Leitl an Türkei: Es geht auch ohne EU-Mitgliedschaft

5. Juni 2011, 09:04

Gemeinsamer Wirtschaftsraum möglich - Beitritt könnte beide Seiten überfordern - Oö. Wirtschaftsdelegation in Istanbul

Istanbul/Linz - Für den Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich Christoph Leitl spielt die Frage einer EU-Mitgliedschaft der Türkei keine große Rolle. Es ginge auch ohne, wenn man einen umfassenden europäischen Wirtschaftsraum schaffe. Das erklärte er bei einem Besuch des von ihm geleiteten Wirtschaftsforums der Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich am Wochenende in Istanbul.

Leitl warnte davor, dass ein EU-Beitritt der Türkei beide Seiten überfordern könnte. Der Fall des Eisernen Vorhanges 1989 und die anschließende Erweiterung habe die EU schon an ihre Grenzen gebracht. Sie sei derzeit noch mit sich selbst beschäftigt. Die Türkei, die ihrerseits in einem Transformationsprozess stecke, habe ein großes Gewicht. Die EU müsste im Fall eines Beitritts imstande sein, dieses zu tragen. "Die Türkei ist nicht reif für die EU und auch die EU ist nicht reif für die Türkei", fasste der Wirtschaftskammerpräsident zusammen.

Leitl schlug statt eines EU-Beitritts eine umfassende europäische Wirtschaftsunion vor. In dieser könnte neben der Türkei auch Russland und die Ukraine, der Mittelmeerraum, die Levante und überhaupt alles sein, was Europa-affin sei. Das wäre ein strategischer Raum mit rund einer Milliarde Menschen, der auf Augenhöhe mit China, Indien und auch den USA stünde. Man sollte damit den Weg über die Wirtschaft gehen, die Politik könne es nicht.

RLB-Generaldirektor Ludwig Scharinger verlangte, in Österreich müsste mit Klischees im Zusammenhang mit der Türkei aufgeräumt werden. In einer Diskussion mit Studenten der Marmara Universität sagte er: "Lassen Sie sich nicht durch populistische Aussagen von Minderheitspolitikern verunsichern. Das ist nicht Österreich". Der in der Türkei lebende Vorsitzende der Denkfabrik "Europäische Stabilitätsinitiative" (ESI) Gerald Knaus berichtete, der Anteil der Analphabeten in der Türkei sei innerhalb von zehn Jahren von 19 auf zehn Prozent gesunken. Die Bereitschaft, arrangierte Ehen zu akzeptieren sei innerhalb von acht Jahren von 69 auf zehn Prozent zurückgegangen. Der Weg der Demokratisierung sei unumkehrbar, die Macht des Militärs sei noch nie so gering gewesen wie jetzt, die Rückkehr zu einem islamischen Gottesstaat unwahrscheinlich.

Leitl, Scharinger, dessen Geldinstitut fast 800 Unternehmen bei ihren Aktivitäten in der Türkei begleitet, der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (V), Wirtschaftskammerpräsident Rudolf Trauner und der österreichische Handelsdelegierte in Istanbul Marco Garcia machten auf die großen Geschäftschancen in der Türkei mit einem Markt von rund 73 Mio. Einwohnern, einem für heuer vorausgesagten Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent sowie als Sprungbrett in den Nahen Osten aufmerksam. Gefragt seien neben Konsumgütern unter anderem Waren und Dienstleistungen im Bereich der Energie, der Umwelt-, Medizintechnik sowie Telekommunikation. Österreich war im vergangenen Jahr mit insgesamt 1,2 Mrd Euro größter ausländischer Investor - nicht zuletzt durch die Übernahme des größten türkischen Tankstellenbetreibers Petrol Ofisi durch die OMV.

Die Rektoren der Linzer Johannes Kepler Universität und der Marmara Universität in Istanbul Richard Hagelauer und Zafer Gül unterzeichneten eine neue Kooperation, die es Studenten ermöglichen soll, während eines Auslandssemesters oder -jahres in einem Unternehmen Erfahrung zu sammeln. Der Fahrzeuglogistiker Johannes Hödlmayr, der in der Türkei Fuß fassen will und geeignetes Personal sucht, bot gleich Praktikumsplätze für türkische Studenten in seiner Firma in Oberösterreich an. (APA)

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Der Manner
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10.6.2011, 12:10

Der Leitl traut sich was... Wahrscheinlich wird der Gül darauf bestehen, Leitl als WK-Boss zu entfernen.

kuq_e_zi
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Verlierst du die Türkei, verlierst du den Kampf gegen Asien

Sehe nicht ein, wieso dass sich Teile der EU so gegen die Türkei richten. Ja, es ist eine muslimische Nation, Ja, in der Geschichte hat man nicht unbedingt immer gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Aber wichtig ist doch, wie die Situation heute ist. Und sie ist so, dass die Türkei die Brücke zwischen Orient und Okzident bildet und das ist in der heutigen, globalisierten Welt mehr als wichtig. Es gibt bereits Töne in der Türkei, die genug haben von dieser Anti-Türkei Politik in der EU und die eine Union mit den Ländern des Nahen Ostens gründen möchten. Ob der EU dieses Szenario lieber ist, als die Türkei in der EU, wage ich zu bezweifeln! Ausserdem braucht man die Türkei als Transitland für das Öl Aserbaidschans...

jos
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Praktikumsplätze für türkische Studenten in Oberösterreich?

