"The Witcher 2" kombiniert böse Flüche mit nackten Tatsachen

4. Juni 2011, 11:05
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Rollenspiel für Erwachsene peppt gediegene Fiktion mit Features für 18+ auf

Tabuloses Fluchen, das Blut spritzt und da und dort gibt es nackte Tatsachen zu sehen: Das Rollenspiel The Witcher 2: Assassins of Kings peppt gediegene interaktive Fiktion mit ein paar Features auf, die die Altersfreigabe auf 16 bzw. 18 Jahre raufschnellen lässt. Gewalt und Erotik bleiben dabei, wie in Abenteuerfilmen, nur beiläufige Attribute einer dominanten Handlung. Die Story, die den Entscheidungen der Hauptfigur folgend, unterschiedliche Verläufe nimmt und an eines von 16 verschiedenen Enden führt, bleibt im Vordergrund.

Tolkien'sches Figurenarsenal

Die Zielgruppen-Entscheidung eines Fantasy-Spiels, das sich dezidiert an Erwachsene richtet, erscheint logisch, bedenkt man, dass begeisterte Pen-&-Paper-Rollenspieler, die Mitte der 70er-Jahre 20 Jahre alt waren, nun schon auf die 60 zugehen. So viel Tradition verhindert zwar, dass in dem Genre täglich die Welt neu erfunden wird, begünstigt aber langsame Vertiefung und Ausdifferenzierung. The Witcher bietet eine konventionelle, aber gut erzählte Geschichte mit einigen recht plastischen Charakteren. Auch die Politik der mit den unvermeidlichen Tolkien'schen Figurenarsenal von Elfen und Zwergen bevölkerten Reichen, ist anschaulich geraten.

Unfreiwillig komisch

Geralt, Hexer und Hauptfigur des Spiels, darf etwa hinterrücks über den "König mit seinem lächerlichen Krieg" schimpfen, folgt ihm aber dennoch treu. Dem dick aufgetragenen Pathos würde, gerade in der manchmal unfreiwillig komischen deutschen Sprachausgabe, etwas Ironie guttun. Auch an der behäbigen Steuerung kann man mäkeln: Die Kämpfe sind cool inszeniert, lassen aber etwa manuelle Auswahl der Gegner nicht zu. Dank der inhaltlichen Qualitäten kann The Witcher aber durchaus mit dem Genre-Kollegen Dragon Age mithalten. 

Das CD Projekt / Namco Bandai für PC (für XBox ab Ende 2011) ist ab ca. 40 Euro erhältlich. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, Printausgabe 4./5.6.2011)

  • Geralt, Hexer, aber kein Königsmörder, muss seine Unschuld beweisen. Freundin Triss hilft dabei.
    foto: cd projekt / namco bandai

    Geralt, Hexer, aber kein Königsmörder, muss seine Unschuld beweisen. Freundin Triss hilft dabei.

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