ist in vielen Ländern (zusätzlich zu "richtigen" Prüfungen) durchaus üblich. In Schweden nennt sich das, übersetzt, "zu Hause Prüfung". Das ist aber auch keine Prüfung wie man sie auf der Uni hat, sondern es ist eine schriftliche Arbeit, zu dem das Thema halt vorgegeben ist (das Ausmaß ist unterschiedlich, das kann eine Frage sein, die man auf 10 Seiten beantworten muss, es können 5 Fragen sein, die man auf jeweils 5 Seiten beantworten muss, usw.), und üblicherweise wird auch verlangt dafür (auch) die im Kurs durchgesprochene Literatur heranzuziehen.

Sprich: So eine Prüfung ist eine Art Seminararbeit, nur mit enger gestecktem Rahmen.

Bildungshunger
01
Dafür kann

keiner eine Abschlussarbeit schreiben; setzen Sie das österreichische Ausweniglern-Prüfungssystem doch nicht so absolut; ein Blick über den Tellerrand hinaus wär net gar so schlecht...

fadelini
41

ich kann in österreich garnichts empfehlen

evolution hunter
43

Geh, bitte! Ihre depperte Werbung für dieses komische Fernstudium nervt! Wie oft denn noch?

RadikalDemokrat
14
Wissen Sie, was mich nervt?

Sowohl seine als auch die Werbung des Standards. Gehn Sie mal eine Seite zurück: da ist Werbung für einen Executive Management MBA; und immer mal wieder "redaktionelle" Berichte über WU, Kufstein, etc. etc.

Aber am allermeisten nervt mich eins: dass Leute wie Sie es überhaupt nicht mitbekommen, dass Ihnen auf der Nase rumgetanzt wird!

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