Ich glaube ein paar von denen habe ich schon mal getroffen. Sie waren zu sechst und habe sowas wie "Scheiß Österreicher" gemurmelt.

Alexander Patjomkin
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Wo ist der berühmte türkische Stolz?

Sie wissen, dass die EU sie nicht will, sie drängen und drängen aber trotzdem..
Wenn ein Klub mich nicht will, dann finde ich mich damit ab. Sie wollen ja siegen..., seit 500 Jahren..

Gusti Rentner
 
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Und was, wenn die Türkei draufkommt: "Es geht auch ohne die österreichischen 'Kreuzritter' ?"

Wünsche allseits gute Geschäfte.

rosa parks
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und es geht auch ohne leitl

nur der vollständigkeit halber

Osman Mert
43
Ach wie gändig.

Lässt sich der feine Herr herab zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum mit den unterentwickelten Türken, Russen, Ukrainern und den Levantinern.

Ähhh, vielleicht wollen die oben genannten aber doch lieber mit China und Indien einen gemeinsamen Wirtschaftsraum? Die wollen einen nämlich nicht verarschen.

EUphoriker
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>>Ähhh, vielleicht wollen die oben genannten aber doch lieber mit China und Indien einen gemeinsamen Wirtschaftsraum? **Die wollen einen nämlich nicht verarschen**.<<

rofl

human rights
20

ein problem mit österreich, osman?

cannery row
01
es geht nicht um eine wirtschaftliche partnerschaft alleine von österreich mit der türkei..

sondern des gesamten eu-raumes. und darauf wird die türkei wohl nicht verzichetn wollen oder können, es ist auch die einzige möglichkeit für sie. die ablehnung eines beitritts ist ja nicht allein österreichisch hausgemacht, sondern eine eu-weite tatsache.

des is mei extra
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'wir wolln gern euer wirtschaftswachstum, aber euch wollma nicht'

Samthand Schuh
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Österreich hat Angst davor, dass die Türkei den Balkan aufmischt

Die wahre Grund, warum Österreichs Wirtschaft so beharrlich gegen einen EU-Beitritt auftritt, liegt in der Furcht, dass eine wirtschaftlich potente Türkei den heimischen Unternehmen am Balkan das Wasser abgräbt.

Standard Leser4
 
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Potente ? Wo ? Wann ?

Bayro
52

EU sägt den eigenen Ast ab, auf dem es sitzt.
Türkei weiter so.

human rights
10

problem mit EU?

EUphoriker
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problem mit andersdenkenden?

human rights
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was hat das mit andersdenkend zu tun? wenn ein türke das ende der eu begrüßt, nur weil diese mit der aufnahme eines gegen menschenrechte und völkerrecht (zypern) verstoßenden landes zögert, dann ist dahinter eu-feindliches verhalten zu vermuten. und dagegen wehre ich mich als überzeugter eu-anhänger!

EUphoriker
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griechenland:

http://www.spiegel.de/politik/a... 67,00.html

in der EU. Man denke auch an die Folter im Rahmen der Polizeiaktionen beim G8-Gipfel in *Genua* und die Unterstützung dieser Maßnahmen durch das damalige österr. Aussenamt.

aber immerhin, das sind argumente:

bisher beschränkten Sie sich hier ja darauf menschen, die Sie als türkisch identifizieren, als EU- bzw. österreichfeindlich zu brandmarken.

PS: Ob die von Ihnen kritisierten besonders intelligente Beiträge liefern ist eine andere sache.

human rights
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ich stimme ganz und gar mit Ihnen überein, daß die EU genauso Dreck am Stecken hat, was die Menschenrechte betrifft.

Hier geht es aber um etwas anderes: hier soll über die EU Wirtschaft, die zweifellos einen Vorteil an einem Türkei-EUbeitritt hätte, der Beitritt erzwungen werden. Hierbei scheint alles andere wie Menschrechte und Völkerrecht in den Hintergrund rücken. Auf der einen Seite beklagen sich Menschenrechtler über die Behandlung der Minderheiten (Kurden) und politischen Inhaftierten, über die Gewalt gegen Frauen, auf der anderen Seite grenzen z.b.gerade die Grünen jene als rechtslastig aus, die aus ob.gen.Gründen gegen eine EU Gemeinschaft mit der Türkei sind.

EUphoriker
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sorry aber:

die südostanatolier sind im öffentlichen bewusstsein immer südostanatolier wenn es um ihre reaktionären traditionen geht und sie sind kurden, wenn es darum geht, dass die türkei diese traditionen bekämpft.

man einige sich mal darauf, ob man gegen "zwangsehen" oder gegen "maßnahmen gegen zwangsehen" ist.

kurdische traditionen sind nun mal nicht vollständig menschenrechtskonform.

es geht um eine differenzierte betrachtung und nicht abschiebungen von türkinnen in die hände ihrer männlichen tyrannen. es geht auch um die verfolgung der menschenrechtsverletzungen und nicht um die Strategie des unter den Teppich kehrens, nach dem Motto: Wenn die Türkei nicht in die EU kommt, existieren diese Probleme auch nicht für uns."

human rights
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wie kommst du ausgerechnet nur auf kurden, die nicht menschenrechtskonform sind? ist erdogan, der oppositionspiliker und kritische intellektuelle verschwinden läßt, ein kurde?

human rights
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mei, ich bin schon müde.... politiker soll das komische wort heißen....

HLAB27
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"es"??

human rights
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bitte nicht, das klingt gleich xenophob!

Bayro
01

ja genau, der Schreckgespenst (clown) von Stephen King.

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